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Backstage: Till Brönner

Till Brönner ist Jazztrompeter und Komponist. Neben eigenen preisgekrönten Alben produzierte er für Größen wie Hildegard Knef und Thomas Quasthoff. Brönner spielt auf den renommiertesten Bühnen weltweit und trat mit internationalen Jazzlegenden wie Dave Brubeck, Tony Bennett oder Nils Landgren auf.

Ein Porträt des Trompeters Till Brönner
Copyright: Nicolas Hudak

Haben Sie ein besonderes Ritual vor einem Auftritt?

Ich brauche vor allem Ruhe. Kein großes Tamtam, sondern ein paar Minuten für mich und die Trompete. Ich spiele lange Töne, ganz leise, um den Atem zu zentrieren und den Ansatz zu fokussieren. Das ist weniger Technik als Meditation. Außerdem höre ich kurz in den Raum hinein – selbst wenn er noch leer ist. Jeder Saal hat eine eigene Akustik, eine eigene Seele. Darauf stelle ich mich ein. Und dann versuche ich, alles Private draußen zu lassen. Auf der Bühne zählt nur die Musik.

Nervenbündel oder Rampensau?

Weder noch – oder vielleicht beides in gesunder Balance. Eine gewisse Nervosität gehört dazu. Wenn sie fehlt, fehlt auch die Spannung. Aber sie darf nicht dominieren. Ich würde sagen: kontrollierte Anspannung. Die Bühne ist kein Ort für Ego, sondern für Präsenz. Wenn ich spiele, bin ich sehr bei mir – und gleichzeitig vollkommen offen für das, was zwischen mir, der Band und dem Publikum entsteht.

Was darf im Backstage nicht fehlen?

Ruhe. Ein guter Espresso. Und Wasser – viel Wasser. Ich brauche keinen Luxus, aber ich schätze eine Atmosphäre, in der man sich sammeln kann. Ein aufgeräumter Raum hilft. Und wenn die Band zusammen lacht, ist das auch nicht schlecht. Musik ist Teamarbeit – selbst wenn man vorne steht.

Schlussapplaus, runter von der Bühne – und dann?

Erst einmal durchatmen. Dieser Moment nach dem letzten Ton ist oft der intensivste. Da fällt die ganze Spannung ab. Wenn es ein guter Abend war – und das merkt man sofort – dann genieße ich das sehr still. Manchmal bleibe ich noch kurz allein, manchmal stoße ich mit der Band an. Und später, im Hotel oder zu Hause, gehe ich das Konzert im Kopf noch einmal durch. Nicht analytisch, sondern eher emotional: Was hat getragen? Wo war Magie?

Mit wem würden Sie gerne mal auftreten und warum?

Mit Frank Sinatra hätte ich wahnsinnig gern einmal auf der Bühne gestanden. Und zwar nicht im Rampenlicht, sondern als vermeintlich unbedeutender Trompeter im Background. Einfach, um ihn aus der Nähe zu beobachten. Diese Selbstverständlichkeit, diese Autorität im Raum – das war große Kunst. Sinatra musste nichts beweisen. Er stand da, und alles war gesagt. Mich hätte fasziniert, wie er atmet, wie er Phrasen formt, wie er mit dem Orchester kommuniziert. Nicht der Mythos interessiert mich, sondern das Handwerk hinter der Aura.

Till Brönner in der Isarphilharmonie

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