Die Metal-Zeitschrift liegt im 2. Stock der Halle E nur ein paar Handgriffe entfernt vom Mozart-Requiem. Wer hier durch die Regale schlendert, befindet sich in einer der größten öffentlichen Musikbibliotheken Deutschlands. „Die Mubi ist ganz niederschwellig und hat so ziemlich alles. Man findet viele Dinge, die man niemals gesucht hätte“, sagt Leiterin Bettina Wolff. Mehr als 50.000 CDs, 120.000 Notendrucke und 50.000 Bücher über Musik gehören zum Bestand. Tausende aktuelle und beliebte Spielbände, Playalongs oder Biografien sind im Gasteig HP8 zu finden, viele andere Wunschtitel lassen sich bequem bestellen.
1905 wurde die Musikbibliothek vom Musikschriftsteller Paul Marsop mit Büchern und Noten aus dessen Privatsammlung eröffnet. Seine Vision: Musik sollte für alle Menschen mit „Sehnsucht nach der Kunst im Herzen“ zugänglich sein. Viele Jahre musste er um ihre Existenz bangen, um neue Räumlichkeiten kämpfen und finanzielle Engpässe überstehen.
Was kaum jemand weiß: Im heutigen Magazin in Oberschleißheim schlummern viele kostbare Schätze im Verborgenen. Im Archiv der Musikbibliothek gibt es eine ungewöhnliche Sammlung von über 5000 Musikhandschriften, darunter Nachlässe des Dirigenten Hans Knappertsbusch oder des Musikpädagogen Kurt Brüggemann, der 1953 den Kinderchor des Bayerischen Rundfunks gründete.
Bettina Wolff liegen besonders die Nachlässe einiger unbekannter Komponistinnen am Herzen, die „musikgeschichtlich, wenn überhaupt, sehr stiefmütterlich behandelt wurden“. Spannend sei zum Beispiel die deutsch-englische Künstlerin Mary Wurm, die bereits um 1900 mit ihrer Damenkapelle auf Tournee war und der Musikbibliothek ein außergewöhnliches Werk hinterlassen hat: „Ein Arbeiterlied für Männerchor mit Streichorchesterbegleitung, singender Säge, Hammer, Dampfpfeife, Glocke und Motor.“
Die kostbaren Notendrucke aus dem 18. und 19. Jahrhundert sind in Stahlschränken untergebracht, luftdicht abgeschlossen, und nur in bestimmten Fällen zur Einsicht, nicht aber zur Ausleihe bestimmt. Zu diesen Schätzen gehören zum Beispiel einige Autografe des Münchner Komponisten Richard Strauss. Abgesehen von solchen Schutzmaßnahmen gilt jedoch damals wie heute: „Die Mubi ist für alle da!“
Bayern hat übrigens auch eine digitale Schatzkammer: bavarikon. Hier können Sie die Schätze der Musikbibliothek online anschauen.
Text: Maria Zimmerer