Same Old Song – das Geburtstagsspecial
Die Idee ist so simpel wie genial: Immer derselbe Song, unzählige Variationen – und das einen ganzen Abend lang. Dargeboten von unterschiedlichen Musiker*innen mit verschiedenen Instrumenten. Lai*innen oder Profis. Leise oder laut. Mehrstimmig oder allein. Klassisch, verspielt oder radikal gegen den Strich gebürstet. Erfunden hat das Format „Same Old Song“ der Musiker und Moderator JJ Jones. Bei der Langen Nacht der Musik am 9. Mai 2026 im Gasteig HP8 lautete das Motto „Happy Birthday“.
Weit über zehn Jahre ist es her, dass der Künstler JJ Jones aus Detroit die Idee hatte, aus der Wiederholung ein Programm zu machen und einen ganzen Abend mit nur einem einzigen Song zu füllen. „Freunde von mir hatten eine CD gemacht – nur drei Lieder in den unterschiedlichsten Varianten. Als ich die gehört habe, wurde mir sofort klar: Das ist das Gegenteil von langweilig!“
Wiederholung löse immer einen Impuls der Variation aus, erklärt Jones das Geheimnis des Formats. Man wolle sich ja unterscheiden von den anderen, eine individuelle Version präsentieren, etwas, das noch mal ganz anders klingt. Dadurch entsteht Vielfalt. „Verschiedene Instrumente, verschiedene Sprachen, verschiedene Genres. Wir sind alle gleich und doch komplett anders!“ Und genau das sei das Besondere – auch für das Publikum: „Wenn man den gleichen Song immer wieder hört, achtet man auf Details: Was ist anders? Was ist neu? Was gefällt mir – oder eben nicht?“
„Exactly the same, but completely different.“
Gleichzeitig gibt Wiederholung Sicherheit. „Rituale und Traditionen sind Dinge, die uns vertraut sind“, erklärt JJ Jones. Weil alle den Song kennen, der gespielt wird, entstehe bei „Same Old Song“ sofort ein Miteinander, eine Gemeinschaft. „Vielleicht mehr als in jedem anderen Konzert-Format.“ Mit einer Marathon-Interpretation des Klassikers „Stairway to Heaven“ von Led Zeppelin im Jahr 2013 begann das Format. Seitdem hat „Same Old Song“ bereits mehr als vierzigmal im Münchner Raum stattgefunden. Über 400 Teilnehmende haben Hits wie „YMCA“, „Major Tom“ oder „My Way“ in sämtlichen Variationen präsentiert. Keine einzige der Shows sei mittelmäßig gewesen oder gar langweilig, betont JJ Jones. Wenn man einen Song eigentlich nicht mehr hören könne, sei die Motivation umso größer, etwas ganz Neues daraus zu machen.
„Je abgeschmackter die Titel, desto kreativer werden die Menschen.“
Und weil der Gasteig in dieser Saison seinen 40. Geburtstag feiert, die Lange Nacht der Musik zum 25. Mal stattfindet und JJ Jones 60 Jahre alt wird, lautet das Motto „Happy Birthday“. Gehört dieses Lied zu den abgeschmackten Songs? JJ Jones lacht: „Auch! Aber wenn etwas mit Ritual und Tradition verknüpft ist, dann sind es Geburtstagslieder.“ Weil aber nicht alle an Jubeltagen dasselbe Lied singen, wird das Konzept dieses Mal ausgeweitet. Von „Happy Birthday“ über „Wie schön, dass du geboren bist!“ bis zu eigenen Kreationen – jede Art von Geburtstagslied ist erlaubt.
Damit sich wirklich alle auf die Bühne trauen, steht bei Bedarf eine Band zur Verfügung. Das Quartett aus Gitarre, Bass, Keyboard und Schlagzeug begleitet alle, die Unterstützung bei der Präsentation ihrer Version eines Geburtstagsliedes wünschen. So wird jede Idee musikalisch getragen, und jede Stimme bekommt den passenden Rahmen.
„Das soll ein richtiges Community-Musik-Projekt werden. Ob fünf Minuten oder ein kurzer Auftritt – jede Stimme zählt.“ Abgesagt habe er in all den Jahren noch nie jemandem, betont Jones als Kurator. „Wer bei so einem schrägen Konzept mitmachen will, hat sowieso einen Knall. Und ist bei uns herzlich willkommen.“ Sein großes Ziel ist, dass am 9. Mai möglichst viele Menschen zusammenkommen und gemeinsam Spaß haben. „Wir zelebrieren das Leben. Buchstäblich nach dem Motto: Wie schön, dass wir geboren sind.“
Wer bei der Langen Nacht der Musik selbst auf der Bühne stehen will, kann sich anmelden unter: sameoldsong@jjjones.de
Text: Melanie Brandl