Das Publikum als Dämmfleisch
Akustiker*innen sorgen beim Bau eines Konzertsaals dafür, dass man optimal hören kann. Neben der Form des Raums, den verbauten Materialien oder den Abständen zur Bühne hängt die Akustik von der Zahl der Leute ab, die sich darin befinden. Menschliche Körper absorbieren Schall. Deswegen bezeichnen Akustiker das Publikum offiziell als „mobile Absorbermenge“. Und inoffiziell? Da fällt unter Fachleuten gerne das Wort „Dämmfleisch“, wenn von Besuchenden die Rede ist. Übrigens: Um fehlendes Publikum während einer Probe auszugleichen, wurden in die Sitzflächen der Sessel der Isarphilharmonie Elemente eingebaut, die hochgeklappt einen ähnlichen Effekt haben, wie wenn „Dämmfleisch“ auf ihnen sitzt.
Das Akustiknetz in der Isarphilharmonie
Wer die Isarphilharmonie besucht und auf dem Balkon und im Rang Platz nimmt, hat sicher das Metallgitter bemerkt, das dort als Balustrade dient. Dieses Gitter dient der Optimierung der Akustik: Das Material ist so fein, dass der Schall auf keinen Widerstand trifft und nicht reflektiert wird. Die dünnen Metalldrähte nimmt das Auge, das sich auf die Bühne fixiert, meist bald gar nicht mehr bewusst wahr. Der Klang ist dahinter aber genauso gut und vollständig wahrnehmbar wie im Parkett. Bestünde die Balustrade zum Beispiel aus Plexiglas, könnte man zwar hindurchsehen. Die Musik aber wäre nicht annähernd so gut hörbar wie jetzt.
In die Röhre gucken
Gleich drei Röhrenfernseher stehen versteckt in einer Kammer seitlich der Bühne. Warum? Es gibt Musikstücke, bei denen ein kleines Ensemble eine kurze Sequenz „aus der Ferne“ einspielt. Dafür müssen die Musizierenden außerhalb des Konzertsaals stehen. Damit sie ihren Einsatz nicht verpassen, wird das Dirigat live auf einen Monitor übertragen. Bei digitalen Monitoren werden Live-Übertragungen minimal verzögert wiedergegeben. Das kann dazu führen, dass die Musiker*innen nicht mehr synchron mit dem Orchester spielen können. Hier kommen die „alten“ Fernseher ins Spiel: analoge Videotechnik überträgt unverzögert. Deshalb gucken Musizierende, die von außen Töne einspielen, gezielt „in die Röhre“ – und spielen so ihren Einsatz akustisch akkurat.
Überzeugen Sie sich selbst!
Die nächsten Konzerte in der IsarphilharmonieText: Melanie Brandl