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20.02.2020

Alles sauber bis acht Uhr! – Menschen im Gasteig

Alles sauber bis acht Uhr! – Menschen im Gasteig Arie Said, Teamleiter in der Stadtbibliothek Am Gasteig Clara Jung

Schon frühmorgens reparieren und warten Sie Geräte, proben für ihren nächsten Auftritt, reinigen Säle und Foyers oder sorgen für genug Papier in den Bibliotheksautomaten: die frühen Vögel im Gasteig.

»Herr Arie« steht auf seinem Namensschild und alle hier kennen ihn unter diesem Namen, seit er 1996 aus dem Irak nach München gekommen ist. Arie Said, Teamleiter in der Münchner Stadtbibliothek Am Gasteig, verantwortet zusammen mit zwei weiteren Kollegen heute ein Team mit über 30 Personen im Technikbereich der Bibliothek. Doch bevor es soweit war, gab es für den gelernten Maschinenbauingenieur mehrere Anfänge.

Arie Said beim Bücher Sortieren

»An meinen ersten Arbeitstag im Gasteig kann ich mich noch gut erinnern: Ich war 26 Jahre alt, erst kurze Zeit vorher nach Deutschland gekommen und hatte einen ersten Deutschkurs hinter mir. Am ersten Tag wurde ich in die Magazinabteilung geschickt. Das Magazin war beeindruckend! So viele Regale, so viele Bücher, ich war begeistert. Es hat ein paar Tage gedauert, bis ich mich orientiert hatte. Aber es war einfach wunderschön, so schnell so einen Job zu bekommen.« 2009 bewarb er sich dann um die Teamleiterstelle, die er bis heute innehat.

Und wie beginnt heute sein Arbeitstag? »Wenn ich Frühschicht habe, bin ich um 7:00 Uhr da, schalte die Lichter ein und gehe als erstes an die Sortieranlage. Gerade nach Wochenenden sind die Wagen der Anlage gut gefüllt mit zurückgegebenen Büchern. Die müssen wieder in die Regale eingestellt, für neue Kunden oder zum Transport in andere Stadtteilbibliotheken bereitgestellt werden. Wir schalten die PCs und Kassen an, bearbeiten Buchbestellungen vom Vortag – nach einem Wochenende bis zu 400 Stück –, machen die Abschlussrechnung des Vorabends, die Tagesplanung und Teameinteilung für den Tag, der vor uns liegt, checken Ausleihe- und Rückgabeautomaten auf genügend Papier und vieles mehr. Das passiert alles vor Bibliotheksöffnung um 10:00 Uhr.«

»Die Menschen können in der Bibliothek so vieles lernen! Und der Gasteig insgesamt ist für mich ohnehin nicht nur ein Arbeitsplatz, sondern ein großes Haus der Kultur. Es gibt Konzerte, Theater, Essen … einfach alles!«

Nicolai Wagener

Auch er erinnert sich an seinen ersten Tag im Gasteig: Nicolai Wagener, Student an der Hochschule für Musik und Theater München. Es war der Tag seines Probeunterrichts: »Januar 2015, bei schönstem Nieselregen. Ich fuhr frühmorgens um sechs Uhr aus Berlin hierher. Ich war ein bisschen verloren, wusste nicht so richtig wohin. ›Dritter 115‹ wurde mir gesagt und dann habe ich mich erstmal gut verlaufen … dann eine halbe Stunde Unterricht und wieder sechs Stunden mit dem Zug zurück«, erzählt der gebürtige Berliner mit einem Schmunzeln.

Seit dreieinhalb Jahren studiert Nicolai hier klassische Trompete bei Professor Hannes Läubin. Jeden Morgen gegen 8:20 Uhr kommt er zum Üben in den Gasteig, mit klassischer Musik oder Rock-Playlisten von Spotify im Ohr. Der Tag beginnt mit Fenster aufreißen, »damit ich atmen kann«. Obwohl Nicolai in einer Pfarrwohnung ohne Nachbarn wohnt und sogar Tag und Nacht in der Kirche üben kann, kommt er lieber hierher.

