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09.04.2018

»Viele von uns sind auch Leistungssportler«

»Viele von uns sind auch Leistungssportler« Jossof und Shah Mahmoud Jakobi

23.000 Quadratmeter Glas reinigen sie zweimal jährlich im Gasteig – die Gebäudereiniger Shah Mahmoud und Jossof Jakobi im Gespräch.

Im Frühling und Herbst kann man sie am Gasteig in luftiger Höhe entdecken: Der Gebäudereiniger Shah Mahmoud Jakobi und sein Sohn Jossof kommen dann zusammen mit ihrem Team zur Glasreinigung und sind rund drei Wochen mit dem Gebäude beschäftigt. Mit fünf bis sechs Mitarbeitern täglich bringen sie Innen- und Außenfenster, Rahmen und Fensterbretter wieder zum Strahlen.

Seit wann arbeiten Sie beide zusammen?
Shah Mahmoud Jakobi: Seit 1997 bin ich jetzt bei der Firma Greitner als Gebäudereiniger. Es hat mir von Anfang an Spaß gemacht und ich bin dabei geblieben. Mein Sohn Jossof kam vor sieben Jahren dazu.
Jossof Jakobi: Plus zwei weitere meiner Brüder, die unser Team verstärken! Wir sind insgesamt eine sehr junge Truppe, deswegen bin ich sehr gerne dabei. Die Ausbildung hatte ich bei einer anderen Firma absolviert und bin dann zu meinem Vater gewechselt.

Ich nehme an, Sie sind schwindelfrei …
Shah Mahmoud Jakobi: Ja, das sind wir! Wir haben ein großes Team mit etwa 50 bis 60 Mitarbeitern, von denen wir für die Außenreinigung natürlich nur Leute nehmen, die keine Angst vor Höhe haben.
Jossof Jakobi: Jemandem mit Höhenangst kann man die Arbeit natürlich nicht zumuten. Die meisten Kollegen in der Gebäudereinigung sind aber auch schwindelfrei. Wir haben ein eingespieltes Team, aus dem wir – wenn möglich – auch für die gleichen Gebäude immer die gleichen Kollegen nehmen. So gibt es immer jemanden, der sich bereits auskennt.

Der Gasteig ist sehr verwinkelt. Ist das Gebäude komplizierter als andere?
Jossof Jakobi: Es ist kein einfaches Gebäude, aber man kann sich daran gewöhnen. Vor allem auf die Fensterbretter und -rahmen außen wird hier sehr viel Wert gelegt. Das ist auch richtig so, weil sich da im Vergleich zu anderen Objekten überdurchschnittlich schnell und viel Staub drauflegt. Jetzt im zweiten Jahr, in dem wir hier sind, wussten wir das schon und sind gut vorbereitet.

Wir sind also schneller verstaubt als andere? Woran liegt das?
Shah Mahmoud Jakobi: Höhere Gebäude wie der Gasteig, die an so viel befahrenen Straßen wie der Rosenheimer oder der Inneren Wiener Straße liegen, ziehen viel Staub an. Zudem sieht man diesen auf den dunklen Eloxalflächen, die hier zum Glas noch dazukommen, besser als auf anderen Materialien.

Wie bereiten Sie sich generell auf so ein Gebäude vor?
Shah Mahmoud Jakobi: Hier im Gasteig hatten wir eine Begehung im Vorfeld. Die Mitarbeiter des Gebäudemanagements haben uns alles gezeigt, damit wir wissen, wo wir uns speziell sichern und angurten müssen, wo es Gefahren geben kann. Speziell für die Glasreinigung war das wichtig, wir waren aber schon im letzten Jahr hier zu anderen Reinigungen, das Gebäude war uns also schon bekannt. Im Vorhinein muss außerdem vom Auftraggeber bestätigt werden, dass etwa Glasdächer wie auch hier für uns begehbar sind. Und dann gibt es einige wenige Stellen, an die wir nicht rankommen, da kommen dann Industriekletterer zum Einsatz. Die haben eine spezielle Ausbildung und können sich beispielsweise in Innenhöfe abseilen, in denen wir keinen Platz für unsere Hebebühnen und Steiger beziehungsweise Gondeln finden. Da wird dann vom Dach aus geklettert. Die sind dann nicht so schnell im Fensterputzen wie wir – aber natürlich gute Kletterer.

Apropos Klettern, haben Sie manchmal Muskelkater?
Jossof Jakobi: Am Anfang ja, mittlerweile nicht mehr. Unserer Truppe ist speziell, wir sind besonders schnell und fit, weil wir so ein junges Team sind. Das sieht man nicht überall. Viele von uns sind auch Leistungssportler, spielen Fußball und machen Krafttraining. Dementsprechend setzen wir auch sehr viel Dynamik und Leistung in
unseren Job, das ist schon überdurchschnittlich. Außerdem muss man beweglich sein … Man muss ein Talent haben für den Job.

Gibt es ungünstige Wetterbedingungen?
Shah Mahmoud Jakobi: Generell arbeiten wir bei jedem Wetter, egal ob Sonne, Regen oder Nebel. Ab einer bestimmten Windstärke können wir allerdings nicht mehr arbeiten, da kann es auf dem Steiger gefährlich werden. Vor allem aber bei der Arbeit in den Gondeln muss es relativ windstill sein, und es darf keinen starken Regen geben. Da sind dann Tage gut, an denen es extrem warm ist. Und über den Winter gibt es grundsätzlich weniger Aufträge.
Jossof Jakobi: Wenn die Sonne scheint, trocknet natürlich alles schneller, aber zum Arbeiten ist es für uns wiederum angenehmer, wenn es nicht zu heiß ist. Aber auch diesen Winter waren wir schon unterwegs, das Wetter spielt also keine allzu große Rolle.

Und ungünstige Arbeitszeiten?
Shah Mahmoud Jakobi: Manchmal gibt es natürlich Bereiche, in die man nur zu bestimmten Uhrzeiten kann, weil man beispielsweise eine wichtige Besprechung stören würde. Danach richten wir uns natürlich. An so großen Objekten bleiben wir aber ohnehin eine längere Zeit, da kann man sich die Abschnitte problemlos einteilen.

Ergeben sich manchmal auch skurrile Begebenheiten oder Gespräche?
Jossof Jakobi: Sehr oft, ja. Vor allem in Altersheimen, die älteren Damen und Herren interessieren sich für unsere Arbeit und unterhalten sich gerne mit uns.

Also keine einsame Arbeit …
Jossof Jakobi: Nein, man kommt ins Gespräch. Natürlich muss man seine Arbeit machen, aber wenn jemand Fragen hat, antworten wir natürlich gerne. Auch hier im Gasteig hatten wir wieder viele Passanten, die uns ansprachen. Es geht vor allem meist um das Reinigungsmittel. Da haben wir übrigens ein Geheimnis: Pril! … Gut, es ist kein großes Geheimnis, aber Spülmittel ist sehr gut. Es gibt auch Fachreiniger, aber mit Spülmittel glänzen die Fenster einfach wunderbar und sind schmierfrei.

Im Gasteig haben Sie rund 23.000 Quadratmeter Glas plus 1.500 Quadratmeter Eloxalflächen gereinigt. Wie viele Flaschen Pril sind das?
Jossof Jakobi: Der Verbrauch ist gar nicht so hoch, das wird hier in etwa ein Karton mit ca. 12 Litern gewesen sein.

Haben Sie ein Lieblings- bzw. Traumgebäude, an dem Sie gerne einmal wären?
Jossof Jakobi: Hier in München das O2-Gebäude, das mit ca. 42 Etagen schon sehr hoch und rundum verglast ist. Und in der ganzen Welt? Vielleicht das berühmte Hotel in Dubai. Die sind dort jeden Tag allein mit den Fenstern beschäftigt, und es gibt ab und an Wünsche einzelner Gäste, die ihr Fenster gereinigt haben wollen. Da ist immer jemand unterwegs.

Und wohin geht es jetzt nach dem Gasteig?
Shah Mahmoud Jakobi: Jetzt geht es an die TU München, danach zum Münchner Erzbischofshof, dann kommt eine Klinik …

… und zuhause? Haben Sie da noch Lust, Fenster zu putzen?
Shah Mahmoud Jakobi: Naja, so einmal im Jahr, wie die meisten wahrscheinlich.


Interview: Judith Ludwig
Fotos: Judith Ludwig, Steffen Prill

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