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08.01.2021

»Die Visitenkarte des Gasteig Sendling« – Prof. Matthias Pfeil über die Sanierung der Halle E

»Die Visitenkarte des Gasteig Sendling« – Prof. Matthias Pfeil über die Sanierung der Halle E Generalkonservator Prof. Matthias Pfeil Michael Forstner

Herzstück des Ausweichquartiers Gasteig Sendling wird die denkmalgeschützte Halle E, eine ehemalige Trafohalle aus rotem Backstein, die nach langem Schlummer wachgeküsst wird und aufregende Funktionen erfüllt. Doch der Umbau eines denkmalgeschützten Gebäudes ist nicht ohne Tücken. Daher arbeiten die Gasteig-Architekten eng mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege zusammen. Generalkonservator Prof. Dipl.-Ing. Architekt Mathias Pfeil erklärt, warum die Halle E dem Denkmalschutz so am Herzen liegt.

Warum steht die Halle E überhaupt unter Denkmalschutz?
Die Halle ist vor allem stilgeschichtlich interessant: Sie wurde von 1926 bis 1929 im Auftrag der Stadtwerke erbaut und diente als Lager- und Funktionshalle für das benachbarte Heizkraftwerk Süd. Der Entwurf kam von Hermann Leitenstorfer und Fritz Beblo, Architekten und Stadtplaner beim städtischen Hochbauamt, die auch das Leihamt in der Augustenstraße, das Umspannwerk Hirschau und – besonders bekannt – das Hochhaus an der Blumenstraße erbauten. Bekanntlich tat sich die Moderne in München schwer. Die Halle E mit ihrer klaren Geometrie der Formen ist ein seltenes und deshalb schützenswertes Beispiel für diesen Baustil, auch bekannt als Neue Sachlichkeit.

Hat sich die Halle seit ihrer Erbauung verändert?
Ja, die Halle wurde im Zweiten Weltkrieg getroffen und teilzerstört und von Wilhelm von Gumberz von 1948 bis 1950 wieder aufgebaut. Einige Elemente hat von Gumberz verändert, u. a. fielen Giebel und Satteldach weg. Die fast sakrale Ausstrahlung des Innenraums blieb jedoch erhalten, auch die Galerie zu allen vier Seiten und die Lichtdecke, die für gutes Licht und perfekte Arbeitsbedingungen sorgt.

Was ist das Ziel Ihrer Behörde im Hinblick auf die Halle E?
Wir wollen, dass der Charakter des Gebäudes erhalten bleibt. So kam z. B. eine völlige Entkernung der Halle nie in Frage, ebenso wenig eine übermäßige Verfremdung oder Verfeinerung. Uns ist es wichtig, dass die Bausubstanz möglichst wenig verändert wird und der industrielle Charme des Gebäudes erhalten bleibt. Wir finden auch, dass eine etwas staubig-raue Atmosphäre der Halle viel besser steht als ein durchgestyltes Interieur. Das bedeutet viel Aufwand für den Bauherrn: Alte Fenster, Betontreppe, Sichtziegel – all das muss erhalten und sorgfältig restauriert werden.

Sind Sie zufrieden mit dem Verlauf der Sanierung?
Ja, die Sanierung der Halle hat Hand und Fuß, es gab von Anfang an eine gute Abstimmung zwischen der Bauleitung, dem Gasteig und uns. Vor Baubeginn wurde eine solide Machbarkeitsstudie durchgeführt, das hilft immer. Mir gefällt, wie detailgetreu die Handwerksarbeiten ausgeführt werden. So gab es an der Fassade diverse Löcher, die ausgebessert werden mussten. Die Substanz der Fassade ist jedoch verschiedenfarbig – der alte Beton vor dem Krieg ist eher bräunlich, der Nachkriegsbeton dagegen grau. Die Handwerker haben die Schäden mit Mörtel in der jeweils passenden Farbe repariert – nur ein kleines Detail, aber es zeigt, mit wie viel Umsicht vorgegangen wird.

Mussten Sie auch einmal eingreifen und etwas verbieten?
Das bleibt nicht aus. So war zur Unterbringung der Hochschule für Musik und Theater (HMTM) zunächst ein Baukörper vor der Halle E geplant. Das hätte jedoch den Blick auf die Halle aus bestimmten Perspektiven versperrt. Wir wollten das traditionelle Bild bewahren und haben Einwand erhoben. Der Gasteig fand eine gute, andere Lösung.

Also Ende gut, alles gut?
Noch sind die Bauarbeiten nicht abgeschlossen, aber ja: Ich bin sicher, die Halle E wird die Visitenkarte des Gasteig Sendling.

Interview/Text: Isabella Mair

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