Neuigkeiten

31.03.2021

Kunst und Krise. Wie geht es Kreativen im Lockdown? Folge 4

Kunst und Krise. Wie geht es Kreativen im Lockdown? Folge 4 Hofft auf baldige Filmvorführungen mit Live-Publikum: Monika Haas Michael Münker

Seit Monaten kennen wir dieses Bild: verwaiste Museen, abgesagte Festivals, keine Musik, kein Theater, kein Tanz – Kultur findet momentan fast nur noch digital statt. In unserer Serie »Kunst und Krise« wollen wir wissen: Wie kommen Kreative und Kulturschaffende im Lockdown zurecht? Was vermissen sie besonders, worauf freuen sie sich? Antworten geben uns dieses Mal ein Schriftsteller, die Geschäftsführerin der Filmstadt München und eine Münchner Alternative Pop-Band.

»Mein Gemütszustand schwankt fast täglich zwischen Frustration und Optimismus«

erzählt Monika Haas, Geschäftsführerin der Filmstadt München e. V. »Ich merke aber, dass mich die Situation zusehends belastet. Das letzte Jahr, in dem etliche unserer Festivals und Filmreihen nicht stattfinden konnten bzw. oft nach Monaten der Vorbereitung  kurzfristig abgesagt werden mussten, war schmerzlich. Schön war das kurze Aufatmen ab dem Sommer und dass einige der Herbstfestivals stattfinden konnten, wenn auch mitunter in anderer Form und meist ohne direkten Austausch mit dem Publikum. Eine große Erleichterung ist die Unterstützung durch das Kulturreferat. Wie gerne würde ich endlich wieder ins Kino, ins Museum, zu Lesungen oder zu Konzerten gehen! Die Kultur vermisse ich am meisten, sehne mich aber natürlich auch danach, Freund*innen zu treffen, ohne mir Sorgen um eine mögliche Ansteckung zu machen. Ich versuche, nicht zu viele Pläne zu schmieden und lieber alles auf mich zukommen zu lassen – und mich dann zu freuen, wenn plötzlich doch etwas klappt. Natürlich hoffen wir bei der Filmstadt, dass es bald  wieder möglich sein wird,  Filme im Kino zu zeigen, z. B. bei den Türkischen Filmtagen,  den  Osterfilmtagen und beim DOK.fest im Mai. Das wäre einfach herrlich!«



»Ich sehne mich wahnsinnig nach meinem Platz im Gasthaus, nach Menschen an Gläsern und nicht hinter Gläsern.«

Sehnt sich nach Menschen an Gläsern: Friedrich Ani © Heike Steinweg/Suhrkamp Verlag

1959 in Kochel am See geboren, lebt Friedrich Ani heute als freier Schriftsteller und Drehbuchautor in München. Neben Kriminalromanen schreibt er Lyrik, Erzählungen, Jugendromane und Drehbücher. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den Tukan-Preis und dreimal den Deutschen Krimipreis.

Wie geht es Ihnen?
Trotz des Ausfalls sämtlicher Lesungen und Literaturfestivals habe ich das Glück, arbeiten zu können. Das weiß ich unbändig zu schätzen. Durch gute Aufträge in den vergangenen Jahren konnte ich ein paar finanzielle Reserven anlegen, die mir über die aktuelle Situation hinweghelfen. Ich habe einen neuen Roman beendet, eine Reihe von kürzeren Texten sowie – allerdings aus einem sehr traurigen Anlass heraus – ein Drehbuch, das im  nächsten Frühjahr,  wenn alles passt, verfilmt werden soll. Ich wollte mich einfach nicht unterkriegen lassen, in meinem Zimmer wie auch sonst im Leben.

Wonach sehnen Sie sich?
Ich sehne mich wahnsinnig nach meinem Platz im Gasthaus, nach Menschen an Gläsern und nicht hinter Gläsern, nach einer Form von Unbeschwertheit und nach vollen Theatern, Musiksälen, Kabarettbühnen, Buchhandlungen und anderen Orten der Literatur. Ich sehne mich nach dem Ende des Zwangsabstands.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?
Für die Zukunft plane ich endlich wieder eine Reise an die Nordsee und zum Fuß des Leuchtturms, in dem meine Frau und ich vor zwei Jahren geheiratet haben. Alles andere wird sich zeigen.


 

Matija © Hieronymus Josh

Eine Mischung aus Pop, Indie-Rock, Hip-Hop und Alternative – dafür steht Matija. Die Münchner Band plant in diesem Jahr u. a. einen Auftritt auf dem ISARFLUX Festival des Gasteig am Ostersonntag:

»Wir sehnen uns danach, Konzerte zu spielen. Das fehlt uns so sehr! Unfassbar, wie lange es her ist, dass wir vor einer Menschenmenge gespielt haben. Wir wollen im Herbst auf Tour gehen, schreiben auch an neuer Musik. Wie es dann weitergeht, ist eine andere Frage, die man jetzt noch nicht beantworten kann.«

Text/Interviews: Isabella Mair
Weitere Stimmen aus dem Lockdown:
Folge 1, Folge 2, Folge 3

zurück zur Übersicht