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Leben für die Bühne: 40 Jahre MünchenMusik

Wir gratulieren: In dieser Saison feiert MünchenMusik 40-jähriges Jubiläum. Seit vielen Jahren präsentiert der Veranstalter Klassik-Stars, große Shows und Kino mit Live-Orchester im Gasteig. Doch wer steckt eigentlich hinter den ganzen Bühnenprogrammen? Über Anfänge, unvergessliche Momente und Zukunftsvisionen eines großen Konzertveranstalters

Andreas Schessl (links) mit Frau Dea v. Zychlinski-Schessl und Sohn Dr. Nepomuk Schessl
Gemeinsam für die Musik: Andreas Schessl (links) mit Frau Dea v. Zychlinski-Schessl und Sohn Dr. Nepomuk Schessl Copyright: Marris Mac Matzen

Wenn jemand Musik im Blut hat, dann Andreas Schessl, Geschäftsführer von MünchenMusik. Die musikalischen Wurzeln seiner Familie reichen zurück bis ins 17. Jahrhundert, im Stammbaum findet man Musikalienhändler, Komponisten, Veranstalter und Profimusiker, die unter anderem im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und im Bayerischen Staatsorchester musizier(t)en. Auch Schessl wählte die Musik als Beruf: Das Hornstudium am Richard-Strauss-Konservatorium ergänzte er durch ein BWL-Studium, um seine musikalische Leidenschaft als Unternehmer auszuleben.

Seit Jahrzehnten verbunden mit dem Gasteig

1984, ein Jahr vor der Eröffnung des Gasteig, begann die offizielle Firmengeschichte von MünchenMusik: Schessl veranstaltete seine erste Kammermusikreihe auf Schloss Blutenburg und brachte für etwa 190 Besucher*innen das Koeckert-Quartett auf die Bühne, eines der international führenden deutschen Streichquartette, dem als Bratschist sein Vater Franz Schessl angehört. Anfang der 1990er-Jahre wird die erste gemeinsame Reihe mit dem Gasteig ins Leben gerufen: „Vocalissimo“ soll dem Münchner Publikum großartige Stimmen präsentieren und so begeistert beim allerersten MünchenMusik-Konzert im Gasteig Opernstar Margaret Price die Menschen in der Philharmonie. Im Laufe der Zeit wachsen die Säle und Programme; Künstler*innen aus der ganzen Welt, darunter Cecilia Bartoli, Daniel Barenboim oder Jonas Kaufmann, sind seit mehreren Jahrzehnten eng mit dem Familienunternehmen verbunden.

 

Apropos Familie: Gemeinsam mit Frau Dea v. Zychlinski-Schessl, Sohn Nepomuk und einem Team von über 50 Mitarbeitenden schafft Schessl große Kulturerlebnisse. Rund 300 klassische Konzerte pro Saison finden allein in München statt. Ein Firmenverbund mit unterschiedlichen Ausrichtungen realisiert außerdem weitere Konzerte, Shows und Ausstellungen im gesamten deutschsprachigen Raum.

Gasteig macht’s möglich

Am Gasteig schätzt Andreas Schessl besonders die vielen Möglichkeiten, die das Kulturzentrum ihm schon immer eröffnet. Ein besonderes Highlight war für ihn beispielsweise die aufregende Show „Classic On Ice“, für die man die Bühne der Philharmonie in eine Eisfläche verwandelt hat. Auch die Zusammenarbeit mit dem Circus Roncalli hat ihn bewegt: Erstmalig konnte das Publikum Zirkus mit klassischer Musik im Konzertsaal erleben.

 

Dass auch der Gasteig HP8 als Interim gebautes Haus viel kann, zeigte zum Beispiel die deutsche Premiere der „Fashion Freak Show“ mit Modeschöpfer Jean Paul Gaultier im Sommer 2023, sagt Schessl. Die Show vereinte Zirkus, Theater, Musik und Tanz, war Modenschau mit Video-Einspielungen, üppigem Bühnenbild und unzähligen schrillen Outfits. Eine gigantische technische Ausstattung war für dieses Erlebnis in der Isarphilharmonie erforderlich. Projekte wie diese könne man nur realisieren, wenn alle im Team an einem Strang ziehen, so Schessl.

