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Schlechte Laune oder Depression? Das Theaterstück „Icebreaker“ schärft den Blick

Leichte bis schwere Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Sie zu erkennen, ist für das soziale Umfeld oft nicht einfach, da Stimmungsschwankungen, Gereiztheit und Selbstzweifel oft auch mit der Pubertät einhergehen. Jugendliche Schauspieler*innen holen beim Theaterstück „Icebreaker“ die Krankheit raus aus der Tabuzone, das Publikum wird zum Facharztkollektiv.

Eine Jugendliche sitzt in einem Sessel und blickt nachdenklich in die Kamera.
Copyright: Kunstdünger – die Agentur für Kulturdesign

„Wir wollen die Kinder aufs Leben vorbereiten. Aber was nützt ihnen ihr ganzes Wissen, wenn sie in einer Depression stecken?“

Alrun Radebold Sacchetti, Lehrerin

Alrun Radebold Sacchetti unterrichtet seit 25 Jahren und beobachtet zunehmend mehr psychische Auffälligkeiten bei ihren Schüler*innen. Nicht selten werden Selbstverletzungen, häufige Begleitsymptome einer Depression, unter langen Ärmeln versteckt. Zum Schulpsychologie-Team gehen viele trotzdem nicht, die Eltern wollen das häufig nicht. Absolut wichtig sei es daher, dem Unwissen und der Angst vor psychischen Erkrankungen entgegenzutreten, damit alle ohne Scham über eigene Probleme sprechen lernen und auch bei anderen aktiv hinschauen.

Einen offenen Raum dafür bietet das Theaterstück „Icebreaker“, das der Pädagoge Jean-François Drożak speziell für Schulen konzipiert hat. Seit über zehn Jahren bringt er die Produktion an Mittel- und Oberstufen aller Schularten in ganz Bayern, im Oktober ist die Ludwig-Thoma- Realschule im Münchner Osten an der Reihe. Dort wird das Stück in enger Zusammenarbeit mit Lehrerin Alrun Radebold Sacchetti und etwa acht bis zehn Schüler*innen erarbeitet, begleitet von Schulsozialarbeiter*innen und Psycholog*innen. Besonders diesmal: Die Aufführungen werden nicht wie sonst üblich in der Schule, sondern anlässlich des Mental Health Arts Festivals im Saal X des Gasteig HP8 stattfinden – viele weitere Schulen, Multiplikator*innen und Angehörige sind eingeladen, das Theaterstück am 22. und 23.10. kostenfrei anzuschauen.

„Es ist unverzichtbar, dass Jugendliche nach dem Stück aufgefangen werden und die Schulen Beratungsangebote garantieren.“

Pädagoge Jean-François Drożak
Portraitfoto des Pädagogen Jean-François Drożak
Seit vielen Jahren an Schulen unterwegs: Jean-François Drożak Copyright: Jean-François Drożak
Ein Mädchen blickt mit aufgerissenen Augen in die Ferne, die Hand hat sie auf einer blauen Kugel, die an einer Stange befestigt ist.
Jugendliche übermitteln wichtige Botschaften. Copyright: Kunstdünger – die Agentur für Kulturdesign

Im Mittelpunkt der Handlung stehen zwei Jugendliche in der Pubertät. Das Publikum erlebt die beiden in verschiedenen Alltagsszenen mit der Familie und Freund*innen. Im Verlauf wird klar: Eine der beiden Figuren ist krank und braucht ärztliche Hilfe. Wer das ist, soll das Publikum herausfinden.

Zur Aufführung erhalten alle eine Symptom-Checkliste, mit der nach jeder Szene analysiert wird, ob die Figuren depressive Symptome oder lediglich pubertierendes Verhalten zeigen. Mit begleitender Moderation und Fachexpertise lernen die Zuschauer*innen aktiv, verschiedene Anzeichen einer Depression zu identifizieren, und bekommen auch einen Einblick in Sorgen und Nöte von Eltern und Geschwistern. Welche Hilfsangebote bei Depression in Anspruch genommen werden können, zeigt der zweite Teil der Inszenierung.

„Mit ihrem Mut, das Stück auf die Bühne zu bringen, retten die Jugendlichen statistisch gesehen mindestens ein Menschenleben.“

Theatermacher Jean-François Drożak

Bewegt erzählt Jean-François Drożak von der Begegnung mit einem Mädchen, das die Botschaft des Theaters als sehr befreiend empfunden habe: „Nach der Rückkehr aus der Psychiatrie bestand die größte Angst darin, ausgegrenzt und nicht mehr ernst genommen zu werden.“ Damit Erkrankte ohne Scham und Stress gesunden können, braucht es ein wohlwollendes und verständnisvolles Umfeld, zu dem alle – nach dem Besuch von „Icebreaker“ umso bewusster – beitragen können.

Auf einer richtigen Bühne zu stehen, ist eine große Chance für die Schüler*innen. Sie können über sich hinauswachsen und allen eine wichtige Botschaft vermitteln. Drożak freut sich, dass seine Produktion bereits etwa dreihundert Schulen und 120.000 Menschen erreichen konnte. Die beteiligten Jugendlichen sind für ihn die wahren Superstars: „Mit ihren jungen Jahren können sie gesellschaftspolitisch und für die eigene Peergroup einen Wahnsinnsbeitrag leisten“, so der Theatermacher. Gleichzeitig vermitteln die jungen Menschen auch vielen Erwachsenen, Lehrer*innen und Multiplikator*innen eine wichtige Botschaft: Depression ist keine Schande. Sie ist heilbar, und niemand muss alleine durch. Unerkannte Depressionen hingegen werden nicht selten chronisch, Begleitsymptome begrenzen junge Menschen zunehmend in ihrer Entfaltung, auch suizidales Verhalten kann folgen. Drożak bringt es auf den Punkt: „Mit ihrem Mut, das Stück auf die Bühne zu bringen, retten die Jugendlichen statistisch gesehen mindestens ein Menschenleben.“

Zu den Aufführungen im Gasteig HP8

Im Rahmen des Mental Health Arts Festivals

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