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14.06.2022

Juuz Dich glücklich! Vom Viehlockruf zur Anti-Stress-Methode

Juuz Dich glücklich! Vom Viehlockruf zur Anti-Stress-Methode Bernhard Betschart beim Juuzen. Sein Mikrofon ist ein Holztrichter, der ursprünglich zum Milchabfüllen diente. Stefan Kürzi

Musiker Bernhard Betschart bringt markante Klänge seiner Heimat, dem Schweizer Muotatal, zum Alpenrausch Festival. Er weiß, dass das Naturjodeln auch in der Stadt seine Wirkung entfalten kann. München begegnet dem Muotatal, auch im Interview.

Bernhard, wie hast Du das Juuzen entdeckt?
Ich bin auf einem sehr steilen Bergbauernhof aufgewachsen, wo im Sommer jeden Abend die Kühe mit Vieh-Lockrufen in den Stall geholt wurden. Diese Rufe, die Chuäreihäli, sind gewissermaßen der Ursprung für das Juuzen. Mein Vater hat bei der Stallarbeit immer gejuuzt oder wenn wir eine Bergwiese bis zuoberst gemäht hatten. Zum Abschluss gabs dann ein Jüüzli. Wir Kinder haben das Juuzen so aufgeschnappt.

Mitunter tönt Juuzen ganz schön schräg. Was fasziniert Dich an dieser Form des Jodelns?
Meine Mutter hatte ein altes Tonbandgerät mit vielen Aufnahmen von jodelnden Tanten und Onkeln, das Band habe ich heute immer noch. Damals diese Klänge zu hören war wie eine Zeitreise für mich und seither wollte ich immer mehr vom Naturjuuz aufsaugen. Insgesamt gibt es im Muotatal 40 verschiedene traditionelle
Jüüzli-Melodien, alle sind im Schnitt ca. eine bis eineinhalb Minuten lang und bestehen aus zwei Teilen, die wiederholt werden. Wir juuzen alle im Dialekt, aber ohne Noten und Texte. Ein Juuz ist sehr einfach gehalten, archaisch, ungeschliffen, reduziert – ein besonderer Gesang, der Gefühle ausdrücken kann.

Liebt seine Heimat und das Juuzen: der Schweizer Musiker Bernhard Betschart © Stefan Kürzi

Du gibst die Tradition des Naturjuuzens in Workshops weiter. Warum kommt das Juuzen auch bei Stadtmenschen gut an?
Ich glaube, Juuzen ist eine Form der Befreiung in der schnelllebigen Welt, in der man ja irgendwann kollabiert, wenn man ständig noch mehr produzieren, wachsen oder leisten soll. Die Leute sagen mir nach den Kursen oft, sie fühlen sich zufrieden und erfüllt. Durch das Juuzen befreit man sich vom Stress, ist im Moment und mehrstimmig miteinander verbunden. So kommt man zurück zur Natur, in der auch alles miteinander verbunden ist. Beim Juuzen geht es ausschließlich um diese Einheit: Wir verbinden uns miteinander und kommen dazu aus uns selbst heraus – Ängste, die niemandem was bringen, lösen sich bestenfalls auf.

Was erwartet die Teilnehmer*innen des Juuz-Workshops beim Alpenrausch Festivals im Gasteig HP8?
Wir werden uns erst einsingen, Stimme und Körper aufwärmen und dann Melodien nach Gehör wiederholen. Je nach Gruppe werden wir uns in bis zu drei Jüüzli-Stimmen aufteilen. Es gibt keinen Anspruch auf Konzertreife und muss auch nicht so klingen wie bei meinem Vater. Jede*r kann Juuzen lernen. Mir geht es einzig um den Ausdruck und dass ich die Energie und die Freude der Menschen am Juuzen spüre. In der Regel gehen die Leute glücklich und entspannt nach Hause.


Interview: Maria Zimmerer
Fotos von Bernhard Betschart: Stefan Kürzi

Beim Alpenrausch Festival bietet Bernhard Betschart u. a. einen Naturjodel-Workshop an und spielt mit seiner Band »Schrägers und Gräders us äm Muotatal«. Juuz-Hörbeispiele und mehr zu Betschart, der nicht nur jodelt, sondern auch als Rockmusiker und Schauspieler unterwegs ist: www.bernhardbetschart.com

Alpenrausch – das Festival für Neue Volksmusik

29. Juli 2022 – 30. Juli 2022    
Gasteig HP8, Eintritt frei
Alle Infos zum Festivalprogramm folgen hier.

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