Die Münchner Schiene betrachtet in diesem Jahr Literatur als Werkraum und Prozess. „Beim Entstehen von Literatur spielen viele Leute und Faktoren eine Rolle“, erläutert Dorothee Lossin. Sie ist bei der Münchner Volkshochschule zuständig für das Fachgebiet Literatur, kreatives Schreiben und Film. Für ihr Literaturfest-Programm hat sie sich zwei Kurator*innen ins Boot geholt, die in der Literaturszene gut vernetzt sind, aber aus unterschiedlichen „Bubbles“ kommen: die Münchner Autorin und Kulturvermittlerin Christina Madenach und den Kulturwissenschaftler und Autor Christian Schüle.
Von der Idee zum Buch
Die 18 Veranstaltungen der Kurator*innen sollen zeigen, wie Literatur gemacht wird.Folgerichtig gibt es partizipative Formate, aber auch solche, die Menschen in Bewegung bringen, wie Buchspaziergänge und Lesetreffs. Das Publikum erlebt, wie es ist, mit der Hand zu schreiben, mit der Schreibmaschine oder am Laptop. Und wie man Texte improvisiert oder die KI dafür nutzt. Es gibt Gespräche über das Büchermachen, das Übersetzen und Literaturkritik. Die Veranstaltungen finden am Gasteig HP8, aber auch an anderen, teils ungewöhnlichen Orten wie zum Beispiel der Nymphenburger Porzellanmanufaktur statt. Der Eintritt ist frei.
„Literatur fällt nicht vom Himmel und ist auch nicht die Einzelleistung eines übergeordneten Genies.“
Für die Eröffnung der Münchner Schiene am 22. April im Gasteig HP8 hat das Team eine besondere Herangehensweise gewählt. „Bei einem Workshop, der bereits im März beginnt, geht es um Grundfragen der Literaturvermittlung: Wie kommen diese ganzen Veranstaltungen zustande?“, berichtet Lossin. Aus diesem „kuratorischen Experiment“ entsteht eine Überraschungsveranstaltung. Zusammen überlegen die Teilnehmenden, welche Stimmen sie auf die Bühne holen wollen, wie die Bühne aussehen soll, entwickeln kreative Ideen für Ablauf und Moderation und präsentieren alles schließlich beim Eröffnungsabend im Gasteig HP8.
Über das Schreiben nachdenken
Zeitgleich wird die Ausstellung „Wozu der Aufwand? – Texte von der Münchner Schiene“ in der Halle E eröffnet, wo sie bis 28. Juni öffentlich zugänglich sein wird. „Den Titel haben wir von Jonathan Franzen geklaut“, verrät Dorothee Lossin augenzwinkernd: „Wir haben alle, die an der Münchner Schiene beteiligt waren, gebeten, Texte darüber zu verfassen, warum sie schreiben, mit welchen Hilfsmitteln und unter welchen Bedingungen. Seien es räumliche, wie zu Hause oder in der Bibliothek, oder aber auch politische Bedingungen.“ Mit dabei sind unter anderen Dagmar Leupold, Volha Hapeyeva und Hans Pleschinski. Die Ergebnisse sollen einen Raum öffnen für neues Nachdenken über das Schreiben und zum Gespräch über Literatur und ihre Bedeutung anregen. Für Menschen, die gerne lesen, und solche, die es vielleicht in Zukunft gerne tun.
Literaturfest im Gasteig HP8
Text: Heike Braun