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12.05.2020

Er malt, wo der Gasteig Sendling entsteht: Benjy Barnhart im Interview

Er malt, wo der Gasteig Sendling entsteht: Benjy Barnhart im Interview

Dort wo der Gasteig Sendling in der Hans-Preißinger-Straße 8 entsteht, hat der US-amerikanische Künstler Benjy Barnhart schon seit 2011 sein Atelier. Die Veränderungen, die auf der Baustelle vor seinem Fenster jeden Tag geschehen, dokumentiert er in einem lebendigen Gemälde. Wir haben mit ihm über Kunst und ihre Räume in der Stadt gesprochen.

Der Künstler Benjy Barnhart hat seit 2011 sein Atelier im HP8.

Deine Bilder wirken sehr direkt und momenthaft, gleichzeitig haben sie oft eine starke räumliche Tiefe und Farbkomposition. Wie gehst Du vor?
Ja, ich möchte, dass meine Bilder wie »gesehen« wirken, weil ich bestimmte persönliche oder visuelle Erlebnisse mitteilen möchte. Deswegen beziehen sich meine Bilder auf Situationen und Orte, die ich selbst gesehen habe. Um diese festzuhalten, mache ich oft ein paar Fotos und wenn die Zeit es erlaubt, Skizzen. Ich schwimme in Bildern, die ich angesammelt habe. Meistens dauert es etwas, bis mir klar wird, was ich mit welchem Bild machen will. Das gemalte Bild muss letztendlich mehr als nur eine Abbildung werden. Ich nutze das Licht und die Farben, um die gewollte Atmosphäre herzustellen.

Was ist Dir wichtig bei der Auswahl Deiner Motive? Was spricht Dich an?
Dies zu beantworten ist schwierig, weil mich Vieles ansprechen kann. Ich habe aber eine besondere Leidenschaft für Raum, den Menschen im Raum, Licht und Bewegung. Oft geht es mir um eine bestimmte Stimmung, die ich selbst gespürt habe.

Seit wann arbeitest Du in dem Atelier in Sendling und wie hat sich das Gelände dort seitdem verändert?
Ich bin hier im HP8 seit 2011 und jahrelang hatte sich gar nichts auf dem Gelände geändert. Alle Nutzer sind einfach ihrer Arbeit nachgegangen und das war angenehm. Mir hat immer gefallen, wie das Gelände etwas abseits gelegen und handwerklich geprägt war. Jetzt mit dem Einzug des Gasteig Interim bricht eine neue Phase an und es kommen viele Veränderungen auf uns zu. Gerade haben wir eine laute Baustelle vor uns. Aber ich versuche, diese neuen Impulse für meine Arbeit zu nutzen, indem ich meinen Blick auf die Baustelle täglich male und auf die Veränderungen bildlich reagiere.

Du begleitest gerade die Off-Kultur in München schon seit langer Zeit. Wie hat sich die Kulturlandschaft in Deinen Augen verändert und was wünschst Du Dir für die Zukunft?
Dieses Beispiel gerade hier zeigt, wie wenig Freiraum noch in der Stadt übrig bleibt. Zum Glück wurden kreative Lösungen gefunden, um die Gasteig Häuser hier neben einem Teil der HP8-Nutzer unterzubringen. Aber nicht ohne Verluste, viele mussten neue Räume anderswo, zu schlechteren Konditionen, mieten. Es gibt einfach zu wenig bezahlbaren Raum für Kulturschaffende in der Stadt. Deswegen haben viele Künstler sich unter der Initiative #EXIST Raum für Kunst in München verbündet. Es ist wichtig, dass die großen kulturellen Institutionen auch die Off-Kultur und Subkulturen unterstützen.

Wenn Du in 1,5 Jahren aus dem Fenster schauen und der Interims-Gasteig hat eröffnet: Was würdest Du dann gerne sehen?
Ich hoffe, dass es Raum und den Willen für kreative Kooperationen gibt. Es wird viele Schnittmengen zwischen Gasteig und HP8 geben, weil Künstler, Musiker, Schauspieler und Kreative schon auf dem Gelände vorhanden sind. Es wird die Nachbarschaft verstärken, wenn der Gasteig dieses Potenzial in seinen Räumen integrieren kann. So könnte ein spannendes Miteinander in einem neuen Kreativquartier entstehen.

Großformatiges Malen live vor einer Baustelle: Der Gasteig Interimsbau in Sendling, München
Video auf YouTube: www.youtube.com/watch?v=WK01tCAXyGo


Mehr Bilder von Benjy Barnhart gibt es hier:
www.benjybarnhart.com
www.instagram.com/benjybarnhart/


Interview: Benedikt Feiten

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