Neuigkeiten

27.02.2019

Tausende Kinder und der eine Ton

Tausende Kinder und der eine Ton

16 Gasteig-Schauplätze, über 60 Konzerte und an die 10.000 Tickets – am 28. Februar heißt es wieder: »Der Gasteig brummt!« Tausende Kinder und Jugendliche aus ganz Bayern pilgern dann mit ihren Schulklassen und Familien in den Gasteig. Dieser Tag voller Klang und Musik begeistert sein Publikum jetzt schon seit 16 Jahren – längst Zeit, einmal hinter die Kulissen zu blicken!

Um 5:00 Uhr morgens wird an diesem Tag ihr Wecker klingeln: Marie Désarménien von der Gasteig München GmbH, seit sechs Jahren Projektleiterin der Großveranstaltung und seit dem ersten »Gasteig brummt!« im Jahr 2004 dabei. Spätestens um 7:00 Uhr ist sie im Gasteig unterwegs, inspiziert Säle, Garderoben und Bühnen, telefoniert, koordiniert und begrüßt die ersten Künstlerinnen und Künstler. Ihr steht die Veranstaltung bevor, deren Vorbereitung sie ein halbes Jahr in Anspruch genommen hat. »Ich denke natürlich auch das ganze Jahr über nach, sammle Ideen, gehe zu Konzerten und Aufführungen, insofern beschäftigt mich das Projekt im Grunde immer«, sagt Désarménien. »Ich versuche schließlich, immer wieder neue Künstlerinnen und Künstler zu präsentieren, damit es beim ›Gasteig brummt!‹ viele Überraschungen gibt. Von Profis über Studierende der Musik bis hin zum Kinderchor und Klassenaufführungen ist alles dabei.«

Projektleiterin Marie Désarménien

Abgesehen von dem Vorhaben, Kindern Musik nahezubringen, gibt es bei »Der Gasteig brummt!« übrigens kein Motto. Désarménien setzt bewusst auf eine möglichst große Brandbreite an Genres. Der ehemalige Schwerpunkt auf Klassische Musik wurde in den letzten Jahren aufgebrochen, und auch Tanz und Bewegung dürfen nicht fehlen. Neben Klassikern wie dem kleinen Maulwurf – »ein Veteran, der immer erfolgreich ist, weil es den Kindern Spaß macht, die Instrumente selber anzufassen«, so Désarménien – ist in diesem Jahr etwa das Stück des Toihaus Theaters »Du, ein Sandkorn und Ich« aus Salzburg zum ersten Mal mit dabei. Die Veranstalterinnen hatten den »Gasteig brummt!« letztes Jahr besucht und waren von der Veranstaltung so begeistert, dass sie unbedingt mitmachen wollten. Im PIXEL gibt es dieses Jahr Workshops zum Musikmachen mit Apps, und das 125-jährige Jubiläum der Münchner Philharmoniker wird an diesem Tag auch noch einmal gebührend gefeiert.

Viele Orchestermitglieder der Münchner Philharmoniker sind schließlich ebenfalls von Anfang an dabei. Einer von ihnen ist Cellist Manuel von der Nahmer. Neben den bewährten Instrumentendemonstrationen führt er in diesem Jahr ein besonderes Schulprojekt auf: »Schön ist die Welt!« mit der Klasse 2c der Grundschule in der Flurstraße. Im Rahmen eines »Community Music«-Workshops begab sich die Klasse zusammen mit Nahmer, Hornistin Mia Aselmeyer und Yoshi Kinoshita, Kinderchorleiter aus Wolfratshausen, auf eine musikalische Entdeckungsreise zum Thema »Müll«. Seit einigen Jahren schon kommen diese Schulprojekte zur Aufführung. »Der Auftritt beim ›Gasteig brummt!‹ ist für uns jedes Jahr der Höhepunkt des Projekts und ein Wahnsinnserlebnis für die Kinder«, sagt Manuel von der Nahmer. »Sie bekommen zum ersten Mal diese ganze Maschinerie mit, Licht, Ton etc. und so viele neue Eindrücke, dass sie zwar anfangs manchmal Schwierigkeiten haben, sich zu fokussieren, aber bei der Aufführung dann meist viel konzentrierter sind als bei den Aufführungen in der Schule. Im Scheinwerferlicht auf so einer Bühne zu stehen – diese Möglichkeit haben wir in der Schule nicht.« Nahmer verrät außerdem: »Dieses Mal haben wir etwas ganz Besonderes dabei: eine Singende Säge!«

