Das Literaturfest München im Gasteig HP8: Wie wird Sprache zur Literatur?
Das Literaturfest München 2026 holte vom 21. bis 30. April eine Vielzahl von Schriftsteller*innen in die Stadt und versprach zehn Tage lang geballte Sprachkraft. Ein Bereich des Festivals ist die Münchner Schiene, die jedes Jahr von einer anderen Münchner Institution kuratiert wird. In diesem Jahr hat die Münchner Volkshochschule sich hierfür ein abwechslungsreiches Programm rund um den Entstehungsprozess von Literatur überlegt, das auch im Gasteig HP8 stattfand.
Die Münchner Schiene betrachtet in diesem Jahr Literatur als Werkraum und Prozess. „Beim Entstehen von Literatur spielen viele Leute und Faktoren eine Rolle“, erläutert Dorothee Lossin. Sie ist bei der Münchner Volkshochschule zuständig für das Fachgebiet Literatur, kreatives Schreiben und Film. Für ihr Literaturfest-Programm hat sie sich zwei Kurator*innen ins Boot geholt, die in der Literaturszene gut vernetzt sind, aber aus unterschiedlichen „Bubbles“ kommen: die Münchner Autorin und Kulturvermittlerin Christina Madenach und den Kulturwissenschaftler und Autor Christian Schüle.
Von der Idee zum Buch
Die 18 Veranstaltungen der Kurator*innen sollten zeigen, wie Literatur gemacht wird. Folgerichtig gab es partizipative Formate, aber auch solche, die Menschen in Bewegung bringen, wie Buchspaziergänge und Lesetreffs. Das Publikum erlebte, wie es ist, mit der Hand zu schreiben, mit der Schreibmaschine oder am Laptop. Und wie man Texte improvisiert oder die KI dafür nutzt. Es gab Gespräche über das Büchermachen, das Übersetzen und Literaturkritik. Die Veranstaltungen fanden am Gasteig HP8, aber auch an anderen, teils ungewöhnlichen Orten wie zum Beispiel der Nymphenburger Porzellanmanufaktur statt.
„Literatur fällt nicht vom Himmel und ist auch nicht die Einzelleistung eines übergeordneten Genies.“
Für die Eröffnung der Münchner Schiene am 22. April im Gasteig HP8 hat das Team eine besondere Herangehensweise gewählt. „Bei einem Workshop, der bereits im März begann, ging es um Grundfragen der Literaturvermittlung: Wie kommen diese ganzen Veranstaltungen zustande?“, berichtet Lossin. Aus diesem „kuratorischen Experiment“ entstand eine Überraschungsveranstaltung. Zusammen überlegten die Teilnehmenden, welche Stimmen sie auf die Bühne holen wollen, wie die Bühne aussehen soll, entwickelten kreative Ideen für Ablauf und Moderation und präsentierten alles schließlich beim Eröffnungsabend im Gasteig HP8.
Über das Schreiben nachdenken
Zeitgleich wurde die Ausstellung „Wozu der Aufwand? – Texte von der Münchner Schiene“ in der Halle E eröffnet. „Den Titel haben wir von Jonathan Franzen geklaut“, verrät Dorothee Lossin augenzwinkernd: „Wir haben alle, die an der Münchner Schiene beteiligt waren, gebeten, Texte darüber zu verfassen, warum sie schreiben, mit welchen Hilfsmitteln und unter welchen Bedingungen. Seien es räumliche, wie zu Hause oder in der Bibliothek, oder aber auch politische Bedingungen.“ Mit dabei waren unter anderen Dagmar Leupold, Volha Hapeyeva und Hans Pleschinski. Die Ergebnisse sollten einen Raum öffnen für neues Nachdenken über das Schreiben und zum Gespräch über Literatur und ihre Bedeutung anregen. Für Menschen, die gerne lesen, und solche, die es vielleicht in Zukunft gerne tun.
Literaturfest im Gasteig HP8
Text: Heike Braun