Malte Arkona, was für eine Rolle spielt der Gasteig in deinem Leben?
(lacht) Der Gasteig ist schuld dran, dass ich meinen Beruf ergriffen habe. Das Kulturzentrum lag auf meinem Schulweg – da gab es kein Vorbeikommen. Ich bin nie direkt nach Hause gegangen, sondern immer erst mal in die Bibliothek: Da gab es Musik, Spaß, Bücher, Wissen und andere Leute, so war der Gasteig wie ein begehbares Internet für mich. In den Ferien fanden viele Aktionen statt: Ich habe gelernt, wie man einen Film dreht, wie man recherchiert und Bücher durcharbeitet, um daraus etwas für Moderationen zu ziehen. Heute bin ich zum Glück beruflich regelmäßig dort.
Du moderierst schon seit 15 Jahren die Kinder- und Jugendkonzerte. Was hat sich seitdem verändert?
Am Anfang waren diese Konzerte noch nicht voll, inzwischen sind die Karten innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Die Münchner Philharmoniker sind da zusammen mit Weltstars der Klassik – in der Isarphilharmonie brennt dann immer die Hütte. Die Stimmung heute ist lebendiger, früher hatte so eine Veranstaltung mehr Schulcharakter. Ich merke auch, dass der Wunsch nach Live-Veranstaltungen heute größer ist. Klassik ist immer mehr eine gute Alternative zu allem anderen, was wir sonst so haben – zum Beispiel zur Digitalität.
„Wenn man sich in den Gasteig reinpumpen lässt, kommt man auf jeden Fall anders wieder raus, das ist ein bisschen wie der Blutkreislauf.“
Was magst du an den Kinder- und Jugendkonzerten?
Sie haben eine besondere Nähe, die ich in anderen Konzerten manchmal vermisse. Hier ist es erlaubt, jede Frage zu stellen: Du kannst zum Beispiel Lang Lang fragen, was er macht, wenn er keine Lust hat zu üben. Einfach aus dem Leben gegriffen und direkt in die Musik hinein – das ist mir der liebste Weg.
Stellen Kinder und Jugendliche andere Fragen als Erwachsene?
Vor allem Kinder sind nicht so diplomatisch, das ist ganz schön. Sie stellen einfach die Fragen, die sie interessieren. Wieso dauert das Stück so lang? Warum muss ich leise sein? Wieso müssen wir alle sitzen? Das sind alles berechtigte Grundfragen, die wir im Rahmen eines solchen Konzertes dann gemeinsam klären. Als Moderator versuche ich, eine Atmosphäre zu schaffen, bei der alle gut mitkommen können. Oft flitze ich mit dem Mikrofon zwischen den Reihen herum, um die Stimmung unmittelbar einzufangen.
Warum macht es dir so viel Spaß, junge Leute für Kultur zu begeistern?
Kultur ist der Grund, warum ich morgens aufstehe, und die Farbe, die unser Leben erst bunt macht. Kultur beschreibt, wer wir sind, Kultur ist ein Ort, wo man frei ist, reflektieren, ausflippen oder in sich gehen und andere treffen kann – ein allumfassender Ort, den es sonst nirgendwo gibt. Und da ist der Gasteig das beste Beispiel dafür. Er ist einer dieser Begegnungsorte in München, wo alles live, echt und zum Anfassen ist. Dort gibt es aber auch die feingeistigen Momente, wo man in der Isarphilharmonie sitzt, ein großes Orchester wie die Münchner Philharmoniker eine ganz leise Stelle spielt, und 1500 Leute heben aus den Sitzen ab vor Begeisterung.
Wie macht man Kindern und Jugendlichen Klassik schmackhaft, wenn sie damit noch nie in Berührung gekommen sind?
Das Lustige ist, dass oft Erwachsene denken, man muss irgendwas schmackhaft machen in der Klassik. Wenn Kinder die Isarphilharmonie betreten und Musik hören, dann finden sie das interessant, weil Menschen auf der Bühne sind, die Musik machen. Und wenn klassische Musik dabei ist, dann ist das völlig selbstverständlich. Es gibt natürlich auch Tage, an denen Gruppen kommen, die noch nie eine Geige gesehen haben. Da fängt man dann weiter vorne an. Ich würde aber nie sagen, dass hier die Faszination größer oder dort die Aufmerksamkeitsspanne kleiner ist. Man muss einfach einen anderen Weg gehen. Für mich hat Klassik gar nichts Künstliches, Anstrengendes oder Schwieriges. Sie ist manchmal herausfordernd – aber das sind viele Dinge, die sich lohnen.
Jugendkonzerte der Münchner Philharmoniker
Moderiert von Malte ArkonaText: Anna Steinbauer