Zum Hauptinhalt springen

Mission Erde: Über den Naturschützer Robert Marc Lehmann

Handeln und darüber reden: Der Meeresbiologe und Naturschutz-Aktivist Robert Marc Lehmann nutzt die Möglichkeiten der modernen Vermarktung geschickt, um sein Anliegen möglichst breit an die Menschen zu bringen: Lasst uns die Welt retten, und zwar schnell. Bei seinen Auftritten präsentiert er Bilder und Filme seiner zahlreichen Expeditionen, zeigt akute Probleme auf und erklärt, was wir alle für den Umwelt- und Artenschutz tun können.

Eine Person auf einer Wiese stützt sich auf eine große Kamera.
Copyright: Ria Media

Robert Marc Lehmann ist einer der bekanntesten deutschen Akteure für Naturschutz. Der Meeresbiologe, Fotograf und Filmemacher erreicht über soziale Medien und Bücher ein Millionenpublikum. 1983 in Jena geboren, tritt Lehmann regelmäßig im Fernsehen auf, ist in Dokumentationen und Gesprächsformaten zu sehen und arbeitet mit internationalen Medien und Expert*innen zusammen. Zudem ist er als Redner gefragt: Seine Live-Vorträge und Bühnenshows ziehen bundesweit mehrere tausend Menschen an. Dort verbindet er sein Bildmaterial aus aller Welt mit Einordnung und klaren Appellen, wobei er sich auf eine Mischung aus Studien und eigenen Beobachtungen bezieht.

„Die Welt ist es wert, um sie zu kämpfen.“

Im Zentrum seiner Arbeit steht sein Verein „Mission Erde“. Das Projekt versteht sich als unabhängige Medien- und Rechercheplattform. Gemeinsam mit einem kleinen Team reist Lehmann in unterschiedliche Länder, um Themen wie Wildtierhandel, problematische Tierhaltung, Umweltzerstörung oder Massentourismus zu dokumentieren. „Mission Erde“ finanziert sich vor allem über Spenden, Ticketverkäufe und Merchandise. Kleidung, Accessoires und limitierte Produkte sind fester Bestandteil des Projekts und tragen zur Markenbildung bei. Kritiker*innen sehen darin eine problematische Vermischung von Naturschutzanliegen und Konsumlogik. Befürworter*innen argumentieren, dass genau diese Mittel notwendig seien, um Unabhängigkeit und Reichweite zu sichern.

Unbestritten ist seine Wirkung: Lehmann erreicht ein riesiges Publikum und hat Naturschutzthemen in den Mainstream sozialer Medien getragen. Lehmanns Expeditionen sind bewusst reißerisch inszeniert. Mit dieser Form der Darstellung richtet er sich gezielt an ein junges, medienaffines Publikum, das über Emotionen, klare Botschaften und Identifikationsfiguren erreicht werden kann. Seine Bilder und Filme zeigen die Schönheit der Tierwelt – und deren systematische Zerstörung durch den Menschen.

Ein Taucher mit Kamera unter Wasser.
Copyright: Martin Strmiska

Gezeigt werden dabei zum Beispiel gefährliche Tauchgänge, nächtliche Einsätze gegen Wildtierhändler oder Konfrontationen mit Zoobetreibenden und Tourismusunternehmen. Der Naturschutz erscheint hier oft als Kampf, weniger als langwieriger politischer und gesellschaftlicher Prozess. Lehmann bewegt sich damit bewusst auf dem schmalen Grat zwischen Aufklärung und Inszenierung. Sein Erfolg zeigt, wie sehr Naturschutz heute auch eine Frage medialer Aufmerksamkeit ist.

Text: Heike Braun