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11.06.2019

»Tanzen ist ein Dialog mit dem Körper«

»Tanzen ist ein Dialog mit dem Körper« Tänzerinnen bei einer Gaga/people-Stunde Courtesy of Gaga Movement & Ltd, photo: Ascaf

Am 15. Juni macht »Tanz den Gasteig« den Münchnern wieder Beine! Denn beim größten Tanzfest der Stadt ist Mitmachen angesagt: Besucherinnen und Besucher können Exotisches wie den Tanztrend Gaga aus Israel ausprobieren oder ganz traditionell beim Tanztee zu Salonmusik walzen.

Tanja Saban tanzt am Wasser Gaga

»Wir beginnen damit, im Wasser zu sein«, leitet Gaga-Lehrerin Tanja Saban ihre Tänzerinnen und Tänzer an. »Wir erforschen, wie sich unser Körper im Wasser anfühlt. Wir spüren, wie sich unsere Haut im Wasser anfühlt. Wir untersuchen die Empfindung, im Wasser zu schweben.« Saban lässt über ihre Beschreibung von Bildern, Sinneswahrnehmungen und Körperempfindungen bei sich und ihrer Tanzgruppe Bewegungen entstehen.

Während die Tänzerinnen und Tänzer tief in den Körper hinein spüren, haben sie die Augen geöffnet und sind im Austausch mit der Gruppe. So bewegen sich Lehrerin und Schüler in einem fort, ohne im Unterricht auch nur ein einziges Mal stillzustehen – sie sind ganz im »Flow«. Im Hintergrund läuft ruhige Musik, die sie in ihren Bewegungen unterstützt. 

Gaga ist eine ganz besondere Tanzform: Es gibt keine festen Schrittfolgen, keine Begrenzung auf eine bestimmte Anzahl von Möglichkeiten. Gaga ist vielmehr eine »Toolbox«, aus der man sich mit vollen Händen bedienen kann, um sich selbst, seinen Körper und dessen Stärken und Schwächen kennenzulernen. »Es ist ein tänzerisches Bewegungstraining, eine bewusste Arbeit mit dem Körper«, sagt Tanja Saban. »Außerdem ist es improvisatorisch und ein Erlebnis für alle Sinne.«

Drei Gaga/people-Stunden bietet die gebürtige Schweizerin bei »Tanz den Gasteig« an – diese richten sich explizit an Interessierte ohne Vorkenntnisse. Am Anfang wird Saban die Gaga-Regeln und -Anweisungen erklären, anschließend wird gemeinsam »eingetaucht«. Wie der Kurs ablaufe, sei nie vorhersehbar, das entstehe immer ganz intuitiv und im Zusammenspiel mit den Teilnehmern. Wichtig ist ihr, dass sie allen »Freude an der Bewegung vermitteln und einen Raum geben kann, in dem sie sich selbst neu erfahren können.« Nicht selten passiere es dann, dass sich Gaga-Teilnehmer/innen bei der ersten Stunde selbst überraschen, etwa damit, wie beweglich sie eigentlich sind. »Im Idealfall erleben sie mithilfe von Gaga, dass Tanzen kein Kampf mit dem Körper ist, sondern ein Dialog«, meint Saban.

Das »kleine Tanztee-Syndikat«: Ulrike von Sybel-Erpf, Walter Erpf und Erika Zimmer (v. l. n. r.)

Etwas traditioneller wird es bei »Tanz den Gasteig«, wenn pünktlich zum 16-Uhr-Tee das Ensemble »Das kleine Tanztee-Syndikat« Tanzmusik der 1920er und 1930er Jahre präsentiert. Die erfahrenen Musiker erinnern mit zwei Violinen, einem Violoncello und Klavier charmant an vergangene Zeiten: Es erklingen Schlager wie »Veronika, der Lenz ist da« und »Irgendwo auf der Welt gibt’s ein kleines bisschen Glück« von den Comedian Harmonists, aber ebenso schnelle amerikanische Hot-Dance-Nummern und der ein oder andere Tango. Walter Erpf, der »Das kleine Tanztee-Syndikat« 1992 gegründet hat und am Klavier sitzt, beschreibt die Musik als »witzig, quirlig und fein arrangiert«.

Auf diese lebensfrohe Musik kann vieles getanzt werden: Foxtrot, Slow Fox, Wiener Walzer, der langsame English Waltz und Tango, auf die argentinische und auf die europäische Art. Was Erpf besonders gefällt: »Der Tanztee erfüllt eine Doppelfunktion. Die Musik ist rhythmisch genug, um zum Tanzen zu animieren. Die Musik ist aber auch gut genug, um einfach zuzuhören.«


 

Der Tanztee als Postkartenmotiv

Dazu gibt’s Tee, Kaffee und Kuchen. »Ich möchte, dass die Besucher den Tanztee möglichst authentisch erleben«, sagt Gasteig-Projektleiter Heinrich Schmidt, der »Tanz den Gasteig« von Anfang bis Ende geplant hat. Denn schon früher boten Hotels und Gaststätten, die Tanztees ausrichteten, Bewirtung an, um ihre Kosten für Saal, Band und Eintänzer zu decken. Authentisch ist auch die Kleidung des »kleinen Tanztee-Syndikats«: Herr Erpf tritt mit Weste und Fliege auf, die Damen in eleganten Kleidern und mit Haarbändern aus Pailletten, die glitzernd das Licht reflektieren.

Neben Gaga und dem Tanztee gibt es am 15. Juni viele weitere Möglichkeiten, um Tanz zu erleben: angeboten werden Kurse in Salsa, Tango, Cha-Cha-Cha ebenso wie Kindertanzkurse und Disco-Feeling mit Live-Techno und DJs. Von 15:00 bis 2:00 Uhr steht der Gasteig allen Tanzbegeisterten offen und sogar auf der Bühne der Philharmonie darf getanzt werden. Der Eintritt ist frei!

Zum vollständigen Programm von »Tanz den Gasteig« geht es hier.
 


Interviews & Text: Anneke de Kemp
Fotos: Tanja Saban; Jakob Erpf

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