»Hier bin ich konzentrierter. Und ich gehe gerne mit Klassenkameraden ins Café oder zum Mittagessen. Ich bin hier von Montag bis Montag, das ist mein zweites Zuhause.«

Dass die Unterrichtsräume von Nicolai und den anderen Studierenden jeden Morgen sauber sind, dafür ist sie zuständig: Violeta Zornek, Objektleiterin von Dussmann Service, der mit etwa 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Gasteig tagtäglich reinhält. Als wir uns zum Interview treffen, klingelt prompt ihr Telefon, sie ist gefragt, muss ihre Mitarbeiter koordinieren, Aufgaben verteilen, Prioritäten setzen.

Violeta Zornek (Mitte) mit Nazar Nor Ali und Veronica Tabacu

»Je nach Veranstaltungsprogramm bin ich manchmal schon um 5:00 Uhr morgens da. Wenn wir zum Beispiel Messen oder Großveranstaltungen wie die Bücherschau oder das Filmfest haben. Da muss in den Foyers um 8:00 Uhr alles sauber sein. Ansonsten heißt es in der Früh erstmal Tagespläne ausdrucken, schauen, ob alle Mitarbeiter da sind, Bewirtungen vorbereiten, checken, wann die Säle frei sind und die ersten Proben beginnen«, erzählt Violeta Zornek. Diese Stunden in der Früh sind sehr intensiv und wichtig, 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen dann dafür, dass sämtliche Foyers, Stimmzimmer, Säle, Büros und Toiletten sauber sind – je nachdem, wann wo die ersten Menschen kommen.

Im September 2012 kam Violeta das erste Mal in den Gasteig, startete als Vorarbeiterin und wurde 2015 mit der Objektleitung betraut. »An meinem ersten Tag bin ich mit einer Kollegin die Wege abgegangen, am zweiten Tag habe ich den ganzen Kontrollgang schon alleine gemacht. Es war anspruchsvoll, alles wiederzufinden, aber nach ein paar Tagen hatte ich die Wege problemlos drauf.

Heute kenne ich jeden Winkel hier im Haus – vom 2. Untergeschoss bis zur Obermaschinerie in der Philharmonie!«

Andreas Frommel im Materiallager der Philharmonie

Auch für ihn sind die Morgenstunden entscheidend: Andreas Frommel von der Abteilung Immobilie der Gasteig München GmbH. Zum Beispiel wenn es Sitze in den Sälen zu reparieren gibt, denn bei Probenbeginn morgens muss vor und hinter der Bühne alles erledigt sein. »Der frühe Vogel fängt den Wurm«, erzählt der gelernte Schreiner. »Gegen 6:40 Uhr bin ich am Gasteig. Dann hole ich meinen Schlüssel, ziehe meine Arbeitskleidung an und treffe mich um 7:00 Uhr zu Schichtbeginn mit den Kollegen. Ein Kaffee zur Besprechung, was ansteht und wer was macht, dann geht es los.« Bei all dem ist Andreas eines besonders wichtig:

»Gute Laune! Eine gute Teamstimmung und miteinander Sprechen muss sein. Zeigen, dass man Interesse an dem Tag hat. Das funktioniert bei uns im Team auch super.«

Schließlich müssen sich die Kollegen bei der Fülle der Aufgaben aufeinander verlassen können: Neben Reparaturen und Wartungen fallen auch Winterdienst, Montagen, Gullis, Toilettentrennwände, Seifenspender, Erste-Hilfe-Kästen, Augenspülflaschen, Unkraut, Rasenmähen, Heckenschneiden, Mottenfallen, Müllentsorgung und vieles mehr in das Aufgabengebiet der Hausmeisterei des Gasteig – alles Dinge, die im Idealfall so erledigt werden, dass niemand durch die Arbeiten gestört wird.

Neben Vielseitigkeit und Flexibilität ist in seinem Job gleichzeitig Geduld gefragt: »Als ich im November 2018 hier angefangen habe, hieß es: ›Du bist für die Philharmonie zuständig‹«, erzählt der 33-Jährige. »Sitzpolster, Rückenpolster, Armlehnen, Stuhlmechanik prüfen – wenn nötig reparieren, ölen, tauschen. Dann habe ich die Tür aufgemacht, reingeschaut, 2.400 rote Stühle gesehen und gedacht: Hier werde ich nie fertig! Als ich nach fast einem Jahr mit dem letzten Stuhl durch war, dachte ich mir: Geschafft! Das war ein gutes Gefühl.«



Interviews/Text: Judith Ludwig
Fotos: Clara Jung

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