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21.02.2019

»Das gemeinsame Singen passt hervorragend in den Gasteig«

»Das gemeinsame Singen passt hervorragend in den Gasteig« Jonas Egert/GO SING CHOIR

Chorleiter Jens Junker und der »Go Sing Choir« feiern am 24. Februar mit John Lennons »Imagine« die Skyline #munich4europe auf dem Celibidacheforum. Kommen und mitsingen kann jeder! Wie Singen und Europa zusammenpassen, verrät uns Jens Junker im Gespräch.

Musikalisch war Jens Junker schon immer. Er spielte früh Geige und Kirchenorgel, sang im Kirchenchor und erlernte über die Kirchenmusik das Dirigieren. Anfang 20 schlug Jens Junker dann ganz andere Wege ein, ließ das Ruhrgebiet, die Kirche und das Musikmachen hinter sich. Jahre später entdeckte er das Geige-Spielen in der Münchner Band »Schicksalscombo« für sich neu und dirigierte bald den »Münchner Kneipenchor«. Das reichte ihm, der hauptberuflich Regisseur ist, aber noch nicht. Zusammen mit dem Gitarristen Ian Chapman gründete er den »Go Sing Choir«, der ein neues, frisches Konzept in die volle Münchner Chorlandschaft brachte. Beim ersten Treffen im Mai 2017 in der »Milla« kamen 80 Sängerinnen und Sänger zusammen. Inzwischen sind es 400 bis 500 geworden.

Jetzt ist Konzentration angesagt beim »Go Sing Choir«

Der »Go Sing Choir« hat ein ganz anderes Konzept als ein »normaler« Chor. Wie genau sieht das aus?
Der »Go Sing Choir« ist bewusst ein ganz offenes Projekt. Ein wichtiger initiierender Gedanke war, dass es keine Anmelde- und keine Warteliste geben sollte, wie das bei vielen anderen Chören üblich ist. Wir wollten die Tür offen halten für Leute, die Lust aufs Singen haben. Es gibt auch keine Verpflichtung, regelmäßig zu kommen. Etwa ein Drittel der Menschen, die zu unseren Veranstaltungen kommen, sind das erste Mal dabei. Der Rest sind bekannte Gesichter, die immer wieder zu den Veranstaltungen kommen. So hat sich trotz des offenen Ansatzes der Veranstaltung ein dauerhaftes Gemeinschaftsgefühl entwickeln können und das ist toll. Wer zu uns kommt, muss außerdem weder Noten lesen noch besonders gut singen können. Geübtere und ungeübtere Sänger kommen hier zusammen.

Um ein Lied einzustudieren, trifft sich der »Go Sing Choir« mit Ian und Dir zu einer zweistündigen Probe. Wie läuft die ab?
Die Leute bekommen Lyricsheets, also Textzettel, von denen man den Rhythmus und die Melodie ablesen kann. Am Anfang gibt es ein paar Übungen, die die einzelnen Stimmlagen austesten. Die Sängerinnen und Sänger teilen sich dann selbständig auf, je nachdem, in welcher Stimmlage sie sich wohlfühlen. Dann üben wir die verschiedenen Passagen. Und am Ende der Probe drehen wir immer ein Video, das ist dann sozusagen der Auftritt. Manchmal machen wir aber auch einen Flashmob.

Wenn jemand am Sonntag kommen und mitsingen will, muss sie oder er sich überhaupt vorbereiten?
Es ist schon hilfreich, sich den Song vorher noch ein paar Mal anzuhören. Meistens kennt man nur den Refrain, aber nicht die Strophen. Aber es kann wirklich jeder kommen, der Lust hat.

Die Skyline #munich4EUROPE vor dem Gasteig

Am Sonntag singt Ihr für Europa. Wie passen für Dich Singen und Europa zusammen?
Der »Go Sing Choir« ist nicht mit einer politischen Vision ins Leben gerufen worden. Aber ich glaube, dass Singen per se etwas sehr Gemeinschaftsbildendes ist. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir uns darüber wieder mehr einander annähern können. Und wir singen ja auch mehrstimmig. Zur eigenen Stimme kommen andere Stimmen dazu und nur gemeinsam bekommt man erst den Klang hin. Das trifft für mich auch auf Europa zu.

Und was hat John Lennons »Imagine« für Dich mit Europa zu tun?
Das Lied ist eine Friedenshymne, die viele Jahre überlebt hat und jetzt immer noch aktuell ist. Der Kern der ganzen Geschichte ist natürlich, dass die Menschen sich verbinden, dass sich die ganze Menschheit verbindet. Und ich glaube, das trifft sowohl den kleinen Münchner Raum mit seinen Stadtvierteln und Familienkreisen als auch Europa als Ganzes. Daher glaube ich schon, dass es ganz gut passt.

Wie findest Du den Gasteig?
Ich mag den Gasteig total gerne. Ich finde echt toll, welchen Weg euer Chef eingeschlagen hat: dass man den Gasteig durchlässiger macht und das Gebäude und den Raum in alle Richtungen öffnet – von den klassischen Konzerten über Popkonzerte bis hin zu Tanzveranstal-tungen. Ich finde, dass dieses gemeinsame Singen dann auch hervorragend hierhin passt.

Welche Beziehung hast Du zum Gasteig?
Ich nutze hier fast alles: Konzerte, z. B. Kinderkonzerte mit meinem Sohn, das Münchner Filmfest als Regisseur, die Bibliothek... Den spannendsten Einblick habe ich bekommen, als ich letztes Jahr mit der Belegschaft der Gasteig München GmbH auf einer Hütte Nenas »Irgendwie, irgendwo, irgendwann« einstudiert habe. Das Spannende war, dass vom Techniker über die Angestellten aus der Buchhaltung bis zum Chef alle da waren. Sie wussten gar nichts von der spontanen Sing-Aktion, waren aber gleich dabei und haben mitgesungen – mitten auf der Almwiese in den Bergen. Das war toll!

Welche Visionen hast Du noch für den »Go Sing Choir«?
Eigentlich gibt’s da noch so einen Traum von mir. Irgendwann würde ich gerne in der Philharmonie einen »Go Sing Choir« machen, wo natürlich die Zuschauer die Sänger sind, und zusammen mit den Philharmonikern Metallicas »Nothing Else Matters« singen. Es gibt dann kein Publikum, nur 2.000 Leute, die singen. Wenn das Orchester spielt, fliegt dir der Hut weg.

Näheres zur Veranstaltung finden Sie hier.
Einen Vorgeschmack darauf, wie »Imagine« am 24. Februar klingen könnte, gibt es in diesem Video:

 

Interview/Text: Anneke de Kemp
Fotos: Pius Neumaier/GO SING CHOIR; GMG/Michael Amtmann

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