Ayzit, erinnerst du dich an deinen ersten Besuch im Gasteig HP8?
Ja! Eine Freundin überredete mich damals, sie zu einem Konzert von Nils Frahm zu begleiten. Das war ein beeindruckendes Live-Erlebnis – und zugleich mein erster Besuch in der Halle E. Ich empfand sie als sehr einladend: modern, klar und zugleich mit einer gewissen Leichtigkeit.
Deine Installation lockt bestimmt viele Neugierige an. Wie kamst du auf die Idee, eine Discokugel in Szene zu setzen?
Ich finde es wichtig, bei jedem neuen Projekt völlig offen zu beginnen und frei zu denken – ich möchte mich selbst und andere nicht langweilen. Ich komme ursprünglich aus der Mode, doch sehe ich keinen Grund, mich darauf zu beschränken. Als ich den Gasteig HP8 besuchte, dachte ich zunächst an eine textile Intervention. Doch die Halle E ist so funktional und technisch, mit den markanten blauen Balkonen, dass mir schnell klar wurde: Etwas, das sich farblich einfügt, wäre kaum möglich gewesen. Der Raum hat bereits eine starke Präsenz. Ich wollte etwas schaffen, das prägnant ist – etwas, das mit dem Thema „Feiern“ verbunden ist. Außerdem ist es eine Reminiszenz an das Ausgehen, an das Feiern und an die Popkultur.
Und so entstand die Idee einer glitzernden Kugel?
Ich wollte etwas Großformatiges, etwas, das sofort eine festliche Stimmung erzeugt. Zunächst dachte ich an überdimensionierten Schmuck, an riesige Pailletten, die glänzen und schimmern. Dann kam mir die Vorstellung einer monumentalen Discokugel – groß, unerwartet, raumgreifend. Sie steht für das Feiern selbst und erklärt sich ganz ohne Worte. Eine Discokugel löst bei vielen Menschen ähnliche Emotionen aus, unabhängig von Sprache oder Hintergrund. Man sieht sie und spürt etwas Feierliches, etwas Positives. Selbst wer nie in einem Club war, erkennt sie als Symbol für Eleganz und gute Stimmung. Eine Diskokugel verwandelt jeden Raum. Und jedes Mal, wenn ich nun irgendwo eine sehe, denke ich an meine Installation im Gasteig – und freue mich.
Warum trägt die Installation den Titel PLAY?
PLAY ist ein einfaches, starkes Wort, das alle verstehen – und es hat viele Bedeutungen: Im Gasteig spielt Musik, man kann spielerisch lernen. Durch die Skalierung der Kugel – eines Balls – wird sie auch zum Spielplatz für Erwachsene. Die Spiegelflächen der Kugel ermöglichen es, sich selbst darin zu sehen. Diese Reflexionen sind sehr fotogen – sie laden dazu ein, Fotos zu machen. Wenn der Gasteig Geburtstag feiert, ist PLAY gewissermaßen immer dabei. Besonders schön finde ich, dass Menschen im öffentlichen Raum damit in Kontakt kommen und ihre Eindrücke mitnehmen. Ich freue mich, wenn meine Arbeit eine Reaktion auslöst – wenn sie überrascht und etwas in Bewegung setzt.
„PLAY ist eine große Einladung an die Menschen, zu feiern. Alle sollen die Möglichkeit haben, gute Momente zu erleben!“
Du entwirfst Bomberjacken, Taschen, Schmuck, Interventionen im öffentlichen Raum und vieles mehr. Woran erkennst du, dass du in dieser Fülle „Ayzit Bostan“ bist?
Meine Arbeiten sind vielfältig. Das Label steht für vieles – der „Typisch Bostan“- Abdruck wird oft erst im Rückblick sichtbar. Ich finde es schön, wenn sich PLAY in diese verschiedenen Formate und Größenordnungen einreiht – wenn eine Idee stark genug ist, um Interaktionen und Reaktionen auszulösen.
Deine Kunst prägt München. Wie beeinflusst das dein Verhältnis zur Stadt?
Ich fühle mich in München gesehen und gut aufgehoben. Die Neue Sammlung zeigt zum Beispiel eine meiner Liegen in ihrer Dauerausstellung. Wenn ich dort vorbeikomme, sehe ich dieses Objekt neben dem Lattenstuhl von Marcel Breuer – und finde es immer wieder unglaublich, dass etwas von mir in diesem Dialog steht. Manchmal betrachte ich das fast von außen, als wäre ich selbst eine Fremde. Es ist ein wunderbares, fast unwirkliches Gefühl.
Was erhoffst du dir von PLAY?
Ich hoffe, dass die Kugel den Menschen Freude bereitet und sie dazu einlädt, mit der Installation zu interagieren. Ich freue mich, wenn meine Arbeiten eine eigene Dynamik entwickeln – wenn sie in den sozialen Medien weiterleben und so auch Menschen außerhalb Münchens erreichen. PLAY ist für mich ein essentielles Symbol des Feierns. Wir alle brauchen Momente, die uns aus dem Alltag herausholen und uns spüren lassen, dass das Leben schön ist.
Steckbrief Ayzit Bostan
- ist ausgebildete Damenschneiderin und Schnittdirektrice (Meisterschule für Mode München).
- arbeitet seit 1995 selbstständig mit eigenem Label.
- lehrt seit 2012 Design textiler Produkte an der Kunsthochschule Kassel.
- sorgte 2012 mit der Installation „Replika“ erstmals für Aufmerksamkeit im öffentlichen Raum: Die Bögen des Hofgartens wurden von fließenden
Vorhängen umspannt. - hatte eine Soloausstellung „Ayzit Bostan Palast“ (2023) in der Münchner Rathausgalerie zu Themen wie Migration und Queerness.
- erhielt 2023 den Designpreis der Stadt München, ihre Arbeiten sind u. a. in der Neuen Sammlung – The Design Museum, Pinakothek der Moderne, vertreten.
- Zur Website der Künstlerin: Ayzit Bostan
PLAY
Installation von Ayzit Bostan zu „40 Jahre Gasteig“Text: Maria Zimmerer