Die 1986 in Hongkong geborene Dirigentin Elim Chan lernte als Kind Cello und Klavier zu spielen und studierte schließlich in den USA das Dirigieren – seither schafft sie ihre eigene Klangmagie. Nach fünf Jahren als Chefdirigentin des Antwerp Symphony Orchestra bis 2024 ist sie als Gastdirigentin bei den renommiertesten Orchestern weltweit unterwegs.
Elim Chan, wie können wir uns die kleine Elim vorstellen?
Ich habe das Glück, dass meine Kindheit wirklich wunderschön war. Meine Eltern ermutigten mich bei all meinen Ideen – zum Beispiel, wenn ich mich als Prinzessin verkleidete und zu Abenteuern in märchenhafte Länder aufbrach. Ich hatte eine überbordende Fantasie und liebte es, Geschichten zu erfinden und Zeichentrickfilme zu schauen. Mein Vater war Kunstlehrer, daher unterstützen mich meine Eltern darin, die Kunst in all ihrer Vielfalt zu entdecken. Ich sang bei einem Kinderchor, bekam Klavierunterricht und war vollkommen glücklich in meiner magischen Fantasiewelt.
Gab es besondere Musikmomente in Ihrer Kindheit?
Ballettmusik liebte ich ganz besonders. Ich durfte auch Konzerte besuchen. Werke wie Tschaikowskys „Der Nussknacker“, Ravels „Ma mère l’Oye“ und Dukas’ „Der Zauberlehrling“ zum Beispiel waren perfekt für das kleine Mädchen, das Geschichten so sehr liebte.
Was haben Sie sich aus dieser Zeit bewahrt?
All das Magische eröffnete mir den Zugang in eine andere Welt, und ich konnte mich vollkommen frei fühlen. Das war für mich eine Art Zauberschlüssel. Selbst wenn ich heute auf dem Podium stehe, greife ich immer wieder darauf zurück und kann in eine Zeit zurückzukehren, in der es keine Barrieren gab. Niemand sagte, dass etwas nicht funktionieren würde, nichts konnte mich stoppen!
Augustin Hadelich wurde 1984 als Sohn deutscher Eltern in Italien geboren. Er studierte in New York und lebt seitdem in den USA. Als Solist gastiert er bei internationalen Spitzenorchestern weltweit, ist aber ebenso passionierter Lehrender als Professor an der Yale School of Music.
Augustin Hadelich, welcher Klang versetzt Sie sofort zurück in Ihre Kindheit?
Es gibt bestimmte Musikstücke, mit denen ich starke Emotionen verbinde. Dazu gehören zum Beispiel Lieder von Franz Schubert, die ich als kleines Kind immer wieder hörte, als meine Eltern sie sangen.
Verändert eine erfolgreiche Musikerkarriere den privaten Zugang zur Musik?
Eigentlich nicht. Aber wenn ich Musik zum Spaß höre, sind es meistens keine Geigenstücke, sondern eher Orchesterwerke, Lieder, Kammermusik.
Welchen Rat würden Sie dem jungen Augustin Hadelich geben?
Etwas mehr Geduld zu haben, mit mir selbst – und mit der Welt!
Elim Chan (Leitung) & Augustin Hadelich (Violine) mit den Münchner Philharmonikern: Koide / Tschaikowsky / Elgar
Evgeny Kissin, 1971 in Moskau geboren, erregte mit nur elf Jahren internationales Aufsehen, als er die Klavierkonzerte von Chopin aufführte. Heute steht Kissin für höchste pianistische Perfektion, außergewöhnliche interpretatorische Tiefe und eine kompromisslose künstlerische Haltung.
Gibt es etwas aus Ihrer Kindheit, das Sie sich bewusst bewahrt haben?
Nicht bewusst. Ich erinnere mich an vieles aus meiner Kindheit, aber all das blieb mir unbewusst in Erinnerung. Ich bewahre es in meiner Seele.
Mit aller Erfahrung: Welchen Rat würden Sie dem jungen Evgeny Kissin heute geben?
Besser keinen! Denn als ich jung war, habe ich leider nicht darauf gehört. Jeder Ratschlag an den jungen Evgeny wäre nutzlos gewesen.
Evgeny Kissin: Rezital
Text: Anna Steinbauer