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26.05.2017

»Ich bin halt einfach rege!«

»Ich bin halt einfach rege!«

Helga Bopp ist die dienstälteste Garderobiere und langjährige Garderobenleitung im Gasteig: Seit der Eröffnung des Hauses im Jahr 1985 trifft man sie an sechs Abenden die Woche in der Philharmonie, wo sie Jacken, Schirme, Hüte und Taschen entgegennimmt. Aber das ist bei weitem nicht ihre einzige Aufgabe. Was sie an ihrer Arbeit so mag und wie sie an den Gasteig kam, hat uns Frau Bopp, die in diesen Tagen ihren 85. Geburtstag feiert, im Interview verraten.

 

Frau Bopp, Sie sind seit vielen Jahren Garderobenleitung in der Philharmonie. Wie sieht ein typischer Abend für Sie aus?
Im Unterschied zu den übrigen Garderobieren übernehme ich die Verantwortung für die Personaleinteilung und die Abrechnung. Normalerweise fange ich circa zwei Stunden vor Konzertbeginn an, die Garderobenscheine herzurichten und durchzusehen, wer an dem Abend Dienst hat und ob alle da sind. Kurz darauf kommen schon die ersten Besucher für die Konzerteinführungen. Ab einer halben Stunde vor Beginn wird es dann auch mal hektisch – natürlich vor allem im Winter, wenn alle ihre dicken Jacken abgeben wollen. Aber ich mag die Arbeit hier sehr! Und viele Leute kenne ich auch persönlich.

Dann haben Sie also ein regelrechtes Stammpublikum?
Ja, das kann man so sagen. Viele Besucher kennen mich schon sehr lange und kommen nur noch zu mir. Wenn die die Treppe hochkommen, dann kann ich schon an ihrem Mund ablesen: »Sie ist da!«. Das freut mich immer sehr.



Wie lange arbeiten Sie denn schon am Gasteig?
Nun ja, eigentlich schon so lange, wie es den Gasteig gibt: Mein erster Arbeitstag war der Tag der Eröffnung im Jahr 1985. Inzwischen sind es also über dreißig Jahre. Aber die Arbeit und das Haus haben mir auf Anhieb gefallen, und so bin ich geblieben.


Können Sie sich noch an Ihren ersten Tag – also an den Eröffnungstag des Gasteig – erinnern?
Ja, natürlich. Das war ein riesiger Trubel damals mit vielen geladenen Gästen aus der ganzen Stadt. Und da es November war, hatten natürlich alle dicke Mäntel und Jacken dabei. Da war an der Garderobe viel zu tun.





Wir haben gehört, dass Sie schon lange verheiratet sind. Was sagt denn Ihr Mann zu Ihren nahezu allabendlichen Einsätzen?
Mein Mann und ich haben erst vor wenigen Tagen – am 10. Mai – unsere Eiserne Hochzeit gefeiert. 65 Jahre sind wir jetzt verheiratet! Mein Mann ist ein wirklich feiner Mensch und hat mich immer unterstützt – und das, obwohl er inzwischen in Rente ist und viel Zeit zuhause verbringt. Er hat selbst noch sehr lange gearbeitet, draußen an der Messe in München. Außerdem ist er eigentlich der Grund dafür, dass ich überhaupt an den Gasteig gekommen bin.

Ach wirklich?
Mein Mann hatte sich während eines Urlaubs in München in die Stadt verliebt. Und so kam es, dass wir von Hessen nach Bayern gezogen sind – damals war ich 53 Jahre alt. Während eines Fußballspiels haben mein Mann und mein Sohn dann im Stadion einen Hinweiszettel gefunden, dass im Gasteig, der bald eröffnet werden sollte, Personal gesucht wird. Kurz darauf habe ich hier angefangen.

Was haben Sie eigentlich gemacht, bevor Sie hier an die Garderobe kamen?
In Hessen war ich Geschäftsfrau, da hatten wir ein großes Lebensmittelgeschäft. Später in München habe ich in verschiedenen Häusern gearbeitet, auch an der Messe.

Inzwischen sind Sie über 30 Jahre am Gasteig. Haben Sie nie ans Aufhören gedacht?
Aber warum denn? So lange mir die Arbeit Spaß macht und niemand sagt, dass ich zu alt bin, bleibe ich hier. Ich bin so sehr mit dem Haus verbunden und freue mich jeden Abend auf die Gäste. Außerdem bin ich nicht der Typ fürs Ausruhen. Ich bin halt einfach rege!


Dann wünschen wir Ihnen weiterhin viel Freude an der Arbeit, Spaß mit den Gästen und natürlich von Herzen alles Gute zu Ihrem 85. Geburtstag!


Interview und Fotos: Lisa Scherbaum

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