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14.10.2016

Der Pförtner vom Gasteig: »Bei mir muss sich immer was rühren!«

Der Pförtner vom Gasteig: »Bei mir muss sich immer was rühren!«

Im orangen Gasteig-Winkel: Gasteig-Urgestein August Kreikenbaum

 

 

Als August Kreikenbaum vor vielen, vielen Jahren im Gasteig angefangen hat, war die Philharmonie noch im Rohbau. Nach so langer Zeit, zuerst als Streifenmann und später als Pförtner, kennt er das Haus und seine Leute wie kaum ein anderer. Für jeden, der bei ihm an der Pforte der Glashalle vorbeikommt, hat Kreikenbaum ein fröhliches »Grüß Gott« oder »Guten Morgen« auf den Lippen. Von Morgenmuffel keine Spur. »Ich brauche das Leben hier im Gasteig. Bei mir muss sich immer was rühren, daher macht mir diese Arbeit immer noch großen Spaß.«

Ein Gespräch mit August Kreikenbaum klappt nur mit Unterbrechungen – verständlich, denn er organisiert die Schlüsselausgabe, vergibt Parkausweise, bewahrt Fundstücke, lässt Schranken öffnen, zeigt Besuchern den Weg zu den richtigen Räumen oder behält den Durchblick bei der Übezimmer-Vergabe der Studenten der Hochschule für Musik und Theater München. »Servus, ich bin fertig, Zimmer 34 im 2. Stock ist frei!«, »Wann ist das nächste mit Flügel frei?«, »Nur kurz: Bis drei Uhr können Sie mein Dozentenzimmer vergeben!« Im Minutentakt halten August Kreikenbaum »seine Studenten« auf Trab. Manchmal muss er auch ein ernstes Wörtchen sprechen, denn wenn sich der eine oder andere »Pappenheimer« nach dem Üben nicht ordentlich abmeldet, versursacht er beim Pförtner ein Chaos und andere Studenten, die auch üben wollen, stehen Schlange.

Zu Tränen gerührt war unser Pförtner an seinem 80. Geburtstag in der vergangenen Saison. Viele Gasteig-Beschäftigte haben auf einer großen Geburtstagskarte unterschrieben und »seine Studenten« haben August Kreikenbaum mit einem Live-Ständchen gratuliert. Auch wenn er sonst über alles im Haus Bescheid weiß, diese kleine Feier hat ihn vollkommen überrascht. Verdientermaßen, denn Kreikenbaum ist immer voller Herz, Hirn und Humor für das Haus im Einsatz. Ob er jemals verschlafen hat? »Nein, bloß nicht! Jeden Tag klingelt der Wecker um 5 Uhr, und nach einem gemütlichen Frühstück mit Kaffee, einem Wurst- und vielleicht noch einem Honigbrot komme ich ein paar Minuten früher zum Dienst. Ich kann doch meine Damen draußen vor der Türe nicht frieren lassen!«

 

Früher hatte August Kreikenbaum mehr mit Zügen als mit Menschen zu tun: Als Eisenbahner war er in Laim am Rangierbahnhof tätig und nebenbei immer mal wieder für den Veranstaltungsdienst Paul Mayr im Einsatz. Als er dann mit 65 Jahren bei der Bahn in Rente ging, hat die Firma Mayr zugeschnappt und Kreikenbaum offiziell eingestellt. Zum Glück für den Gasteig! Und was wünscht der 80-Jährige dem Gasteig zum 30. Jubiläum? »Dass ich lange gesund bleibe, damit ich Euch treu sein kann. Solange ich fit bin und mein Kopf herhält, solange bleibe ich noch hier im Gasteig!«

Das freut uns natürlich sehr! Wir wünschen unserem Pförtner noch viele schöne Stunden im Gasteig oder zuhause auf der Couch (seinem Lieblingsplatz) mit der Familie, den vielen Enkeln und Urenkeln. Wer Herrn Kreikenbaum sucht, der findet ihn direkt hinter dem Haupteingang des Gasteig, in der Glashalle, links in seinem 12 qm großen Revier.

Text: Maria Zimmerer
Fotos © Gasteig München GmbH / Andreas Merz

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