„Für mich ist K-Pop die perfekte Kombination von Musik, Choreografie, Outfit und Lebensgefühl“, sagt die 30-jährige Xinrui Yang. K-Pop, abgeleitet von Korean Popular Music, ist ein Sammelbegriff für koreanischsprachige Popmusik mit Elementen aus Hip-Hop, R&B und Elektro. Im Leben der jungen Frau, die ursprünglich aus China stammt, spielt diese Mischung schon länger eine bedeutende Rolle. Zusammen mit Freund*innen hat sie 2018 die EcLipse Dance Crew in München gegründet. Im selbst organisierten Verein studieren tanzbegeisterte junge Menschen zwischen 20 und 30 Jahren Choreografien zu K-Pop-Songs ein, um sie an öffentlichen Plätzen wie dem Odeonsplatz oder vor der Alten Kongresshalle aufzuführen. Meist entstehen dabei auch Videos, die auf Social Media geteilt werden.
Die Tänzer*innen treffen sich regelmäßig am Wochenende, um zu trainieren, und haben bei Wettbewerben bereits zahlreiche Preise eingeheimst. Im Vergleich zu anderen Tanzarten sei K-Pop einfach näher an ihrem Leben dran, sagt Yang. „Es ist eine Sache, die ich gemeinsam mit meinen Freund*innen mache: Wir hören die Musik, gehen auf Konzerte, unterhalten uns darüber.“ Sie mag besonders Songs, die schöne Melodien haben, die man sich sofort merkt, und gleichzeitig auch eine genau passende Choreografie.
„Die Choreografien sind bei den K-Pop-Songs so gut mit der Musik kombiniert, dass sie sich sofort in deinem Kopf festsetzen. Wenn ich als Tänzerin die Melodie höre, dann ist die Bewegung automatisch drin.“
Der perfekte Ausgleich
Tanzen gehörte immer schon zu Yangs Leidenschaften, besonders während ihrer Schulzeit in China und ihres BWL-Studiums in Köln war Hip-Hop Tanzen für sie ein angenehmer Ausgleich zum stressigen Alltag. Zum Masterstudium verschlug es die junge Frau 2016 nach München, wo sie aktuell als Consultant bei einer großen Unternehmensberatung arbeitet und einen Teil ihrer Freizeit als K-Pop-Fan verbringt: „K-Pop ist sehr beliebt, jeder kennt die Songs“, sagt sie. In ihrer Crew gäbe es allerdings noch größere Fans, gesteht sie lachend. Mittlerweile zählt die EcLipse Dance Crew schon über 30 Mitglieder, seit drei Jahren gibt es deshalb strengere Aufnahmeregeln mit Vortanzen. Yang übernimmt öfter die Rolle als Trainerin, organisiert Workshops und Auftritte, regt aber die Tänzer*innen auch dazu an, sich untereinander in kleineren Projekten zusammenzufinden.
Asiens strenge Tanzschmiede
Entstanden in den Neunzigern, ist K-Pop heute eine riesige Bewegung und Ausdruck einer Jugendkultur, die auch außerhalb des asiatischen Musikmarktes stetig wächst und sämtliche Streaming-Rekorde bricht. Mittlerweile gibt es unzählige K-Pop-Bands und eine große internationale Fan-Community. Der Exportschlager aus Südkorea wird sogar von der Regierung gefördert und hat sich zum bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt: Offiziellen Schätzungen zufolge spielt K-Pop jährlich zehn Milliarden USDollar ein. Der erste K-Pop-Song, der weltbekannt wurde, war 2012 „Gangnam Style“ des südkoreanischen Rappers Psy. Das Musikvideo dazu war zeitweise das meistgeklickte Video bei YouTube, aktuell zählt es 5,5 Milliarden Aufrufe. In Deutschland erfuhr K-Pop durch die Olympischen Winterspiele 2018 im südkoreanischen Pyeongchang größere mediale Aufmerksamkeit. Eine wichtige Rolle bei der Kreation des Phänomens spielen große Talentagenturen und Entertainment- Firmen, die bereits Kinder unter Vertrag nehmen und intensiv ausbilden. Um Teil einer gecasteten Girl- oder Boyband zu werden, bewerben sich Zehntausende. Die wenigen Auserwählten durchlaufen eine jahrelange strenge Ausbildung mit Fremdsprachenunterricht und Tanz- und Gesangscoachings, außerdem lernen sie den Umgang mit Fans und Journalist*innen mit dem Ziel, irgendwann ein K-Pop-Idol zu werden.
„Für mich ist es wichtig, dass ein K-Pop-Idol sehr gut tanzen kann“, erklärt Yang. Sie verehrt beispielsweise Kai von der Boyband Exo für seine tänzerischen Qualitäten. Ihn hat die Münchnerin schon live in Frankfurt bei einem Konzert gesehen. Einen großen Teil des Kults um ihre Idole betreiben die Fans live oder auf Social Media: Sie tanzen die Choreografien bekannter K-Pop-Songs nach. Weil es zu jedem Lied eine feste Choreografie gibt, kann diese auch leicht von allen erlernt werden. Voraussetzung bei den einzelnen Dance-Cover-Projekten bei EcLipse sei, dass die Tänzer*innen die Bewegungen zu Hause schon selbst einstudiert haben, bevor sie sich treffen und gemeinsam an der Formation arbeiten und sich die Outfits überlegen, so Yang.
K-Pop zum Reinschnuppern
„Viele der Choreos sind auch nicht so schwer, man muss kein Tanzprofi sein, um einzusteigen. Alle, die möchten, können das relativ schnell erlernen“, sagt Yang. Ideal also für ein großes Mitmachevent wie „Tanz den Gasteig“ in der Halle E. Yang wird mit einem Teil ihrer EcLipse Dance Crew einen Workshop geben – natürlich inklusive einer Showeinlage. Besonders wichtig dabei: „die Attitude, der Gesichtsausdruck, den du dabei rüberbringst.“ Schließlich gehe es darum, sich in die Rolle eines K-Pop Idols zu versetzen: „Du singst, tanzt, fühlst mit.“ Zusammen macht das noch mehr Spaß.
Text: Anna Steinbauer