„Beethovens Neunte erinnert uns daran, dass alle Krisen aus dem gerade zu Ende gegangenen Jahr und die, die jetzt vor uns liegen, immer einen positiven Ausgang haben können.“
In Stanley Kubricks Kultfilm „A Clockwork Orange“ spielt sie eine zentrale Rolle, und jeden ersten Sonntag im Dezember singen 10.000 Japaner*innen sie als heimliche Hymne: Wenige Werke prägen die Musikgeschichte so sehr wie Beethovens 9. Symphonie in d-Moll. Sie ist eine der weltweit populärsten Kompositionen in der klassischen Musik und wurde vielfach gecovert und gesampelt. Es ist die letzte vollendete Symphonie des deutschen Komponisten, der die Wiener Klassik zu ihrem Höhepunkt führte. Sie wurde am 7. Mai 1824 in Wien uraufgeführt und ist nicht zuletzt deshalb so bekannt, weil Beethoven hierfür als Text das Gedicht „An die Freude“ von Friedrich Schiller wählte. Das Hauptthema des letzten Satzes („Freude schöner Götterfunken“) wurde 1985 von der Europäischen Gemeinschaft zur offiziellen Europahymne erklärt.
„Wenn ich die Partitur einer Beethoven-Symphonie aufschlage, fühlt es sich immer an, wie am Fuße eines riesigen Berges zu stehen. Ich weiß, dass es ungeheuer anspruchsvoll und anstrengend wird, aber es ist auch an Schönheit und Emotionen kaum zu übertreffen.“
Vor allem aber verkündete sie zu allen Zeiten die Botschaft von der Freude und der weltumspannenden Brüderlichkeit unter den Menschen. Die Ode funktioniert wie gute Popmusik. Vielleicht ist das der Grund, wieso die Neunte im 19. und 20. Jahrhundert als die Festmusik schlechthin eingesetzt wurde: Sie wurde von totalitären Herrschern zum Geburtstag eingespielt und galt nach dem Zweiten Weltkrieg als Olympia-Hymne für die gemeinsam antretenden Teams aus dem geteilten Deutschland. Am Tag, nachdem Russland die Ukraine im Februar 2022 angriff, wurde die „Ode an die Freude“ politisch umgedichtet – protestierende Menschen sangen am Brandenburger Tor „Friede“ statt „Freude“. In der Isarphilharmonie führten die Münchner Symphoniker zum Jahreswechsel das Werk unter der Leitung von Joseph Bastian auf (28.12.24 & 1.1.25).
„Was ich wirklich an den Klavierkonzerten liebe, ist, dass sie so wunderbar zusammen funktionieren. Sie erzählen eine Geschichte: Beethovens Reise, die Art, in der er seinen Stil verändert und weiterentwickelt.“
Anders, aber nicht weniger berühmt sind Beethovens Klavierkonzerte. „Wie Beethoven in seinen beiden ersten Konzerten die Harmonien behandelt, zeigt, wie sehr er noch dem damaligen Zeitgeist verbunden ist, auch wenn es unverkennbar Beethoven ist“, sagt der Pianist Jan Lisiecki über die Klavierkonzerte. „Auch die Art, wie er die Holzbläser einsetzt, erinnert noch sehr an Mozart. Die Themen leben oft von einer gewissen Eleganz, etliche Prozesse laufen auf betont kammermusikalisch-intime Weise ab.“ Der kanadische Ausnahmepianist führte alle fünf Kompositionen an drei aufeinander folgenden Konzertabenden auf (7., 8. & 9.1.). Lisiecki, der seit seinem Konzertdebüt als Neunjähriger in der Klassik-Welt als „Wunderkind“ galt, trat mit der Academy of St Martin in the Fields auf, die er auch dirigierte.
Jan Lisiecki in der Isarphilharmonie
Text: Anna Steinbauer