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20.06.2022

Gipfelstürmer

Gipfelstürmer Mit dem Cello auf den Berg: Das Expeditionsteam des Bergfilms »Parasol Peak« Parasol Peak

Die Bergwelt ist faszinierend und gefährlich, berauschend und beängstigend. Bepackt mit Instrumenten, Aufnahmegeräten und Kameras machten sich einige Musiker*innen auf den Weg ins Gebirge, um dort gemeinsam zu musizieren. Herausgekommen sind drei unterschiedliche Berg- und Musikfilme, die alle auf dem Alpenrausch Festival im Gasteig HP8 gezeigt werden.

Dialekt-Experimentalfilm »Piz Regolith«

Experimenteller Bilderrausch: Der Film »Piz Regolith«  © Yannick Mosimann

Der Berner Filmemacher Yannick Mosimann und das Ensemble Jütz begeben sich in ihrem Dialekt-Experimentalfilm »Piz Regolith« in entlegene Bergdörfer, um die Klänge alpiner Dialekte zu erforschen und diesen musikalisch zu begegnen. »Die Bergwelt ist eine komplexe Emotion: ein im ersten Moment von lieblicher Anmut gezierter Kosmos, der diejenigen, die ihm nicht achtsam gegenübertreten, im nächsten Moment zu verschlingen vermag«, sagt Philipp Moll vom österreichisch-schweizerischen Trio Jütz.

„Unser Film ist ein postmoderner Bergrausch, da herrscht
akute Schwindelgefahr. Wir empfehlen ein Stamperl
Schnaps davor. Betreten auf eigene Gefahr.“
Philipp Moll, Jütz

Der 20-minütige »Piz Regolith« ist ein alpines Roadmovie, bei dem die Dialektfetzen den Rhythmus vorgeben und sich als klangliches Echo durch die poetischen Bergbilder ziehen: Die Alpen bei Sonnenaufgang, ewige Weite, saftige Wiesen, aber auch Touristenmassen auf der Alm. Bei genauerem Hinsehen hat der Schneefleck eine absurde Form und der Kontrabass fährt allein mit der Materialseilbahn durch die Landschaft. Das Läuten der Kuhglocken begleitet Akkordeon- und Trompetenklänge. Oder umgekehrt? In ihrer Live-Konzert-Performance am Gasteig HP8 improvisieren Regisseur Yannick Mosimann, die Band Jütz
und VJ Timon Christen mit Material aus dem Film.

Musik-Expedition »Parasol Peak«

Musizieren im Film an besonderen Orten: Manu Delago mit Ensemble © Parasol Peak

Als ebenso experimentierfreudig erweisensich der österreichische Perkussionist Manu Delago und sein siebenköpfiges Instrumentalensemble: Zusammen mit Regisseur Johannes Aitzetmüller begaben sich die Musiker*innen auf eine Expedition durch die Tiroler Alpen. In verschiedenen Höhenlagen nahmen sie insgesamt acht Musikstücke auf, die sich in »Parasol Peak« zu einem Gesamtkunstwerk aus Berg- und Musikfilm zusammenfügen. Neben den Streich- und Blasinstrumenten werden auch Wasser, Steine und Kletterausrüstung zu Musik. »Akustische Instrumente bestehen seit tausenden von Jahren, und die natürliche Umgebung war für mich eine Möglichkeit, perkussive Soundquellen in die Musik einfließen zu lassen«, erzählt Delago. Besonders berauschend: Der vielseitige und unverwechselbare Klang des Instruments Hang, gespielt von Delago selbst. Beim Alpenrausch wird der Film gezeigt und Manu Delago tritt mit Ensemble auf.
 

Musikalische Barfuß-Wanderung »Auf Tour Z'Fuaß«

Barfuß auf Konzerttour: Mattias Schriefl und
Johannes Bär © Peter Tümmers

Als im Corona-Sommer 2020 alle Konzerte abgesagt wurden, verwirklichten die beiden Jazzmusiker Mattias Schriefl und Johannes Bär einen lange gehegten Traum: Zu Fuß von Andelsbuch, dem Geburtsort des einen im Bregenzer Wald, nach Maria Rain, dem Geburtsort des anderen im Oberallgäu, durch die Landschaften der Vorarlberger und Allgäuer Alpen. Acht Tage lang legten sie ca. 8.000 Höhenmeter mit 55 kg Instrumenten in zwei Rucksäcken zurück. Begleitet wurden die beiden Musiker von einem Filmteam um Regisseur Walter Steffen und Michael Baumberger, die ihre abenteuerlich-verrückte Konzerttour filmisch festhielten. »Auf Tour Z'Fuaß« ist eine musikalische Barfuß-Wanderung, bei der das klassische Händel-Stück zum Rock’n’Roll mutiert und ein Jodler zum Grooven gebracht wird. Die Musiker spielen beim Alpenrausch und zeigen ihren Film. Mehr zum Alpenrausch-Programm auf gasteig.de/alpenrausch

Text: Anna Steinbauer

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