Tücken der Smart-Fotografie
„27.000 Bilddateien im Smartphone-Speicher, pro Stunde 4 Millionen Fotos weltweit geteilt auf Instagram: Sehen wir überhaupt noch etwas im Bilderwald? Alles geschieht wie von Zauberhand: Gesichtserkennung, Zielverfolgung, Nachtmodus. Digitale Kameras arbeiten inzwischen alle mit KI-gestützten Systemen. Wir wundern uns kaum noch. Von ,intelligenten’ Smart-Kameras aus der Überwachungstechnologie oder Deepfake- Generatoren haben wir noch nicht gesprochen. Wir müssen zukünftig gut auf unsere Grundrechte und Werte aufpassen – im Land hinter den Spiegeln.“
(Kirsten Kleie, Leitung Fachgebiet Fotografie & Video/ Film der MVHS)
Neue Zugänge zur Musik
„Künstliche Intelligenz kann uns als Symphonieorchester inspirieren und neue Zugänge zur Musik eröffnen, beispielsweise durch interessante Programmzusammenstellung oder neue Kompositionen. Wahre Kunst entsteht aber immer auch durch Intuition und Emotion – die Tiefe und den Ausdruck einer lebendigen Interpretation durch echte Musiker*innen kann eine KI nicht ersetzen. Die Grenzen setzen wir also dort, wo der künstlerische Kern, die Individualität und das authentische Erleben der Musik verloren gehen.“
(Florian Wiegand, Intendant der Münchner Philharmoniker)
Grafikdesign mit Seele
„Die Nutzung generierter Formen als Inspirationsquelle kann ein nützliches Tool sein, und das Vereinfachen repetitiver Prozesse durch Technologie ist willkommen. Der Zauber bleibt meiner Meinung nach jedoch in der Kuration und im reflektierten Umgang mit diesen Tools durch uns Gestalter*innen. Wir sollten die händische Arbeit weiter wertschätzen und bei der Arbeit die Seele nicht vergessen. Denn interessante Gestaltung braucht Zeit und entsteht oft in genau diesen Momenten, die wir durch KI abschaffen.“
(Nicolas Bernklau, Grafiker und Schriftgestalter. Redner bei der Vortragsreihe der Typografischen Gesellschaft am 1.4.)
Praktisches Tool ohne Emotion
„KI kann ein großartiges Tool sein, um alltägliche Aufgaben zu erledigen. Aber gerade in der Musik ist es schwierig zu definieren, was ,alltäglich’ ist. Sounddesign, EQ-Einstellungen oder Kompression könnten als solche eingestuft werden, doch sie formen Atmosphären und beeinflussen kreative Entscheidungen. Wir würden uns eher wünschen, dass KI unsere Steuererklärung macht oder unser Haus putzt, als dass sie den Ausdruck unserer Gefühle ersetzt – Gefühle, die aus echten Erlebnissen, Emotionen und Sehnsucht entstehen.“
(Tangerine Dream, Pioniere der Elektro-Musik. Konzert am 27.4.2025 in der Isarphilharmonie)
Für eine menschliche Kunst
„Ich liebe verschiedene Formen der Kunst und der Musik, ich finde es überhaupt nicht verwerflich, wenn andere sich dazu entscheiden, KI zu nutzen, die Möglichkeiten sind ja sehr spannend und endlos – aber für mich habe ich entschieden: meine Kunst soll nicht zu künstlich sein. Mein Ansatz Texte und Songs zu schreiben, beruht auf Nahbarkeit, Verletzlichkeit und Authentizität. Solange es keine künstliche Intelligenz gibt, die in der Lage ist, zu fühlen, kann und soll sie mir dabei nicht helfen. Wir leben heute schon in einer Zeit, in der Algorithmen einen großen Teil vorgeben, was wir sehen – da würde ich mir wünschen, dass zumindest die Kunst so lange wie möglich menschlich bleibt.“
(Enno Bunger, Singer-Songwriter. Konzert am 12.4.2025 in Saal X)
Text: Gasteig-Redaktion