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12.10.2018

»Mich verbindet mit dem Gasteig sehr viel.«

»Mich verbindet mit dem Gasteig sehr viel.« Aaron Kreidel

Johannes Berger kommt aus Oberaudorf im Landkreis Rosenheim, spielt Orgel seit er neun Jahre alt ist, hat in München, Amsterdam und Salzburg studiert und debütiert nun beim Festival zum 125. Jubiläum bei den Münchner Philharmonikern. Wir haben uns mit ihm zum Backstage-Gespräch getroffen.

Am Spieltisch der Klais-Orgel in der Philharmonie

Die Münchner Philharmoniker haben die 8. Sinfonie von Gustav Mahler 1910 uraufgeführt, jetzt steht das Mammutwerk anlässlich des 125-jährigen Jubiläums des Orchesters auf dem Programm.
Es ist mir eine große Ehre und Freude bei dieser Aufführung dabei zu sein. Während die Orgelparts in den großen symphonischen Werken zum Teil eher überschaubar sind, ist die Orgel in der 8. Sinfonie von Gustav Mahler sehr prominent vertreten. Es ist großartig, mit diesem Werk bei den Münchner Philharmonikern unter Valery Gergiev mitzuwirken.

Und im Februar geht es damit auf Gastspiel nach Paris!
Ja, ich habe mehrfach von der neuen Philharmonie dort und ihrer ausgezeichneten Akustik gehört. Auch das wird ein Debüt, auf das ich mich sehr freue.

Deine Musikerkolleginnen und -kollegen spielen natürlich immer auf ihren eigenen Instrumenten, mit denen sie eng vertraut sind. Für dich ist das anders, als Organist kannst du Dein Instrument nicht mitnehmen.
Es ist immer wieder eine spannende Herausforderung, sich auf die jeweiligen Instrumente einzustellen und sich innerhalb kurzer Zeit, gerade wenn man sich auf einer Tournee befindet, mit deren Klangfarben und Möglichkeiten vertraut zu machen.

Wenn der Rest des Orchesters übt, dann hast Du also Freizeit?
(lacht) Nicht unbedingt, es ist eher so, dass man als Organist zum Teil auch nachtaktiv sein muss. Die großen Konzertsäle – wie auch die Philharmonie im Gasteig – sind so dicht belegt, dass oft erst ab dem späten Abend Zeit ist, die Registrierung einzurichten und in Ruhe zu üben. Ich genieße das immer sehr, wenn ich hier allein in der Philharmonie bin und die Orgel und den ganzen riesengroßen Saal für mich allein habe. Zu Hause habe ich aber auch noch eine digitale Orgel, an der ich üben kann.

Blick in die Philharmonie vom Orgelspieltisch aus

Mit der großen Klais-Orgel in der Philharmonie bist Du nun schon länger vertraut.
Das erste Mal habe ich das Instrument 2012 gespielt, als ich beim Weihnachtskonzert des Dresdner Trompeten Consorts mitgewirkt habe. Schnell kamen dann ganz unterschiedliche Projekte hinzu, mehrmals habe ich auch solistisch konzertiert. Ich kenne die Orgel im Gasteig daher inzwischen ziemlich gut.

Im Jahr 2016 stand dann Dein Debüt beim zweiten Gasteig-Hausorchester, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks an?
Das war mit der »Alpensinfonie« von Richard Strauss unter der Leitung von Mariss Jansons, in der es auch einen schönen Orgelpart gibt. Auch bei der anschließenden Tournee in Asien durfte ich dabei sein. Darauf folgten viele wunderbare Projekte mit dem Orchester. Ein besonderes Erlebnis waren dabei die Aufführungen des Brahms-Requiems unter Bernard Haitink mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks, sowohl hier in München als auch in Hamburg in der Elbphilharmonie.

Hattest Du schon früher Gelegenheit, Erfahrungen im Orchesterspiel zu sammeln?
Sehr wichtig und prägend für mich war die Zeit im Gustav Mahler Jugendorchester. Dort haben ausgewählte Nachwuchsmusiker die Möglichkeit, mit bedeutenden Dirigenten und Solisten zusammen zu arbeiten und in renommierten Konzertsälen und auf führenden Festivals in Europa aufzutreten.

Wünschst Du Dir mehr junges Publikum in klassischen Konzerten?
Es wäre natürlich begrüßenswert, wenn sich hierzulande noch mehr junge Leute für klassische Musik begeistern würden. In Taiwan zum Beispiel ist es so, dass über die Hälfte der Besucher jünger als dreißig Jahre alt ist.

Gibt es einen Lieblingskomponisten, der Dir besonders nahe steht?
Von zentraler Bedeutung ist für mich Johann Sebastian Bach. Seine Musik hat mich zum Orgelspiel gebracht.

Wie kam es dazu, dass Du mit dem Orgelspiel begonnen hast?
Ich stamme aus einem musikalischen Elternhaus, schon als Sechsjähriger wollte ich Organist werden. Zunächst habe ich aber Klavier gelernt und dann mit neun Jahren den ersten Orgelunterricht von meinem Vater erhalten. Mit elf Jahren hat mich der Münchner Orgelprofessor Franz Lehrndorfer in den Kreis seiner Schüler aufgenommen. Nach dem Abitur habe ich mein Konzertfachstudium Orgel an der Hochschule für Musik und Theater München bei Prof. Harald Feller begonnen. Dem schlossen sich ein Studium der Kirchenmusik und ein Cembalostudium bei Prof. Christine Schornsheim an. Darüber hinaus habe ich auch in Salzburg und Amsterdam studiert.

Die Klais-Orgel in der Philharmonie

Du bist als Musiker seitdem freischaffend unterwegs. Hat es Dich nie gereizt, eine feste Kirchenmusikstelle anzutreten?
Eigentlich nicht. Als selbstständiger Musiker kann ich viele unterschiedliche Projekte umsetzen, solistisch arbeiten, mit Orchestern spielen. Diese Bandbreite erfüllt mich sehr. Ich bin gleichermaßen als Organist und als Cembalist aktiv und leite zudem das Barockorchester »Concerto München«, das ich 2016 gegründet habe. Außerdem bin ich in Kufstein als Kustos für die Heldenorgel verantwortlich, der größten Freiluftorgel der Welt, welche jeden Tag gespielt wird.

Seit Deinem Studium ist der Gasteig ein Zentrum Deiner Münchner Aktivitäten.
Mich verbindet mit dem Gasteig sehr viel. Ich mag das dortige Angebot, die Atmosphäre, die Mitarbeiter, die Konzentration der verschiedenen Institute. Des Öfteren bin ich in der Musikbibliothek, um mir Noten auszuleihen. In der ehemaligen Philine im Durchgang habe ich vor ein paar Jahren einen kleinen Barockzyklus gespielt, heute ist dort die Medienwerkstatt Pixel. Daran kann man sehen, wie innovativ der Gasteig ist, welche neuen Möglichkeiten hier immer wieder geschaffen werden. Diese Offenheit schätze ich sehr und ich wünsche mir, dass sie auch nach der Sanierung des Hauses erhalten bleibt.

 

Die Münchner Philharmoniker führen die Achte Sinfonie von Gustav Mahler am Samstag, den 13. Oktober 2018 im Rahmen eines Festkonzertes zum 125-jährigen Jubiläum des Orchesters auf, das Gastspiel in der Philharmonie de Paris ist für den 17. Februar 2019 geplant. Weitere Informationen zur künstlerischen Arbeit von Johannes Berger sind auf seiner Homepage und auf der Homepage von Concerto München zu finden.

 


Interview, Fotos: Ingolf Müller

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