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Vertrauen in die Musik: Intendant Florian Wiegand im Gespräch

Florian Wiegand ist seit Januar 2025 der neue Intendant der Münchner Philharmoniker. Der 1973 in München geborene Kulturmanager kehrte nach fast 30 Jahren zurück in seine Heimatstadt – zuletzt war er Konzertchef der Salzburger Festspiele. Mit dem Orchester verbindet ihn einiges: Als Schüler besuchte er nicht nur regelmäßig Proben, er war auch der allererste Praktikant der Münchner Philharmoniker. Wie wichtig Vertrauen in seiner Position ist, erzählt er im Interview.

Der Intendant in den leeren Rängen der Isarphilharmonie.
Copyright: Co Merz

Florian Wiegand, welche Rolle spielt Vertrauen in Ihrem Beruf?

Musiker*innen aus aller Welt kommen nicht nur wegen des Namens zu den Münchner Philharmonikern, sondern aus Vertrauen. Fehlt es, kann der unbeschreibliche Moment großer Kunst auch im Orchester niemals entstehen. Räume für Vertrauen und Begegnung zu schaffen, ist meine wesentliche Tätigkeit. Vertrauen ist eine entscheidende Basis in der Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen auf und hinter der Bühne, den Orchestergremien, den Ansprechpartner*innen in der Politik, mit dem Freundeskreis und anderen Partner*innen.

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Das hat viel mit den Philharmonikern zu tun. Als ich in München zur Schule ging, war ich oft in den Proben und den Konzerten unter Sergiu Celibidache. Das hat mich begeistert. Ich spielte damals Bratsche in einem Münchner Jugendorchester. 1996 organisierten wir Benefizkonzerte für UNICEF in Paris und München. Davon war der Schirmherr der Konzerte, der damalige Oberbürgermeister Christian Ude, so begeistert, dass ich einen Wunsch bei ihm frei hatte. Er setzte sich persönlich dafür ein, dass ich ein Praktikum in der Direktion der Münchner Philharmoniker machen durfte.

Und wie ging es dann weiter?

Danach verschlug es mich erst nach Berlin und dann nach Pittsburgh, wo ich mein Studium beendete und beim Pittsburgh Symphony Orchestra arbeitete, Chefdirigent war damals Mariss Jansons. Zurück in Europa war ich 10 Jahre am neu eröffneten Konzerthaus Dortmund und die letzten 13 Jahre dann Konzert- und Medienchef der Salzburger Festspiele. Kein Jobangebot konnte mich von diesem besonderen Festival weglocken, bis ich gefragt wurde, ob mich die Intendanz der Münchner Philharmoniker interessieren würde. Jetzt bin ich hier.

Die Münchner Philharmoniker und Florian Wiegand haben eine lange Geschichte: Er war einst Praktikant, jetzt ist er der neue Intendant. Copyright: Tobias Hase

Was empfinden Sie als die verantwortungsvollste Aufgabe?

Wir dürfen mit öffentlichen Mitteln der Bürger*innen Kunst machen. Auf und hinter der Bühne der Münchner Philharmoniker arbeiten 160 Menschen. Alle haben herausfordernde Ausbildungen absolviert, schwierige Ausleseprozesse durchlaufen und arbeiten immer weiter an ihrem Können und ihren Kompetenzen. Die Münchner Philharmoniker dürfen große Kunstwerke der Vergangenheit und Gegenwart spielen und immer neu lebendig werden lassen. Als meine verantwortungsvollste Tätigkeit empfinde ich es, einen sozialen Organismus lebendig und heutig gestalten zu dürfen. Wenn wir es schaffen, unserer Verantwortung gegenüber den Menschen, Werken und Ressourcen gerecht zu werden, wird nicht in Vergessenheit geraten, warum unsere Gesellschaft eine solche Institution braucht.

Wann ist es besser, loszulassen und blind zu vertrauen?

Wenn es uns geglückt ist, eine zündende Verbindung zu knüpfen zwischen Künstler*innen, Werken und den Musiker*innen des Orchesters. Und wenn der magische Moment vom gemeinsamen Musizieren und Atmen entsteht. Wenn in der Probe die Werke anfangen zu sprechen und alle spüren, was nur Musik ausdrücken kann, dann lasse ich los, vertraue blind und freue mich einfach auf das Konzert und die Besucher*innen.

Alle Konzerte der Münchner Philharmoniker

In Zeiten, in denen Musik oft politisch instrumentalisiert wird: Vertrauen Sie in die Stärke von Musik?

Es gibt in jedem wirklich geglückten Konzert Momente, in denen die Musik alles überstrahlt, für das sie instrumentalisiert werden könnte. Momente, in denen die Musik eine Feier des Lebens und seiner unbegreiflichen Fülle ist. Ich vertraue nicht einfach der Stärke der Kunst, ich darf sie immer wieder erleben. Und ich spüre, wie viele andere Menschen diese Momente teilen.

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