Manuel von der Nahmer

Während Manuel von der Nahmer Stücke aufführt und Instrumente auf der Bühne demonstriert, kann man bei ihr auch selbst ans Instrument: Sophie Sibille, Instrumentenbauerin und seit über zehn Jahren mit einem Stand beim »Gasteig brummt!« vertreten. Sie zeigt den Kindern, wie man in eine Oboe oder Flöte bläst, so, dass am Ende auch ein Ton dabei rauskommt. Denn für Sibille ist es wichtig, den Kindern »ein kleines Erfolgserlebnis zu bescheren«. Als »Dekoration« zwischen den Veranstaltungen seien sie als Instrumentenbauer zuständig für die vielen tausend Kinder, die zwischendurch aufgeregt durch die Gänge rennen, und eben jenen »einen Ton«. Sie sagt: »Natürlich habe ich auch meine Arbeitsmaterialien aus der Werkstatt aufgestellt, eine auseinander genommene Instrumentenmechanik, ein bisschen Werkzeug, Schalen mit Öl etc. Aber das genauer zu erklären, dafür fehlt meist die Zeit. Den ganzen Tag sind wir damit beschäftigt, den Kindern diesen einen Ton zu entlocken. Nonstop und ohne Mittagpause. Das schönste Ereignis ist für mich, wenn ein Kind, das sich anfangs vielleicht etwas schwer tut, so fasziniert ist von dem Instrument, dass es nach harter Arbeit dann endlich mit einem Ton klappt. Es ist für mich das Höchste, weil es für das Kind das Höchste ist.«

Auch Marie Désarménien ist von den Reaktionen der Kinder an diesem Tag immer wieder begeistert: »Mich berührt es immer, wenn ich sehe, wie die Kinder sich von den Musikerinnen und Musikern hineinziehen lassen und ihre Gefühle zeigen, glänzende Augen bekommen, mitfiebern und voll dabei sind. Auch die positiven Rückmeldungen von Eltern und Familien sind wichtig für mich. Neben der Qualität der Veranstaltungen und deren Vielfalt, wird oft gelobt, dass der Eintritt so wenig kostet und man auch mit mehreren Kindern kommen kann ohne ein Vermögen auszugeben.«

Sophie Sibille bei der Arbeit in ihrer Werkstatt

Das Schönste an diesem Tag – darin sind sich alle einig – sind die Ströme an Kindern, die morgens aus der S-Bahn in den Gasteig fluten. »Dass sie alle wegen der Musik in den Gasteig kommen … da weiß man, wofür man das macht«, so von der Nahmer. »Neben der Tatsache, dass es uns erwachsenen Musikern ja auch einfach unglaublich Spaß macht! Ich habe noch nie Probleme gehabt, Mitstreiter für meine Programme zu finden.« Auch Marie Désarménien schwärmt: »Es ist sehr laut, sehr bunt, sehr fröhlich!« Und auch Sophie Sibille weiß, wofür sich die Anstrengung lohnt: »Ich denke mir jedes Mal in der Früh: Das wird anstrengend! Und jedes Mal gehe ich am Abend glücklich und zufrieden und fix und fertig nach Hause.« Und wie sieht der Tag danach aus? »Ich bin in der Regel sehr müde, komme später als sonst ins Büro und schreibe eine Dankes-Email an alle, die jedes Jahr so toll mitmachen«, sagt Marie Désarménien. Lange Zeit zum Verschnaufen bleibt ihr allerdings nicht, denn für sie gilt: »Nach ›Gasteig brummt!‹ ist vor ›Gasteig brummt!‹«.

Wer aber nicht bis zum »Gasteig brummt!« 2020 warten will und dieses Jahr keine Karten mehr bekommen hat, soll sich nicht entmutigen lassen: Am Tag selbst gibt es für einzelne Veranstaltungen immer noch Restkarten. Zudem gibt es Konzerte ohne Kartenreservierung in den Foyers und natürlich die zahlreichen Instrumentenbauer-Stände von Sibille und ihren Kollegen.

Zum vollständigen Programm von »Der Gasteig brummt!« geht es hier.



Interviews/Text: Judith Ludwig
Fotos: Gasteig München GmbH/Andreas Merz (Foto Header) / Konstanze Heininger (Foto Marie Désarménien) / Florian Emanuel Schwarz (Foto Manuel von der Nahmer) / Sophie Sibille (Foto Sophie Sibille)

zurück zur Übersicht