musica viva 3: „Das Floß der Medusa“BR-Chor, WDR-Chor und BRSO, Sir Simon Rattle (Leitung)
Zu Ehren von Hans Werner Henze. Gegeben wird: „Zones of Blue“, Rhapsodie für Klarinette mit Orchester (2024), von Olga Neuwirth; „Das Floß der Medusa“, Oratorio vulgare e militare für Sopran, Bariton, Sprecher, gemischten Chor, neun Knabenstimmen und Orchester (1968, rev. Schluss 1990), von Hans Werner Henze, Dichtung von Ernst Schnabel
Zu Ehren von Hans Werner Henze. Gegeben wird: „Zones of Blue“, Rhapsodie für Klarinette mit Orchester (2024), von Olga Neuwirth; „Das Floß der Medusa“, Oratorio vulgare e militare für Sopran, Bariton, Sprecher, gemischten Chor, neun Knabenstimmen und Orchester (1968, rev. Schluss 1990), von Hans Werner Henze, Dichtung von Ernst Schnabel
Hans Werner Henze war das Gegenteil eines Elfenbeinturm- Künstlers. Immer wieder trat er als unbequemer und politischer Zeitgenosse in Erscheinung, weil Komponieren für ihn keine „Frage von Stil, sondern von Bewusstseinsforschung“ war. Die gescheiterte Hamburger Premiere seines „Oratorio vulgare e militare“ Das Floß der Medusa, das Henze und sein Librettist Ernst Schnabel dem kurz zuvor ermordeten kubanischen Revolutionsführer Che Guevara gewidmet hatten, geriet inmitten der politisch aufgeheizten Stimmung um Vietnamkrieg, Notstandsgesetzgebung und das Attentat auf Rudi Dutschke zu einem handfesten Skandal, der durch entsprechende Artikel der Springer- Presse massiv befeuert wurde.
Das Sujet erzählt von der 1816 gesunkenen Fregatte Méduse, deren von den Offizieren zurückgelassene Passagiere vier Wochen lang auf einem Floß im Atlantik trieben – unter den tragischsten Umständen. Die Geschichte wurde frühzeitig als Allegorie auf Machtmissbrauch der Herrschenden gedeutet, unter anderem vom französischen Maler Théodore Géricault in seinem Ölgemälde Le radeau de la Méduse, das Henze beim Komponieren erklärtermaßen immer vor Augen hatte. Sir Simon Rattle widmet sich in diesem Konzert dem einstigen Skandalstück: Musik, deren düsterer Wucht und auffahrender Verzweiflung man sich nur schwer entziehen kann.
Vor der Pause ist Jörg Widmann als Solist in der Uraufführung von Olga Neuwirths Zones of Blue zu erleben, die 2022 mit dem Musikpreis der Ernst von Siemens Musikstiftung ausgezeichnet wurde.
Programm
- Olga Neuwirth [*1968]: „Zones of Blue“, Rhapsodie für Klarinette mit Orchester [2024], Kompositionsauftrag der musica viva / BR, des Cleveland Orchestra, des Stockholm Philharmonic Orchestra, des Barcelona Symphony Orchestra und des Grafenegg Festivals, Uraufführung
- Hans Werner Henze [1926–2012]: „Das Floß der Medusa“, Oratorio vulgare e militare für Sopran, Bariton, Sprecher, gemischten Chor, neun Knabenstimmen und Orchester [1968, rev. Schluss 1990], Dichtung von Ernst Schnabel
Mitwirkende
- Jörg Widmann, Klarinette
- Anna Prohaska, Sopran
- Georg Nigl, Bariton
- Sir John Tomlinson, Sprecher
- Tölzer Knabenchor
- Chor des Bayerischen Rundfunks
- Max Hanft, Peter Dijkstra, Einstudierung
- WDR Rundfunkchor
- Paul Krämer, Alexander Lüken, Einstudierung
- Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
- Sir Simon Rattle, Leitung
- Norbert Ommer, Klangregie
Konzerteinführung um 18:45 Uhr