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20.12.2018

»Es gab im Gasteig schon viele schöne Begebenheiten«

»Es gab im Gasteig schon viele schöne Begebenheiten« Simon Pauly

Zum ersten Mal singt sie bei der »Festlichen Musik zum Heiligen Abend«: Okka von der Damerau. Die Mezzosopranistin, Opern- und Konzertsängerin und Ensemblemitglied der Bayerischen Staatsoper erzählt im Interview vom Löten und Kunststofffräsen als Hörgeräteakustikerin, vom gemeinsamen Singen mit dem Publikum und darüber, wie sie privat Weihnachten feiert.

Frau von der Damerau, Sie sind zum ersten Mal bei der »Festlichen Musik zum Heiligen Abend« dabei. Wie kam es dazu?
Der Gasteig-Chef Max Wagner ist nach einem Konzert hier im Gasteig an mich herangetreten, nach dem »Fliegenden Holländer« mit Valery Gergiev. Wir sind ins Gespräch gekommen und ich fand seine Begeisterung für die »Festliche Musik« absolut mitreißend. Als Mutter von zwei Kindern finde ich es generell eine schöne Sache, an Weihnachten ein Programm für die ganze Familie zu geben. Wenn um 14:00 Uhr die Geschäfte zumachen, beginnt der besinnliche Teil, und wenn man den mit ein paar hundert Menschen mehr begehen kann, ist das doch eine schöne Sache.

Wie sieht der 24. Dezember sonst bei Ihnen aus?
Am 24. Dezember hatte ich bisher immer frei. Wir feiern dann ganz gemütlich im kleinen Kreis. Mein Mann kocht was Schönes, vormittags schmücke ich mit den Kindern den Baum und zwinge dann alle »Der kleine Lord« zu schauen, was mir nicht wirklich gelingt. An den  Weihnachtsfeiertagen hat man als Sängerin aber natürlich oft Konzerte oder Vorstellungen in der Oper, mit Weihnachts-Klassikern wie »Hänsel und Gretel« oder der »Zauberflöte« zum Beispiel.

Max Wagner und Okka von der Damerau bei der Programmbesprechung
 
 

Wie haben Sie das Programm für die »Festliche Musik« ausgewählt?
Da ich noch nie bei der »Festlichen Musik« dabei war, wollte ich ungern die Dramaturgie übernehmen. Ich habe keine Erfahrung damit, in welcher Tradition das Konzert steht und was für ein Publikum letztendlich da ist. Ich bin außerdem immer offen, etwas Neues kennenzulernen. Ich habe deshalb von den beteiligten Kollegen mögliche Werke zugeschickt bekommen und bin damit sehr einverstanden. »Der Engel« von Richard Wagner aus den »Wesendonck-Liedern« wird dabei sein, was zu meinem üblichen Repertoire gehört. Viele Songs kommen aber auch aus dem englischsprachigen Raum, die sonst nicht in meinen Bereich fallen. Das macht zur Abwechslung sicherlich auch Spaß.

Haben Sie schon einmal mit den anderen Beteiligten – Hansjörg Albrecht, Edgar Krapp und Guido Segers – zusammengearbeitet?
Nein, tatsächlich nicht. Ich freue mich aber sehr auf das gemeinsame Konzert.

Wird auch gemeinsam mit dem Publikum gesungen?
Ja, es sind auch einige traditionelle Weihnachtslieder zum Mitsingen dabei. Ich finde das eine sehr schöne Idee. Für uns auf der Bühne ist es beeindruckend, wenn das ganze Publikum mitsingt. Das ist dann eine Gemeinschaftsaktion und etwas ganz Besonderes. Und gerade bei diesem festlichen Anlass hier bietet sich das natürlich an.

Sie haben im Gasteig schon öfter gesungen. Können Sie sich an das erste Mal erinnern?
Es gab im Gasteig generell viele schöne Begebenheiten. Diese hier zum Beispiel: Ich hatte im ersten Teil eines Konzertes nichts auf der Bühne zu tun und streunte hier ein bisschen rum. Da haben mir die besonders netten Orchesterwarte der Münchner Philharmoniker einen Platz in ihrem Raum, Trinken und Essen angeboten. Ich habe Letzteres so kurz vor dem Singen abgelehnt, es war mit ihnen aber einfach unheimlich nett, witzig und kurzweilig.

