Lin Ling, Traversflöte, und Mathias Riise, Lehrbeauftragter Historische Aufführungspraxis:
„Gerade üben wir an einem französischen Stück, das Lin sich für ihr Abschlusskonzert ausgewählt hat. Wir erarbeiten gemeinsam Verzierungen über einen Satz hinweg, es gibt so viele Möglichkeiten, und jede*r hat eine unterschiedliche Idee. Wir versuchen, bei jedem Stück den Charakter und verschiedene Interpretationen zu finden. Deswegen wollen wir zum Beispiel bei Wiederholungen unsere eigenen neuen Noten hinzufügen. Es geht darum, eine musikalische Sprache zu erlernen – und Improvisieren ist dann wie in ihr zu sprechen.“
Marie Dumas, Cembalo:
„Ich übe momentan für eine Cembalo- Improvisation, bei der ich spontan über eine genannte Tonart in einer bestimmten Stimmung improvisiere. Dabei erfinde ich nicht alles im Moment, sondern beziehe mich auch auf das mir vertraute Repertoire. Wenn ich müde bin, ist es manchmal ein bisschen schwieriger zu üben, aber in der richtigen Stimmung kann Improvisation auch in diesem Zustand Spaß machen, wenn man einfach die Finger laufen lässt.“
Philipp Heuermann, Kontrabass
„Grundsätzlich macht mir das Üben eine Riesenfreude und ist für mich auch immer ein Safe Space. Man ist für sich und kann sich mit schönen Klängen umgeben, ohne dass man direkt was zeigen oder funktionieren muss. Es ist ein Moment, wo man einfach in seinem Tempo das machen kann, was man jetzt gerade selbst als wichtig empfindet. Ich glaube das größte unterschätzte Potenzial beim Üben ist es, einfach mal Pause zu machen, ein bisschen zu chillen und vielleicht mal rauszugehen.“
Isabella Stricker, Jazz-Gesang
„Ich beschäftige mich gerade sehr mit der Stimme als Instrument. Dafür schaue ich mir Aufnahmen von Sänger*innen an, die ihre Stimme auch instrumental einsetzen. Wenn ich übe, fange ich mit einem Warm-up an, singe mich ein oder beschäftige mich mit dem Körper. Die Stimme ist sehr abhängig davon, wie sich der Körper fühlt. Ich kann nicht von vornherein sagen, ob es eine gute Übe-Session wird oder nicht. Manchmal rutscht man einfach in einen guten Flow und manchmal eben auch nicht – und das ist auch okay.“
Sophia Axtmann, Jazz-Gesang:
„Zurzeit übe ich für mein Abschlusskonzert, für das ich eigene Songs schreibe und an Storytelling und Scat-Improvisation arbeite. Mittlerweile habe ich gemerkt, dass Scat- Gesang für mich nicht nur eine Technik ist, die ich abrufen kann, sondern eine zweite Muttersprache werden soll – dabei werden lautmalerische Silben spontan improvisiert. Üben fällt mir leicht, weil ich meistens nicht mehr für etwas Bestimmtes üben muss. Nur weil man schlecht gelaunt ist, heißt das nicht, dass dann auch das Üben schlecht wird. Ganz im Gegenteil, meistens gehe ich danach mit einem besseren Gefühl nach draußen.“
Sāye Trio – Jiro Yoshioka, Melina Sharbati, Arezou Rezaei:
„Wir sind drei Komponist*innen und setzen unsere Stücke mit Cello, Klavier, Stimme und Live-Electronic um. Wir sind zwei Iranerinnen und ein Japaner, die in Deutschland leben und verschiedene Einflüsse einbringen, etwa Filmmusik und Neue Musik. Wenn wir uns auf etwas einigen, dann müssen wir genau proben, damit es auf der Bühne so klingt, wie es unserer Vorstellung entspricht. Wir lassen uns aber auch viel Freiraum, denn es entstehen ganz spontan tolle Sachen, wenn man zu dritt denkt.”
Das Trio spielt Live-Elektro bei der Langen Nacht der Musik am 9.5. um 23:00 Uhr im Kleinen Saal
Alle Konzerte der HMTM im Gasteig HP8
Text: Benedikt Feiten