Auf der Bühne setzen sich mehrere Darstellende in knalligen Outfits in Szene.
Showtime in der Isarphilharmonie: Von der „Fashion Freak Show“ im Juli 2023 waren alle begeistert. Copyright: Semmel Concerts / Wolfgang Wilde

Programm für ein buntes Publikum

Den Gasteig besuchen täglich ganz unterschiedliche Menschen. Aus diesem Grund wird hier ein breit gefächertes Kulturprogramm geboten. Und so setzt auch MünchenMusik im Sendlinger Interimsquartier auf abwechslungsreiche Formate, wobei die Klassik nach wie vor die Hauptrolle spielt: Stars, Weltklasse-Orchester und aufstrebende Talente bringt Schessls Team regelmäßig auf die Bühne der Isarphilharmonie. Ab Dezember dürfen sich große und kleine Filmfans zum Beispiel wieder über besondere Kino-Vorführungen mit Live-Orchester-Sound freuen: Disney-Klassiker, Star Wars, Harry Potter und andere Film-Highlights stehen auch in der Jubiläumssaison auf dem Programm.

„Für uns ist der Gasteig HP8 sehr wichtig: Mit der Isarphilharmonie haben wir jetzt einen Saal, dessen Akustik erstklassig ist. Dadurch können wir mehr internationale Orchester und Stars in München präsentieren.“

Andreas Schessl, Geschäftsführer von MünchenMusik
Ein Porträt der Violinistin Hilary Hahn zeigt sie vor einem orangenen Hintergrund mit ihrer Geige in der Hand. Das Bild ist umrahmt von Blumengestecken.
Der amerikanische Geiger Chad Hoopes spielt seine Geige vor blauem Hintergrund.
Porträt des Flötisten Emmanuel Pahud

Heute schon die Stars von morgen

Doch auch die Förderung des Kultur-Nachwuchses liegt dem Konzertveranstalter am Herzen. Der Pianist Lang Lang, die Cellistin Sol Gabetta oder der Schlagzeuger Martin Grubinger haben einst klein angefangen und sind unter anderem mit MünchenMusik gewachsen. Der Wille, gerade talentierten Nachwuchskünstler*innen zu größerer Bekanntheit zu verhelfen, hat sich während der Corona-Pandemie bei Schessl und seinem Team verstärkt. Gemeinsam mit seinen internationalen Kontakten widmet sich Schessl daher der Aufgabe, junge Musiker*innen Schritt für Schritt aufzubauen, angefangen bei Solokonzerten und Recitals in kleinen Sälen bis hin zu Auftritten mit Spitzenorchestern in renommierten Konzerthäusern.

 

Auch in der 40. Spielzeit ist es für den Unternehmer immer noch spannend, innovative Formate zu entwickeln, um Klassik mit neuen Elementen zu verbinden. Kraft schöpft er dabei „aus der eigenen Freude am Erleben“. Jede Woche besucht er mehrere Konzerte und legt großen Wert darauf, dass bei 90 Prozent aller MünchenMusik-Veranstaltungen zumindest eine*r aus der Familie an Ort und Stelle ist. Als Veranstalter sei er „der Kümmerer, der schaut, dass alles passt“, sagt Schessl. Was wünscht er selbst sich von seiner Heimatstadt zum Jubiläum?

„Hauptsache, es gibt ausreichend passende Spielstätten für vielfältigen Kulturgenuss.“

Andreas Schessl, Gründer von MünchenMusik

Der Veranstalter hofft auf einen Dialog zwischen Stadt und Land über die Zukunft der Münchner Konzertsaallandschaft. Er schätze die hohe Qualität der hiesigen Orchester sowie die grundsätzliche Bereitschaft von Stadt und Staat sehr, Geld in die Kultur zu investieren, so Schessl. „Aber die Entscheidungsprozesse sind eine Katastrophe. Aus meiner Sicht braucht man eine gute Gesamtlösung und schnellere Entscheidungen“, findet der Veranstalter. Konzertbesucher*innen sei es egal, ob ein Saal von Stadt oder Staat finanziert werde: „Hauptsache, es gibt ausreichend passende Spielstätten für vielfältigen Kulturgenuss.“

Highlights in der Isarphilharmonie

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