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21.04.2021

Schnell, flexibel, temporär – Die Profis von NÜSSLI am Bau in Sendling

Schnell, flexibel, temporär – Die Profis von NÜSSLI am Bau in Sendling Bei der Philharmonie ist schon der Endspurt angesagt – im Vordergrund entsteht das Fundament für Modul 1. NÜSSLI Gruppe Manfred Jahreiss

Ein Generalunternehmer erbringt in der Regel sämtliche Bauleistungen für die Errichtung eines Bauwerkes. Im Falle unseres Interimsquartiers ist das die Firma NÜSSLI, bekannt als Garant für flexibles Bauen auf höchstem Niveau. Deren Erfolgsstrategie spiegelt sich schon jetzt in der Philharmonie und den Modulbauten des Gasteig in Sendling.

Jedes Architekturbüro weiß: So gut ein Plan auch sein mag – ob ein Bauprojekt ein Erfolg wird, hängt nicht zuletzt vom Generalunternehmer ab. Bei der Sanierung des Gasteig Sendling hat die Schweizer NÜSSLI Gruppe diese Aufgabe übernommen. Das Unternehmen ist Spezialist für die bauliche Umsetzung komplexer Vorhaben unter höchstem Zeitdruck und gewann nicht nur die Ausschreibung als Generalunternehmer der Interims-Philharmonie, sondern verantwortet auch die Fertigstellung der Modulbauten auf dem Gelände. Die einstige Zimmerei in Hüttwilen arbeitet heute auf der ganzen Welt und hat sich vor allem im Temporärbau einen Namen gemacht. Wir sprechen mit Roland Gebhardt, Director Special Projects der NÜSSLI Gruppe.

Roland Gebhardt von der NÜSSLI Gruppe © Jan Keller Photography 

 

Herr Gebhardt, NÜSSLI arbeitet an 17 Standorten weltweit, Ihr neuester Auftrag ist der Bau mehrerer Expo-Pavillons in Dubai. Was unterscheidet den Gasteig in Sendling von Ihren anderen Projekten?
Der Umfang ist anders! Der Gasteig Sendling ist ein sehr komplexes Bauvorhaben mit vielen Teilprojekten. Hinzu kommen die engen Platzverhältnisse, die eine besonders ausgeklügelte Logistik erforderlich machen. Auch die Bauzeit ist länger: Normalerweise sind wir drei bis neun Monate auf einer Baustelle – hier arbeiten wir seit Januar 2020. Deshalb haben wir für unser 20-köpfiges Projektteam auch Wohnungen angemietet.

Der größte »Brocken« dürfte der Bau der Interims-Philharmonie mit mehr als 1.900 Plätzen sein. Welche Herausforderungen bringt die Realisierung dieses Konzertsaals mit sich?
Die Philharmonie soll bei Bedarf problemlos zurückgebaut werden können und zugleich höchsten Ansprüchen an Komfort und Klangqualität genügen. Anders ausgedrückt: Sie soll temporär und dabei hochwertig sein. Dafür mussten wir besonders sorgfältig priorisieren. So haben wir bei der Rohbaukonstruktion mehr Stahl, weniger Beton und viel Holz verwendet, bei der Auskleidung der Akustikwände wurden ebene Abschnitte konvex gekrümmten Flächen vorgezogen. Bei der Fassade haben wir auf leicht zu montierende und zu reinigende Metallplatten statt Verputz gesetzt. Im Mittelpunkt stand und steht die Akustik: Um die geforderte hohe Klangqualität zu erreichen, waren eine ganz Reihe aufeinander abgestimmte Maßnahmen notwendig.
 

Temporär und dennoch hochwertig: die Philharmonie mit ihrer glänzenden Außenhaut. © NÜSSLI Group/Manfred Jahreiss

Was hat auf der Baustelle bislang gut funktioniert, was weniger?
Mit der Projektorganisation sind wir sehr zufrieden. Wir haben uns entschieden, unsere Crew je nach spezifischer Erfahrung in zwei Gruppen aufzuteilen, die sich weitgehend unabhängig voneinander um die Philharmonie und die Modulbauten kümmern. Auch die Zusammenarbeit mit den Architekten von gmp International und der Gasteig München GmbH sowie mit Nagata Acoustics, dem Akustikspezialisten der Philharmonie, lief bislang hervorragend. In Deutschland zu bauen ist manchmal eine Herausforderung hinsichtlich bürokratischer, manchmal schwerfälliger Abstimmungsprozesse. Unsere Spezialität ist das schnelle Bauen, das schnelle Entscheidungen erfordert – da bleibt der ein oder andere »culture clash« nicht aus.

Wie hat die Pandemie das Geschehen auf der Baustelle beeinflusst?
Wir sind froh, dass wir trotz Corona gut im Zeitplan sind, machen uns aber natürlich trotzdem Sorgen. Um die Hygiene-Auflagen zu erfüllen, mussten wir das Containerdorf ausweiten, was bei den herrschenden Platzverhältnissen eine riesige Herausforderung war. Es fehlen die Face to Face-Gespräche – Planung und Austausch erfolgen meist digital. Die Arbeiter müssen mit Maske und Abstand arbeiten, das schlägt auf die Motivation und aufs Tempo. Hinzu kommt, dass unser Team kaum Möglichkeiten hat, seine Freizeit zu genießen oder die Stadt besser kennen zu lernen. Wir haben auch Baustellen im »Nirgendwo«, aber jetzt in München »eingesperrt« zu sein, ist schon sehr schade.

Im Konzertsaal werden die Platzreihen und die Bühne installiert. © NÜSSLI Group/Manfred Jahreiss

NÜSSLI ist Spezialist für Temporärbau. Warum wird diese Leistung derzeit so stark nachgefragt?
Es gibt derzeit viele Kulturbauten wie den Gasteig, die sanierungsbedürftig sind und Interimslösungen brauchen. Auch im Eventgeschäft, z. B. beim Tribünen- oder Bühnenbau bei Sportereignissen oder Open Air-Konzerten, sind Flexibilität und Nachhaltigkeit gefragt, beides NÜSSLI-Tugenden. Unser Motto lautet »Connecting You«. In der Projektarbeit bringen wir Dienstleister zusammen, verbinden jedoch auch die Veranstalter mit dem Publikum, Länder und Kulturen, Erwartungen und Emotionen. Wir bündeln Know-how, Erfahrung und Netzwerke. Wir bezeichnen das als »zentrale Drehscheibenfunktion« – ein Bonus, der uns Projekte für die Formel 1, die Olympischen Spiele, bekannte Automarken, Festivalbühnen oder eben den Gasteig gebracht hat, um nur ein paar zu nennen.

Wenn der Gasteig Sendling fertiggestellt ist und seinen Betrieb aufgenommen hat: Welches Angebot würde sie dort ganz persönlich reizen?
Ich bin ein großer Fan von »Classic meets Rock«. Und von traditionellem Jazz!


 



Text/Interview: Isabella Mair
Den Baufortschritt können Sie jederzeit per Webcam auf der Webseite des Neuen Gasteig mitverfolgen. 

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