Das Viele-Augen-Prinzip
„Grundsätzlich ist Vertrauen die Basis unserer Arbeit hier am Gasteig. Auch wenn ich für meinen Bereich die Verantwortung trage, tue ich das im vollen Vertrauen auf unser Team. Im Fall der riesigen Discokugel PLAY, unter deren 2,5 Tonnen Gewicht täglich die Menschen durchlaufen, waren dann aber doch noch ein paar mehr Leute involviert, zum Beispiel ein Sachverständiger und ein Statiker. Bei solch kritischen Projekten ist zum Vertrauen noch ein bisschen mehr Kontrolle nötig. Dennoch bin ich tatsächlich öfter nachts aufgewacht und konnte nicht mehr einschlafen. Haben wir alles richtig gemacht? Aber niemand muss Angst haben: Am Ende haben wir alles Sicherheitsmaßnahmen vollkommen überdimensioniert. Inklusive Stahlgerüst im Inneren, Stahlseilen und bombenfestem Klebstoff für die Spiegelflächen. Und zum Glück kann unser Kran in der Halle E locker bis zu acht Tonnen tragen …“
Fabian Füss leitet am Gasteig HP8 die Abteilung Bühnentechnik – „ein Job den man nicht alleine machen kann“, wie er sagt. Ein Projekt in der Größenordnung von PLAY ist ihm in seiner Berufslaufbahn bisher nicht begegnet.
Vertrauensvorschuss für alle
„In unserer Open Library genießen alle unsere Besucher*innen unser Vertrauen. Von den mehreren hundert Menschen, die jeden Tag in die Bibliothek kommen, gibt es unterm Strich nur sehr wenige, die sich nicht angemessen verhalten. Das war schon immer so, hier hat sich mit dem Open-Library-Prinzip zum Glück nicht viel geändert. Klar, Medien werden auch mal vermisst, meistens sind sie dann aber nur im falschen Regal gelandet. Wir stellen gerne unseren Raum zur Verfügung. Die langen Öffnungszeiten sind ein unglaublicher Gewinn.“
Birgit Wimmer leitet die Stadtbibliothek im HP8. Als Open Library sind die Räumlichkeiten von 7 bis 23 Uhr zugänglich. Inzwischen werden fünf weitere Stadtteilbibliotheken nach diesem Prinzip betrieben – als offene konsumfreie Orte für alle. Dazu gehört auch die Bibliothek im Gasteig Motorama.
Vertrauen auf vier Pfoten
„Meine Assistenzhunde sind mehr als Helfer – sie sind Lebenspartner. Ich vertraue ihnen, wenn sie Warnsignale meines Körpers früher erkennen als ich selbst und mir im Alltag zur Seite stehen. Dieses Vertrauen ist in vielen kleinen Momenten gewachsen: Zuverlässigkeit im Alltag, Ruhe in Krisen, bedingungslose Präsenz. Anders als bei Menschen ist es direkter und instinktiver. Hunde täuschen nicht. Ihr Vertrauen zu mir ist ebenso existenziell – ihr Wohl und der Ausgleich zur Arbeit liegen in meinen Händen. Fehlt mir manchmal Vertrauen? Ja. In Systeme, die Barrieren schaffen, statt sie abzubauen, oder in eine Gesellschaft, die Hilfsbedürftigkeit als Schwäche deutet.“
Freya Svenson (Name geändert) ist häufig im Gasteig anzutreffen. Sie engagiert sich dafür, dass alle Assistenzhunde – nicht nur Blindenführhunde – bekannter werden. Sie leidet an einer funktionell-neurologischen Erkrankung und ist im Alltag auf die Hilfe von Assistenzhunden angewiesen. Mehr dazu
Text: Heike Braun