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11.03.2021

Kunst und Krise. Wie geht es Kreativen im Lockdown? Folge 3

Kunst und Krise. Wie geht es Kreativen im Lockdown? Folge 3 Singt auch ohne Live-Publikum in der Philharmonie: Cornelia Lanz beim Traditionskonzert im Gasteig Benedikt Feiten/GMG

Der erste Live-Moment nach monatelangem Lockdown wird sicher ein intensives und unvergessliches Erlebnis. Ungewiss bleibt, wann es soweit ist. Aber nach wie vor sind wir trotz der Live-Pause mit vielen Kreativen eng verbunden und möchten ihnen gerade während des Lockdowns Gehör schenken. Hier erzählen sie über momentane Zustände, Sehnsüchte und Pläne.

»Kultur ist glücksrelevant! Ich wünsche mir, dass die Politik unsere Kraft spürt und der Kultur durch die Krise hilft, vor allem auch auf kommunaler Ebene.«

Cornelia Lanz ist Gesangssolistin und leitet seit Oktober 2020 das Kulturamt der Stadt Lahr. Ein unvergessliches Gasteig-Erlebnis für die Sängerin war das traditionelle Weihnachtskonzert an Heiligabend in der pandemiebedingten leeren Philharmonie.

Wie geht es Ihnen?
Im März letzten Jahres, als von 17 Passions- und Osterkonzerten keines mehr übrigblieb, habe ich mich auf eine neue Stelle beworben: die Kulturamtsleitung in Lahr im Schwarzwald. Seit Oktober sind wir hier und ich freue mich, mit einem tollen Team und gutem Budget die Kultur mit dieser schönen Stadt zu gestalten und dabei sogar »mein erstes Theater zu leiten«. Für den Sommer 2021 habe ich ein Artist in Residence-Programm in einer Villa im Stadtpark erdacht, bei dem ich mich gerade austobe und verschiedenste Künstler*innen und Sparten vernetze: Miniopern, Alphornbauworkshops, Obertonsingen und inklusives Ballett ...

Wonach sehnen Sie sich?
Nach großen romantischen Opernaufführungen mit vielen Menschen zusammen, SINGEN, Essen gehen mit Freunden, SINGEN, Kurztrips nach Frankreich, SINGEN, Gesprächen ohne Maske, SINGEN, mein Team lachen zu sehen, SINGEN, Umarmungen, SINGEN, Begegnungen und dass mein kleiner Sohn seine Großeltern  bald wieder sehen kann!

Gesangssolistin Cornelia Lanz
© Wilhelm Betz

Was bedrückt Sie?
Ich finde es sehr beängstigend, wie  Corona uns auseinanderrückt. Wir sind gezwungen, in unseren Blasen zu bleiben. Als viele Geflüchtete zu uns kamen, habe  ich stets an interkulturellen Begegnungen gearbeitet. Ich bin überzeugt, dass Kultur Menschen jenseits von Sprache und Religion verbindet. Das fällt nun einfach weg und Verschwörungstheorien, Falsch- und Halbwissen sowie Rechtsruck blühen.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?
Gerne würde ich mir einige Rollenträume erfüllen. Ansonsten bin ich gerade sehr glücklich, an der neuen Stelle mit der Stadt Kultur zu schaffen und zu prägen. Wir  wollen transkulturell, inklusiv und mit viel Jugendeinbindung arbeiten. Visionen  sind große Bürgeropern, Kultur in Ortsteilen und dass jedes Kind der Stadt Lahr einmal im Jahr ins Theater und ins Museum geht.

»Kultur ist nicht Ornament, sondern Fundament,
auf dem unsere Gesellschaft steht.«


Zur Homepage der Künstlerin www.cornelia-lanz.com
Weitere Stimmen aus dem Lockdown finden Sie hier und dort.
Interview/Text: Maria Zimmerer

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