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23.02.2022

Wie bringt man Menschen und Musik zusammen?

Wie bringt man Menschen und Musik zusammen? Voller Einsatz für die Musik: Clemens Schuldt, Chefdirigent des Münchener Kammerorchesters, beim Kinderworkshop. Florian Ganslmeier

Einmal im Monat treffen sich alle Gasteig-Institute, um gemeinsame Projekte zu entwickeln: Möglichst viele Menschen sollen für Kultur begeistert und Hemmschwellen dabei abgebaut werden. Mit von der Partie ist Katrin Beck, Expertin für Musik, Literatur und Kulturmanagement.

Katrin Beck wünscht sich musikalische Begegnungen aller Generationen © Florian Ganslmeier

Ein Gespräch über Begegnungen zwischen Menschen und Musik

Frau Beck, Sie kümmern sich beim Münchener Kammerorchester um Musikvermittlung. Welche Rolle spielt diese beim MKO?

Dieser Bereich ist ebenso wichtig und gleichberechtigt wie der nächste Kompositionsauftrag, die Konzeption der Saison oder die Programme zum nächsten Abo-Konzert. Sie ist integraler Bestandteil der professionellen künstlerischen Tätigkeit. Dabei geht es nicht ausschließlich um die junge Generation. Vermittlung findet auch in Werkstattgesprächen, Konzerteinführungen mit Schüler*innen, in Projekten der Erwachsenenbildung beispielsweise gemeinsam mit der Münchner Volkshochschule oder beim Clubkonzert statt. Education ist im sehr weit gefassten Sinne, wenn wir Menschen zusammenbringen.

Wie gelingt es, Menschen für Musik zu begeistern?

Begeisterung lässt sich erst einmal dadurch entfachen, indem man Gelegenheiten bietet zum aktiven, persönlichen Erleben. Dabei geht es mehr um ein Entdecken als um ein Erklären, um Begegnungen mit und durch Musik. Das sich Einlassen auf Hör-Abenteuer unterschiedlichster Musikstile, das bewusste Wahrnehmen von Klängen und der unmittelbare Austausch mit Musiker*innen sind essenziell, damit der Funke überspringt. Dabei muss es nicht immer bunt und leicht zugehen: Die Klangwelt etwa eines zeitgenössischen Werkes näher zu bringen und dafür die Ohren und Sinne zu öffnen, ist eine wunderbare Herausforderung und eine Herzensaufgabe.

Bereits die Kleinsten geben wertvolle Impulse © Tobias Hase

Sie arbeiten mit verschiedenen Altersgruppen, was kann man von den Kleinsten im Umgang mit Musik lernen?

Kinder sind besondere Zuhörer und mit ihrer oft unmittelbaren Reaktion verlangen sie eine andere Präsenz im Raum und einen gewissen Grad an Improvisation. Bei der Planung von Aktionen für Kinder wird einem einmal mehr bewusst, wie viel Routine in den Proben und Arbeitsabläufen steckt. Diese zu übersetzen und für die Kinder zu entschlüsseln, oder auch mal wieder zu hinterfragen, warum dies und jenes so geschieht, wie es geschieht – dies sind allesamt sehr bereichernde Erfahrungen.

Welche Pläne schweben Ihnen gemeinsam mit dem Gasteig vor?

Worauf wir uns sehr freuen, ist vor allem der Raum und die Ruhe für langfristige Kooperationsprojekte. Mit einem Lab-Symposium wollen wir uns Impulse für visionäre Ansätze erarbeiten. Denn es gibt so viele wichtige Themen, die wir bislang noch nicht in unsere Arbeit integrieren konnten, wie etwa Inklusion und Soziales Engagement, generationsübergreifendes Arbeiten oder Community Music und Community Building. Diese Themen möchten wir gern zusammen angehen.



Mehr Infos unter m-k-o.eu/musikvermittlung
Interview: Maria Zimmerer

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