„Wir haben wir uns für eine Relaxed Performance entschieden“, sagt Bratschistin Caroline Spengler vom Duo Arima. „Unser Konzert findet in einer entspannteren Atmosphäre statt: inklusiv, barrierefrei, ohne Hemmschwellen. Die Menschen können die Musik so genießen, wie es ihnen persönlich guttut.“ Konkret heißt das: Alle sitzen im Raum verteilt um die Musikerinnen herum statt in Reihen vor der Bühne. Alle dürfen sich bewegen, applaudieren oder auch den Raum verlassen. „Neben Stühlen stehen gemütliche Sitzsäcke und -kissen zur Verfügung. Und neben dem Konzertsaal gibt es eine Low-Input-Area, in der man die Musik zwar hört, aber trotzdem ein wenig Distanz hat“, erklärt die Cellistin Mona Ernst.
Auch für das Duo Arima ist die Relaxed Performance eine Premiere. Ihr Programm „Du bist also meine Angst?“ basiert auf einem bereits bewährten offenen Raumkonzept, das zusätzlich zur Musik auch Videoprojektionen an den Wänden und elektronische Sounds beinhaltet. „Aber der Schritt zur Relaxed Performance geht noch mal weiter“, erzählt Caroline Spengler. „Ich glaube, dadurch entsteht eine intensivere Lebendigkeit, eine größere Nähe zum Publikum. Im klassischen Konzert spüre ich als Musikerin immer eine Art kalten Vorhang zwischen mir und dem Zuschauerraum – der fällt hier komplett weg.“ Man erlebe die Musik in der Relaxed Performance gemeinsam auf Augenhöhe, ergänzt Mona Ernst, und gerade beim Thema Angst sei das wichtig. Warum sie den Fokus ausgerechnet auf Angst gelegt haben, erklärt die Musikerin: „Während der Corona-Zeit war Angst plötzlich allgegenwärtig und die weltweiten Krisen verstärken das noch. Oft wird sie aber verdrängt. Wir wollten ihr einen Raum geben. Musik ist der beste Weg, Emotionen zu vermitteln.“
„Alle können selbst entscheiden, wie intensiv sie das Konzert erleben möchten.“
Im Vorfeld haben die beiden Musikerinnen deshalb ihr Umfeld zum Thema Angst befragt und daraus mit der Videokünstlerin Joanna Maxellon Wandprojektionen kreiert, die zum Nachdenken anregen oder Impulse auslösen können. Gemeinsam mit der Konzertdesignerin Alexandra Vildosola und der Komponistin Paulina Sofie Kiss wurde ein Programm aus Musikstücken verschiedener Epochen erstellt, das einen Spannungsbogen erzeugt. Besucher*innen können sich anhand eines sensorischen Leitfadens orientieren, wie weit sie mit den Emotionen mitgehen möchten. Von Herzklopfen über Gedankenkarusselle bis hin zu Panikattacken werden die unterschiedlichsten Facetten der Angst musikalisch beleuchtet. „Das kann sehr emotional sein. Deswegen ist uns die Möglichkeit, den Raum verlassen zu können, wichtig“, betont Mona Ernst.
Johann Sebastian Bachs Werke ziehen sich dabei wie ein roter Faden durch das Programm. Seine Musik ist vielen Menschen vertraut. Im Mix mit moderneren, unbekannteren Stücken, von denen eins, das Gedankenspiralen elektronisch widerspiegelt, extra für das Duo Arima komponiert wurde, liegt ein großer Reiz für die Musikerinnen. Bachs Klänge hätten in diesem Kontrast etwas Trostspendendes, da sind sich die Musikerinnen einig. „Bach bringt immer wieder Ruhe rein. Und: Wir lieben ihn einfach.“
Text: Melanie Brandl