Sie waren zunächst als Hörgeräteakustikerin tätig, der Weg zur Opernsängerin war also nicht klar vorgezeichnet?
Nein, ich habe nicht wirklich einen Weg, der Sinn macht. Ich dachte nicht von klein auf: Ich werde Sängerin und singe an der Bayerischen Staatsoper und stehe im Gasteig auf der Bühne. Das hätte ich mir alles in meinen kühnsten Träumen nicht vorgestellt. Ich hab einfach im Schulchor angefangen zu singen, weil ich diesen Chor so toll fand. Es hat mich schon als Kind fasziniert, dass man mit vier Stimmen solche Klänge erzeugen kann. Der Leiter des Schulchores hat mich letztlich zum Gesangsunterricht geschickt, zu meiner Abiturzeit erst … Die erste Serie Aufnahmeprüfungen an den Musikhochschulen habe ich in den Sand gesetzt (lacht). Daraufhin habe ich aus Ratlosigkeit die Idee eines Freundes aufgegriffen, eine Lehre zu machen und bin zufällig auf den Beruf der Hörgeräteakustikerin gestoßen. Das war spannend, auch weil ich in einer Zeit gelernt habe, wo sich die Computerisierung und Verkleinerung der Chips stark entwickelt hat. Ich lernte Löten unterm Mikroskop, Kunststofffräsen und natürlich Hörmessungen und kenne mich deshalb auch mit Akustik grundsätzlich etwas aus. Was ich außerdem aus dieser Zeit mitgenommen habe – und das möchte ich gerne mal deutlich sagen – ich schätze unser Publikum 60plus! Für mich spielt Alter keine Rolle. Immer geht es nur darum, wie junges Publikum angesprochen werden kann. Ich habe in meiner Lehre so viele tolle ältere Leute kennengelernt. Ich habe auch nach der Lehre, als ich übrigens durch die zweite Serie Aufnahmeprüfung gefallen bin – man war sich sehr sicher, dass es nicht reichen wird (lacht) – noch als Gesellin gearbeitet, am Jungfernstieg in Hamburg.

Und jetzt sind Sie an der Bayerischen Staatsoper engagiert, haben Solo-Projekte und sind Mutter von zwei Kindern, wie bekommen Sie alles unter einen Hut?
Das geht natürlich nur durch die Hilfe meines Mannes. Ich hatte mein erstes Engagement, das mich wirklich lange von zuhause weggeführt hat, vor zwei Jahren im Herbst: drei Monate am Stück in den USA. Da überlegten wir, wie wir das machen, das erste Kind wurde gerade eingeschult. Mein Mann war froh, mit den Kindern zuhause bleiben zu können, so hat es sich ergeben, dass er seitdem Hausmann ist. Ich war jetzt auch wieder eine längere Zeit in Stuttgart. Das ist zwar nicht so weit weg, faktisch war ich aber vier Wochen quasi nicht zuhause. Dann, nach kurzer Zeit in München, drei Wochen Konzerttour nach Berlin, Hannover, Amsterdam, dazu Vorstellungen in Stuttgart und so weiter … da ist es schon gut, wenn einer wirklich konstant zuhause ist.

Haben Sie noch Lampenfieber?
Nein, eigentlich nicht. Nur wenn ich nicht gut vorbereitet bin und das liegt dann meist nicht an mir, sondern weil es sich terminlich nicht anders einrichten ließ. Wenn ein Auftritt mit heißer Nadel gestrickt ist, versuche ich vorher, nicht noch in Unruhe zu kommen. Ich bin dann rechtzeitig da, singe mich ein und lese die Texte noch einmal durch, schaffe mir also eine Struktur.

Welche Musik hören Sie privat?
Ich sage eigentlich immer: gar keine, denn ich höre tatsächlich fast nichts, außer ab und an Radio. Wenn, dann höre ich eher mal »'ne laute Gitarre«. Mein Mann kommt auch aus der Rock- und Punkecke.

Okka von der Damerau – woher kommt eigentlich ihr Name?
Mein Vorname ist ostfriesisch, meine Mutter ist in Ostfriesland aufgewachsen. Mein Nachname ist westpreußisch, eigentlich ursprünglich aus der Nähe von Danzig. Ritteradel, aus dem 13. Jahrhundert, kein Künstlername also.

Hier geht es zur »Festlichen Musik zum Heiligen Abend«.



Interview/Text: Judith Ludwig
Fotos: Simon Pauly/Ingolf Müller

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