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Helge Schneider und der Zauber des Ungewissen – Eine Begegnung

Helge Schneider gastiert mit seiner neuen Bühnenshow „Der letzte Torero: Big L.A. Show“ am 20. und 21. Februar in der Isarphilharmonie. Der Unterhaltungskünstler bricht gerne lustvoll mit Erwartungen – auch beim Pressetermin.

Helge Schneider lehnt lässig in schwarzer Lederjacke gekleidet und mit seiner Trompete in der Hand am Klavier und lächelt in die Kamera.
Copyright: Benedikt Feiten/Gasteig

„Mal sehen, was passiert. Bei Helge weiß man ja nie“, heißt es schon beim Einlass. In ähnlichen Tönen informiert der Ankündigungstext über die bevorstehende Tour des Kabarettisten und Musikers: „Wenn es eine Kunst gibt, die Helge Schneider wie kein anderer beherrscht, dann ist es das Nicht-Erfüllen von Erwartungen.“ Die Felder, in denen sich der kultisch verehrte Unterhaltungskünstler tummelt, sind zu viele, um sie in gut leserlicher Schriftgröße auf einer Visitenkarte unterzubringen. Komiker ist er, na klar, aber auch Filmschaffender, Schriftsteller, Schauspieler und Multiinstrumentalist.

 

Mit der Bühnenshow „Der letzte Torero: Big L.A. Show“, gastiert er in der Isarphilharmonie. Also reihe ich mich beim Pressetermin in die Traube aus Journalist* innen ein, die sich sofort in ein ehrfurchtsvolles Publikum verwandelt, als Helge Schneider im Night Club des Bayerischen Hofs erscheint. „Ein Unikat.“ „Einzigartig.“ „Nicht kopierbar“, raunt es unter den Journalist*innen und Presseleuten.

 

 

Helge Schneider steht neben einem Pappaufsteller, der ihn im pinken Kostüm mit Trompete zeigt zeigt.
Copyright: Benedikt Feiten/Gasteig
Der Musiker Helge Schneider sitzt am Flügel und blickt ins Publikum, man sieht verschwommene Köpfe von hinten. In der einen Hand hält er ein Saxophon mit der anderen trommelt er auf einem Bongo.
Copyright: Benedikt Feiten/Gasteig

Auf der Bühne hinter ihm türmen sich verschiedene Instrumente. Zum Programm, so viel sei vorweggenommen, wird wenig Konkretes preisgegeben. Der Titel „Der letzte Torero“ sei eine Metapher für alte Zeiten, Vergessenes, Tradition, verrät Schneider. Tänzer und Saxophonist Sergeij Gleitman wird die Aufführung durch „misanthropischen Tanz“ begleiten und Sandro Giampietro wird an der Gitarre mit von der Partie sein – im Gegensatz zu Sohn Charlie, wie der Künstler erzählt: „Der will ja Basketballer werden, der ist zu Hause und macht jeden Tag Vergrößerungsübungen.“ Schon diese kurze Auskunft zeigt, woraus Helge Schneiders Kunst ihren Reiz zieht: „Meine Arbeit ist auch Lüge. Ich erzähle Geschichten, die nicht stimmen, die aber stimmen könnten, das ist das Wichtige daran.“

 

Selbst bei der banalen Frage, was Helge denn privat für Musik höre, nennt er Milli Vanilli (an dieser Stelle der versehentliche Tusch eines Fotografen, der ans Schlagzeug stößt) neben Lieblingsplatten der holländischen Prog- Rock-Formation Ekseption. Die Assoziation im Moment, das Improvisieren nicht nur in der Musik, erzeugen einen wunderbaren Spannungszustand, in dem man nicht weiß, was als nächstes geschieht – und der sich oft in Gelächter entlädt. Helge Schneider kennt in solchen Terminen wahrscheinlich alles: Fragen, die auf brauchbare Zitate zielen („Du fängst traditionell deine Tournee in München an, oder?“), Fragen als Vorlagen zu Pointen, Fragen, die die eigene Vertrautheit mit Helges Werk beweisen („Ich finde dein Saxofon-Spiel ja so unique, wirst du das auch auf dieser Tournee spielen?“).

Helge Schneider sitzt mit großer schwarzer Brille am Flügel.
Copyright: Benedikt Feiten/Gasteig

Ich war schon in der Isarphilharmonie drin, sie klingt sehr philharmonisch. Man darf nicht laut verstärken, sie hat einen natürlichen Sound. Das kommt mir sehr entgegen. Wobei ich auch laute Musik gut finde, aber ich mach die dann leise.

Helge Schneider

Die Frage zur Isarphilharmonie, deren Antwort ich als Abgesandter der Gasteig-Redaktion mitnehmen möchte, stellt jemand anderes. Als Helge Schneider gebeten wird, mit seinem Papp-Abbild im Torero-Outfit zu posieren, erfüllt er den Wunsch widerwillig. „Freude!“, fordern die Fotografen, „Noch mal kurz zu mir!“, „Noch mal hier rüber“, „Freude! Ja!“. Dann setzt er sich erleichtert ans Klavier, spielt eine jazzige Improvisation, mit einem Mal versunken, fast einsam. Erwartungen lustvoll zu brechen, kann ja schnell selbst wieder zur Erwartungserfüllung werden. Aber selbst, wenn man nicht ahnt, was passiert: Bei Helge ist immer mehr da als der reine Klamauk. Und darin liegt der Zauber.

Live und in Farbe Helge Schneider in der Isarphilharmonie

Text: