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08.04.2020

Besondere Zeiten: 3 Fragen an 3 Gasteig-Menschen

Besondere Zeiten: 3 Fragen an 3 Gasteig-Menschen Auch Max Wagner, Geschäftsführer der Gasteig München GmbH, arbeitet derzeit von zu Hause aus.

Der Gasteig ist derzeit gespenstisch leer – ohne seine Gäste und ohne die meisten Bewohner/innen. Fast alle Menschen, die normalerweise im Gasteig arbeiten, sind jetzt im Home-Office über München und viele andere Orte verteilt. Wie geht es unseren Kolleg(inn)en, Nachbar(inne)n und Freund(inn)en, die wir jeden Tag ein bisschen mehr vermissen? Jetzt wird nachgefragt.

Judith Stumptner, Leiterin des Direktionsstabs Programm und Öffentlichkeitsarbeit der Münchner Stadtbibliothek

Was ist für Sie gerade die größte Herausforderung?
Ich habe erst zum 1. März angefangen, bei der Münchner Stadtbibliothek zu arbeiten. Den Beginn hatte ich mir natürlich anders vorgestellt: in Ruhe einarbeiten, alle kennenlernen, sich einen Überblick verschaffen, bevor es richtig losgeht. Aber plötzlich ist alles anders und gerade die Kommunikationsarbeit nach außen und innen, die Aufgabe meines neuen Teams ist, muss sofort funktionieren. Die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, das war die größte Herausforderung in den ersten Tagen. In der nächsten Zeit wird es eher darum gehen, das Team trotz Distanz zusammenzuhalten, die Ideen, die entstehen, aufzunehmen und zu schauen, dass die Arbeiten gut verteilt sind.

Haben Sie schon etwas Positives aus der Situation gelernt?
Nach dem ersten Schreck über die neue Arbeitssituation zeigt sich, es geht tatsächlich auch so – mit noch geringen Kenntnissen der Struktur, aber einem großartigen Team, aus der Ferne, aber durch eine erste, selbstgeschaffene Routine auch im Home-Office miteinander verbunden. Und mit den anderen Umständen gehen auch andere Ideen einher, die gerade in der aktuellen Situation wertvoll sind. Das macht Mut, weckt die Neugier, setzt trotz allem auch neue Energie frei.

Mögen Sie einen Kultur-Tipp für Zuhause verraten?
Eine tolle Initiative finde ich tatsächlich das »Zuhause Festival«. Hier haben sich die Macher vom Impact Hub Munich mit Münchner Kreativen zusammengeschlossen, um ihre Kunst von zuhause in das Zuhause ihrer Fans zu streamen. Das Programm wächst beständig weiter, auf der Festival-Seite gibt es mit Sicherheit in den nächsten Tagen Schätze zu entdecken.



Stephan Haack, stellvertretender Solocellist der Münchner Philharmoniker

Was halten Sie momentan für die größte Herausforderung?
Im Moment ist es meiner Meinung nach sehr, sehr wichtig, in dieser für uns alle furchtbaren und so ungewissen Situation die Ruhe zu bewahren, Anordnungen zu folgen und trotzdem positiv in die Zukunft zu denken und sich nicht herunterziehen zu lassen. Wir wissen alle nicht, wie lange es noch dauert, aber ich freue mich schon darauf, dann hoffentlich bald wieder in mein »Gasteig-Wohnzimmer« zu dürfen.

Können Sie der Situation auch irgendetwas Positives abgewinnen?
Als positiv empfinde ich, dass es uns Philharmonikern in dieser Notlage sehr gut geht: Wir bekommen weiter unser Gehalt und dafür müssen wir der Landeshauptstadt unglaublich dankbar sein! Daher haben wir beschlossen, den freischaffenden Musikern, die im Moment mit null Einnahmen rechnen müssen, über die DOV (Deutsche Orchestervereinigung) zu helfen und zu spenden. Auch sind wir gebeten worden, in einzelnen im Moment weit unterbesetzten Referaten der Landeshauptstadt auszuhelfen und hilfesuchende Bürger zu unterstützen. Zu dieser Arbeit haben sich viele Kollegen gemeldet, was ich als ausgesprochen positiv betrachte. Auch bin ich zuhause wesentlich mehr am Telefon als sonst, um mich mit der Verwandtschaft und Freunden auszutauschen .

Mit welchen schönen Dingen vertreiben Sie sich gerade die Zeit?
Ich bin niemand, der jetzt ständig alte Aufnahmen anhört oder anschaut, um mir mit Musik die Zeit zu vertreiben. Aber dann freue ich mich natürlich trotzdem, wie letzten Sonntag, ein Konzert von uns aus Barcelona mit Gustavo Dudamel mit der 2. Mahler Sinfonie auf ARTE anzuschauen!
Selbstverständlich übe ich zuhause, um weiter fit zu bleiben und unterrichte ab und zu über Skype oder FaceTime. Da ich gerne Sport mache und mein Fitnesscenter geschlossen ist, versuche ich bei dem schönen Wetter raus zu gehen – natürlich mit Abstand (!!) – Fahrrad zu fahren und im Garten zu arbeiten, um mich auch körperlich fit zu halten.



Max Wagner, Geschäftsführer der Gasteig München GmbH

Worin liegt aktuell die größte Herausforderung?
Mir ist wichtig, dass wir alle im Gasteig weiter gut in Kontakt bleiben. Das ist gar nicht so leicht, wenn fast alle im Home-Office sind und im Notbetrieb im Gebäudemanagement nur noch kleine und getrennte Teams unterwegs sind. Die Telefon- und Videokonferenzen helfen schon und ich freue mich, wenn wir bald unser Intranet auch von externen Geräten zugänglich machen.

Schon etwas Positives aus der Situation mitgenommen?
Man merkt wieder, was wirklich wichtig ist. Die Familie, Freunde, zwischenmenschliche Beziehungen überhaupt. So oft wie in der letzten Woche habe ich lange nicht mehr telefoniert.

Wie kommt ausreichend Kultur ins Zuhause?
Gerade ist noch nicht so viel Zeit dafür, weil ich meist abends todmüde ins Bett falle. Ich freue mich, dass ich mal wieder zum Lesen komme, gerade ein Buch über die Philosophie von Alfred Adler. Philosophie passt sowieso gut in diese Zeit, in der man wieder mehr über den Sinn des Lebens nachdenkt.

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