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Gleichschwung im Salsa-Rhythmus

Wer bei den Salsa-Nächten im Gasteig HP8 ein paar Treppen erklimmt und von der Balustrade in die Halle E hinunterschaut, erlebt, wie die Menge im Einklang rhythmisch pulsiert. Dabei sind es ganz unterschiedliche Menschen, die hier zusammenkommen. Die Tanzevents ziehen regelmäßig 1000 Leute an und sind mittlerweile zur Institution im Kulturzentrum geworden. Ihr Reiz ist also offensichtlich – aber worin besteht er genau?

In einer Halle mit mehreren Ebenen hängt eine glitzernde, überdimensionale Discokugel. Ringsherum viele Menschen. Im Vordergrund ein tanzendes Paar als Silhouetten.
In der Gasteig- Jubiläumsaison darf unter der riesigen Glitzerkugel getanzt werden. Copyright: Robert Haas

Carlos Lazarte leitet eine der Tanzschulen, die bei den regelmäßig in der Halle E stattfindenden Salsa-Abenden Schnupperkurse anbieten. Seit langer Zeit ist er vertraut mit der Münchner Szene und weiß, welchen Stellenwert die Salsa-Nächte im Gasteig HP8 einnehmen. „Früher gab es mehr Latinoschuppen, wo Restaurants abends Tische weggeräumt haben. Die Leute sind dann zusammengekommen, Kinder, Großeltern und Freunde, alle haben zusammen getanzt.“ Nach dem Zweiten Weltkrieg waren amerikanische GIs aus Puerto Rico in München stationiert, später fanden viele auf der Flucht vor den Militärregimes Lateinamerikas hierher.

Als immer mehr Tanzschulen begannen, Kurse anzubieten, hätten sich viele Partys auf einen Stil spezialisiert, erzählt Carlos: etwa Salsa Cubano, Bachata, Salsa auf Linie oder Mambo. Im Gasteig HP8 kommt aber für die kostenlosen Partys wieder die ganze Szene zusammen. „Der Sportcharakter und der Spaß-ausgeh-Charakter des Events mischen sich gut. Alle finden da ihren Platz zum Wohlfühlen.“ Daher ist es für viele Tanzende zur Tradition geworden, dabei zu sein.

Selbst für Janine Bogosyan, Projektleiterin der Salsa- und Bachata-Abende, gibt es keine wirklich typischen Besucher*innen. Menschen aus allen Gesellschaftsschichten mischen sich: „Das Tolle an der Veranstaltung ist, dass jede mit jedem tanzt. Schwellen und Barrieren werden aufgelöst“.

„Besonders in den Salsa-Nächten sind wir ein Ort, an dem sich Unterschiede auflösen und in einem gemeinsamen Glücksgefühl aufgehen.“

Janine Bogosyan, Projektleiterin

Auch Ecco Meineke, selbst Salsa-Lehrer, Musiker und Stammgast der Reihe, findet es schön, dass sich hier niemand abgrenzt: „Es gehört dazu, dass man auch mit Leuten tanzt, die es noch nicht können, weil man es selbst eben auch von guten Leuten gelernt hat.“ Genau so ist Patricia Stadick zum Salsa gekommen. „Ich wurde ein bisschen überredet mitzumachen.“ Mit großer Hingabe hat sie das Tanzen gelernt und auf diesem Weg die Liebe zur Salsa-Musik gefunden. Und jetzt wartet eine besondere Aufgabe auf sie: Gemeinsam mit Carlos wird sie beim Salsa-Ball auflegen, der sich nach so vielen denkwürdigen Nächten als wahrer Höhepunkt ankündigt. Am 29.12. wird die Halle E zum glamourösen Ballroom, mit zwei DJs, Tanzshow und dem elfköpfigen Salsa-Orchester von David Lenis.

Fröhliche Menschen auf einer Bühne in der Halle E.
Beim Salsa-Ball am 29.12. ist das elfköpfige David Lenis Orchestra live mit am Start. Copyright: Mariano Von Plocki
Blick von oben auf bunt beleuchtete Bühne mit Band und tanzendes Publikum.
Copyright: Mariano Von Plocki

„Livemusik überträgt andere Energie als Musik aus einer Box“, sagt Patricia. Das liegt auch am Tempo, denn die Bands tendieren dazu, schneller zu spielen als die Lieder der meisten Aufnahmen. Außerdem dauern die Songs von Livebands meist länger. Da ist Ausdauer gefordert.

Für die DJs Carlos und Patricia wird es beim Ball darum gehen, sich gut mit dem Orchester zu ergänzen und auf die entstehende Energie einzugehen. Für sie ist es das Größte, wenn der ganze Raum reagiert und eins wird – unabgesprochen und unvermittelt aus der Musik geboren. Baut sich etwa ein Stück melodisch auf, bevor es sich in einer Descarga, einem eingeschobenen Instrumental-Break, entlädt, dann fährt das den Menschen in die Beine. Egal ob sie auf die Clave oder die Conga hören, die Schritte schon so natürlich geworden sind, dass sie sie ohne Nachdenken setzen, oder sie die Takte innerlich mitzählen. „Die Leute spüren die Energie, die in solchen Momenten neu entsteht“, sagt Carlos. „Manchmal vergisst man, dass da ein ganzer Raum im Gleichschwingen ist.“ Fragt man Projektleiterin Janine, welches Gefühl nach einer Salsa-Party nachhallt, beschreibt sie es so: „Tausend lächelnde Menschen fliegen glücklich nach Hause.“

Menschen tanzen ausgelassen in der Halle E.
Copyright: Benedikt Feiten/Gasteig
Ein Paar wirbelt auf einer vollen Tanzfläche. Die Tänzerin strahlt in die Kamera.
Copyright: Benedikt Feiten/Gasteig

Vom Ball zum Jahreswechsel wünschen sich auch Carlos und Patricia eine festliche Stimmung mit schick gekleideten, feierlustigen Leuten. Am liebsten sind ihnen diese besonderen Momente zwischendurch, die Patricia immer wieder findet, auch ohne mitten im Geschehen zu sein: Wenn sie die Menschen beobachtet und sich darüber freut, wie sie sich zur Musik verständigen. Manches offenbart sich eben erst in der Außensicht besonders.

Großer Salsa-Ball am 29.12. und weitere Salsa-Termine

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