„Spiele sind der Hammer, da zählt nur der Moment!“
„Spiele sind ein einfacher Weg, Menschen zusammenzubringen“, schwärmt Adnan Seithe. Der 34-Jährige ist seit 2023 Beauftragter für Gaming und Spielkultur an der Münchner Stadtbibliothek. Schon immer großer Fan von Geschichten und Spielen, studierte Seithe zunächst Buchwissenschaft und Kunstgeschichte, dann Medienbildung und E-Learning. Der gebürtige Heidelberger beschäftigte sich intensiv mit der gesellschaftlichen Funktion von Spielen und ist begeistert von der offenen Spielwiese, die er in der Bibliothek mit Leben füllen darf.
Mit dem Schwerpunkt Familie, Gaming und digitales Lernen ist gerade der Interimsstandort im Gasteig Motorama eine ideale Gelegenheit, neue Formate und Räume auszuprobieren. Im ehemaligen Ladenzentrum in Haidhausen gibt es auf mehreren Ebenen Platz für Gaming-Sessions, Brettspiel-Abende oder Events wie Sammelkartentauschbörsen und Pokémon-Days. Die Erfahrung zeigt: „Menschen suchen Räume, in denen sie zusammenkommen und sich treffen können“, sagt Seithe, der schon sehr gespannt ist auf das neue Mitmach-Lab. Dort können alle kreativ mitgestalten – ohne Druck, ohne Stress, ohne Verpflichtung.
Ob Brettspiele, Rollenspiele, Zocken an Konsolen und in Virtual-Reality-Welten – verschiedene Bereiche sollen weiterentwickelt, bereits vorhandene und neue Technik soll dabei sinnvoll genutzt werden. „Inhaltlich wollen wir verstärkt zum Schwerpunkt Demokratie arbeiten und möchten Menschen noch aktiver mit einbeziehen“, so der Gaming-Beauftragte der Stadtbibliothek.
Ein bunter Haufen Spielbegeisterter
Die monatlichen Brettspiel-Abende im Gasteig Motorama haben sich mittlerweile herumgesprochen und ziehen die wildesten Kombinationen von Spieler*innen an, erzählt Seithe. Vier Stunden wird abends von 18 bis 22 Uhr an verschiedenen Tischen gewürfelt, strategisch geplant, gewonnen und verloren. Manche der 18- bis über 50-jährigen Spieler*innen kommen allein, manche als Gruppe, einige gehören bereits zum „Inventar“ der Bibliothek und übernehmen freiwillig die Rolle von Spiele-Erklärer*innen. „Die Leute haben echt Bock darauf!“, freut sich Seithe. Sein Team stellt bei jedem Termin neue Spiele vor. Weiterer Vorteil: Sich selbst durch ellenlange Spielanleitungen zu quälen, ist überflüssig. Meist finden sich Profis, die in einfachen Worten Ablauf und Spielregeln erklären. Würden Wachleute nicht konsequent um 22 Uhr die Türen zuschließen, säßen Spielfreudige dort bis spät in die Nacht. Spieletreffs auf Englisch finden regelmäßig an Sonntagnachmittagen im Gasteig HP8 in Sendling statt.
„Spielen erlaubt uns, Realitätsfernes, Abenteuerliches und Unsinniges zu erleben. Hinter jedem Mausklick, jedem strategischen Zug und jeder Spielidee steckt ein Mensch, der sich mit Kopf und Herz einer komplexen Herausforderung stellt.“
Seithe möchte vermehrt Angebote machen, die auch losgelöst von den Servicezeiten und der Anwesenheit von Bibliotheksmitarbeiter* innen funktionieren. Im GameLab können jederzeit an Konsolen geeignete Games gezockt und Brettspiele aus dem Tauschregal gezogen werden. Bei Kindern der totale Renner: der Gaming Monday. Eigentlich als offenes Angebot für alle gedacht, haben die Kinder diesen Termin für sich erobert und helfen sich gegenseitig, so Seithe. Er erfährt bei diesen Sessions aus erster Hand, was die Jüngsten gerne spielen, und gibt im Gegenzug Tipps, welche geeigneten Spiele sie noch ausprobieren könnten – Altersempfehlungen und Jugendschutz immer im Blick. Aufgrund des Andrangs wird 2026 alle zwei Wochen ein neuer Gaming Tuesday ab 16 Jahren gestartet.
Spiele als Königsdisziplin
Gute Spiele können gesellschaftlich relevante Inhalte vermitteln und Spaß machen. Mittels Fachzeitschriften, Spielemessen und Online-Plattformen hält sich Seithe auf dem Laufenden. Die Spiele-Community sei gut vernetzt, Neues spräche sich schnell rum. Richtig gefesselt ist Seithe derzeit vom komplexen Strategiespiel „Dune: Imperium“. Basierend auf der Science-Fiction-Romanreihe von Frank Herbert und grafisch angelehnt an den neuen Kinofilm von Denis Villeneuve geht es darum, die Vorherrschaft auf dem Wüstenplaneten Arrakis zu erlangen. Seithe nennt es eine große Kunst, wie elegant „Dune“ gestaltet wurde und wie fiktive Welt und Spielmechaniken ineinandergreifen. „Ein Spiel besteht nicht nur aus Würfeln und Figuren. Vielmehr ist es das, was wir von uns hineingeben und daraus machen.“
„Games und Brettspiele bewegen Menschen. Sie schaffen gemeinsame Erlebnisse und wecken Kreativität.“
Gaming: ein gemeinsames Erlebnis
Was aber genau macht das Spielen so faszinierend? Man kann sich in einem ganz anderen Umfeld bewegen, verschiedene Rollen ausprobieren, eine Welt ganz nach eigenem Geschmack bauen, findet Seithe. Je nach Spiel komme es darauf an, schnelle oder strategische Entscheidungen zu treffen, sich selbst zu reflektieren und als Gruppe zu organisieren. „Alles Dinge, die einem auch im richtigen Leben helfen“, so der Gaming-Spezialist. Die Stärke des Spielens in seinen Worten: „Games und Brettspiele bewegen Menschen. Sie schaffen gemeinsame Erlebnisse und wecken Kreativität.“ Voller Vorfreude auf neue Formate lädt er alle ein, die eigene Spielfreude auszuleben oder vielleicht auch neu zu entfachen.
Lust auf Spielen?
Text: Maria Zimmerer