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Symphonische Klänge: Anton Bruckner und die Münchner Philharmoniker

Anton Bruckner hatte merkwürdige Ticks, spielte irre gut Orgel und wurde zu Lebzeiten eher belächelt. Zum 200. Geburtstag des österreichischen Komponisten knüft der designierte Chefdirigent Lahav Shani gemeinsam mit den Münchner Philharmonikern an die große Bruckner-Tradition des Orchesters an.

Porträt des Dirigenten.
Ab der Saison 2026/27 Chefdirigent bei den Münchner Philharmonikern: Lahav Shani Copyright: Co Merz

Bruckner: Orgelvirtuose und Sonderling

Der Komponist Anton Bruckner gehört heute neben Ludwig van Beethoven zu den bedeutendsten Symphonikern. Am 4. September 2024 jährt sich der Geburtstag des 1824 in Ansfelden bei Linz geborenen Musikers zum 200. Mal, und der designierte Chefdirigent Lahav Shani knüpft gemeinsam mit den Münchner Philharmonikern an die große Bruckner-Tradition des Orchesters an. Dass die neun Symphonien des österreichischen Komponisten als Meisterwerke ihrer Gattung gelten, ist auch den Münchner Philharmonikern zu verdanken, die in der bayerischen Hauptstadt sehr früh Bruckners Werke aufführten und bekannt machten. Maßgeblichen Anteil an seinem wachsenden Ruhm hatten zwei Dirigenten: Hermann Levi bescherte Bruckners 7. Symphonie 1885 einen Siegeszug in München, und Bruckner-Schüler Ferdinand Löwe veranstaltete in der Landeshauptstadt 1905 das erste Bruckner-Fest überhaupt.

Schwarzweißaufnahme von Anton Bruckner.
Anton Bruckner (1824–1896) um 1868 Copyright: Gemeinfrei

Späte Anerkennung

Der als Schullehrer ausgebildete Joseph Anton Bruckner wirkte ab 1855 als Domorganist in Linz und bekam später eine Professur am Wiener Konservatorium. Der fromme Katholik vom Land kam in der Wiener Gesellschaft nicht so gut an: Als Orgelvirtuose in Paris gefeiert, galt er in der Heimat eher als Sonderling, dessen teilweise eigentümliches Verhalten in zahlreichen Anekdoten festgehalten wurde. Bruckner soll nicht nur ein Faible fürs Zählen und Sammeln gehabt haben (unter anderem eine große Anzahl schriftlich abgelehnter Heiratsanträge), sondern auch für Prüfungen aller Art. Anerkennung für seine kühnen Kompositionen, die für die Entwicklung der abendländischen Musik richtungsweisend wurden, musste er sich unter seinen Zeitgenossen mühsam erkämpfen. Bruckner litt besonders darunter, dass Richard Wagner sein Werk zu seinen Lebzeiten nicht beachtete. Eine ernsthafte Würdigung von Bruckners Schaffen fand erst im 20. Jahrhundert statt – wobei auch die ideologische Vereinnahmung seines Werkes durch die Nationalsozialisten seinem Ruf schadete.

Blick von der Bühne in den Zuschauerraum, man sieht den Dirigenten, Streicher*innen, einen Flügel nebst Pianisten.
Lahav Shani setzt sich zur Eröffnung der Saison 2024/25 selbst ans Klavier. Copyright: Tobias Hase

Symphonische Höhepunkte

Bruckner komponierte viel Kirchenmusik, darunter zahlreiche Motetten und Chorwerke, und neun Symphonien. Am Finale seiner 9. Symphonie in d-Moll, die Bruckner „dem lieben Gott“ widmete, arbeitet er noch auf dem Sterbebett. Die Uraufführung der als Torso hinterlassenen 9. Symphonie in ihrer unverfälschten Originalfassung zählt zu den Höhepunkten der Bruckner-Tradition der Philharmoniker. Siegmund von Hausegger leitete am 2. April 1932 die Premiere und läutete damit eine Schicksalswende in der Aufführungspraxis der Bruckner-Symphonien ein. Mit diesem Werk startete Lahav Shani am 4., 6. und 9. September 2024 die neue Saison mit seinem zukünftigen Orchester.

Die Münchner Philharmoniker in der Isarphilharmonie

Zusätzlich setzt sich Dirigent Shani selbst an den Flügel und spielt als Solist Bachs Klavierkonzert Nr. 1 BWV 1052. Ein Vorgeschmack auf die Bandbreite seiner künftigen Programme. Der designierte Chefdirigent Lahav Shani wird sich zur Eröffnung der Saison selbst ans Klavier setzen. Ein weiterer Bruckner-Höhepunkt in der Isarphilharmonie ist die Aufführung der f-Moll-Messe unter der Leitung von Thomas Hengelbrock am 19. und 20. September. Sie gilt als Meisterwerk symphonischer Chormusik, dessen Uraufführung seinerzeit abgeblasen wurde, weil der Dirigent das Werk für „zu lang und unsingbar“ hielt. Dass es doch geht, zeigt der Philharmonische Chor München, der die anspruchsvollen Chorpassagen übernimmt. Außerdem wird der „Psalm 90“ für gemischten Chor, Orgel und Glocken von Charles Ives gegeben.

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