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20.05.2016

»Musik bereichert das Leben!«

»Musik bereichert das Leben!«

Im orangen Gasteig-Winkel: Marianne Müller-Brandeck, Koordinatorin von »GAACH – quasi eine Volksoper« an der Münchner Volkshochschule

Ihr Büro liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gasteig. Vom Kulturzentrum am gaachen Steig sind es nur ein paar Meter bis in die Metzstraße 12. Von dort aus leitet Marianne Müller-Brandeck seit vielen Jahren das Fachgebiet Musik der Münchner Volkshochschule und organisiert Musikprogramme für ganz München. Viele davon finden im Gasteig statt – »weil das einfach ein Ort ist, zu dem das Publikum gerne kommt«, so Müller-Brandeck, die täglich mit dem Fahrrad zwischen ihrem Büro und dem Gasteig hin- und her radelt: »Seit fast 30 Jahren ist der Gasteig für mich ein Stück Heimat!«

Eigentlich ist Marianne Müller-Brandeck Lehrerin, sie hat einige Semester Musikwissenschaft studiert und nach der Geburt ihres zweiten Kindes mit der Fachgebietsleitung Musik ihren idealen Arbeitsplatz an der Münchner Volkshochschule gefunden. »Die Erwachsenenbildung ist schon deshalb beglückend, weil nur Menschen zu uns kommen, die das selbst wollen.«

Bild zeigt Teilnehmer/innen von GAACH

Zurzeit düst Marianne Müller-Brandeck auf ihrem Fahrrad noch häufiger als sonst in den Gasteig – wegen »GAACH«, einem partizipatorischen Kunstprojekt, das am 5. Juni 2016 im Kulturzentrum am »gaachen Steig« im Rahmen der Münchener Biennale, dem international bekannten Festival für neues Musiktheater, uraufgeführt wird. Seit vergangenem Herbst arbeiten mehr als zwanzig Volkshochschuldozenten und ihre Kursteilnehmer(-innen) aus verschiedenen Bereichen an »GAACH«: Musik, Tanz, Literatur, Theater, Fotografie, Malerei, textiles Gestalten, Deutsch als Fremdsprache, Französisch sowie der interkulturelle Schülertreff. Außerdem beteiligt: die »Blasmusik der Münchner Philharmoniker«, Mitglieder des Odeon-Jugendsinfonieorchester München, eine Flüchtlingsgruppe von Refugio München sowie eine Chorklasse des Maria-Ward-Gymnasiums Nymphenburg. Marianne Müller-Brandeck ist schon seit über zwei Jahren mit den Planungen beschäftigt: »Es ist nicht ganz einfach, Leute für ein so langfristiges und zeitaufwändiges Projekt zu gewinnen, dessen Ergebnis derart offen ist. Vor einem Dreivierteljahr wussten wir noch nicht genau, was bei diesem Experiment am Ende rauskommt. Jetzt ist es klarer: Etwa 200 Menschen zeigen eine Performance aus Sprache, Bewegung und Musik, die sich gemeinsam mit dem Publikum durch den Gasteig und seine Foyers bewegt. Im April hatten wir die erste Probe vor Ort. Es wird toll, so vielfältig wie ein Mosaik!«

Klingt wie ein wirklich gaaches Vorhaben, das alle Beteiligten aus der Reserve lockt. »Verschiedene Volkshochschulkurse werden durch ›GAACH‹ erstmals miteinander vernetzt: Literaturkreise bieten den Musikern Texte an, Musiker spielen für die Tänzer auf – so ergeben sich Zusammenarbeiten, die immer weiterentwickelt werden. Die künstlerischen Leiter – Catherine Milliken, Robyn Schulkowksy und Dietmar Wiesner – beherrschen es unglaublich, die Leute mit ihrer offenen Art zu motivieren. Das ist für mich absolut beglückend!«, schwärmt Marianne Müller-Brandeck.

Der thematische Fokus von »GAACH« liegt auf Haidhausen. Für die Textbeschaffung hat der Literaturkreis zum Beispiel Bewohner eines Haidhauser Altenheims interviewt. Teilnehmer der Fotokurse sind mit Kameras durch die Nachbarschaft des Gasteig gezogen, und als Einführung gab es für die Dozenten eine spezielle Führung durch das Stadtviertel. Marianne Müller-Brandeck: »Es berührt mich sehr, wenn ich sehe, was hier gerade entsteht und was für ein Potential bei den Teilnehmern vorhanden ist. Ich hoffe, dass die Besucher am 5. Juni von diesem partizipativen Gedanken mitgerissen werden!«

Bild zeigt Barbara Voggenreiter

»So eine Gelegenheit hat man nicht oft im Leben«, sagt die 60-jährige Barbara Voggenreiter, die mit ihrem Chor bei »GAACH« singt. »Normalerweise sieht man sich als Zuschauer ein fertiges Werk an. Jetzt konnten wir alle Mosaiksteine selbst dafür sammeln und hautnah erleben, wie daraus ein fertiges Werk ›komponiert‹ wird. Ich weiß jetzt, dass ich mit Freude und Einsatz gemeinsam mit anderen viel mehr schaffen kann, als ich geglaubt habe!«

Einzigartig – überraschend – gaach? Wir drücken allen Beteiligten die Daumen auf dem Weg zur Zielgeraden und sind sehr gespannt auf die Aufführung am 5. Juni 2016 um 18 Uhr.

GAACH – quasi eine Volksoper
Ein Partizipationsprojekt. Eine Produktion der Münchener Biennale 2016 mit der Münchner Volkshochschule. Künstlerische Leitung: Catherine Milliken, Robyn Schulkowksy, Dietmar Wiesner
Uraufführung: Sonntag, 5. Juni 2016, 18 Uhr, Gasteig / Foyers
Dauer: ca. 60 Minuten / Tickets: 5,00 €

»GAACH – Fotoprojekte«
Fotoausstellung im Rahmen der Münchener Biennale vom 28. Mai bis 9. Juni 2016 im Gasteig, Foyer Kleiner Konzertsaal



Text: Maria Zimmerer
Titelfotos und Foto B. Voggenreiter: Andreas Merz / Gasteig München GmbH
Foto Teilnehmer/innen: Florian Reim. Das Fotos entstand im Kurs »GAACH – die Fotodokumentation«. Weitere Ergebnisse des Fotoprojekts unter der Leitung von Sabine Klem und Gérard Pleynet sind in der Ausstellung im Kleinen Konzertsaal zu sehen.

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