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21.06.2022

Alte Hasen und junge Wilde

Alte Hasen und junge Wilde Archaisch und virtuos: Kuratorin Stefanie Boltz spürt den Klängen der Alpen nach. Robert Haas

Alpine Klänge, erzeugt von Musiker*innen unterschiedlichster Herkunft und Genres, versetzen beim Alpenrausch Festival am 29. und 30. Juli den gesamten Gasteig HP8 in einen Rausch. Ein Gespräch mit der Kuratorin Stefanie Boltz über musizierende Barfußläufer*innen, futuristische Alpenjazzer*innen und Hochvirtuos*innen, die regionale und musikalische Grenzen sprengen.

Stefanie Boltz, was ist neu an »Alpenrausch«? Es gibt doch schon Festivals für Neue Volksmusik…

Das stimmt, die Neue Volksmusik hat mittlerweile eine deutlich dichtere Präsenz als noch vor ein paar Jahren – und das ist gut so. Aber in München findet bisher kein Festival dieser Art statt, das so vielseitig ist und gleich zwei Tage am Stück andauert. Hinzu kommt, dass wir ein extrem breites Spektrum an Facetten dieser Neuen Volksmusik bieten werden.

Viele verbinden mit alpenländischer Musik eher volkstümliche Schlager à la Oktoberfest …

Genau das wollen wir mit dem neuen Festival »Alpenrausch« ändern! Die Zuschauer*innen sollen hier die Erfahrung machen, wie unterschiedlich und kontrastreich die Musik ist, die mit dem Alpenraum zusammenhängt. Beim »Alpenrausch«treffen Expert*innen virtuoser Klassik auf Musiker*innen, die sich völlig auf das Archaische, Ursprüngliche der Volksmusik konzentrieren. Deshalb ist das Auswahlkriterium für dieses Festival nicht unbedingt, dass die Musik im Alpenraum geschrieben sein muss. Sie muss den Alpenraum zum Thema haben – sei es, weil die Musiker*innen dort ihre Wurzeln haben, ihre Instrumente dort herstammen, sie die alpenländische Musik beeinflusst, oder sie einfach nur die Sehnsucht nach den Bergen verspüren. Dieses Genre erfindet sich gerade selbst neu, vieles entsteht erst, auch indem Musikstile wie Jazz, Weltmusik oder Klassik mit der traditionellen Volksmusik verknüpft werden.

Du selbst bist als Musikerin eher im Jazz- oder Pop-Genre zuhause …

Das stimmt. Aber meine Familie ist seit Generationen im Alpenraum verwurzelt, so dass ich mit dieser Musik immer schon in engem Kontakt stand.

Was reizt dich als Kuratorin an der Location Gasteig HP8 ?

Durch die Isarphilharmonie verbinden viele diesen Ort zuallererst mit einer Art Hochkultur. Ich möchte mit Alpenrausch daran anknüpfen, das Spektrum aber auch ganz bewusst erweitern. Diese Mischung aus virtuoser Klassik und ursprünglicher Alpenmusik spiegelt sich in einer Location wie dem Gasteig HP8 ideal wider: Hier verbindet sich hochmoderner Baustil mit einem
denkmalgeschützten Gebäude. Der Gasteig HP8 ist für das Festival deshalb perfekt, einmalig und total spannend.

Das Gelände bietet einen interessanten Mix an Gewerken – von den Werkstätten der Azubis der Stadtwerke über Designateliers und Reifenhändler …

Mich reizt die improvisierte Atmosphäre auf dem Gelände, auf dem sich Handwerk, Design, Architektur, Kunst und Kultur so herrlich verbinden. Diese Basis eröffnet dem Improvisationsbedarf neuer Musik einen idealen Raum. Und natürlich wird es unglaublich viel Spaß machen, die fantastische Akustik der Isarphilharmonie mit alpenländischem Sound zu füllen.

Worauf freust du dich selbst am meisten?

Auf die Kontraste, die während des Festivals sichtbar werden, auf die Vielseitigkeit, die das Programm mit sich bringt. Auf die musikalischen Begegnungen, auf die Festival-Atmosphäre direkt an der Isar nach der langen Pandemie-Durststrecke. Und darauf, beiden Zuschauer*innen und Musiker*innen mit diesem Auftakt schon den Hunger auf die nächste Ausgabe von Alpenrausch zu wecken.

Mehr zum Programm unter gasteig.de/alpenrausch

Interview: Melanie Brandl

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