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18.06.2021

»Hier kann man Kunst neu denken!« – die Gasteig-Nachbarschaft im HP8

»Hier kann man Kunst neu denken!« – die Gasteig-Nachbarschaft im HP8 Ramon Wegner (links) und Rene Decker sind Coat’n Cast. Als eingespieltes Duo folieren sie Taxis, Flugzeuge oder Kunst – und manches mehr. Andrea Plücke/Gasteig München GmbH

Bei jedem Besuch überrascht das Interimsgelände HP8 mit neuen Facetten. Sonnenlicht lässt die Isarphilharmonie silbrig glänzen, neben Baukränen wachsen weitere Gebäude in den Himmel. Langsam sind wir vertraut mit dem noch unbekannten Areal in Flaucher-Nähe, in das der Gasteig ab Oktober umzieht. Nachbarschafts-Begegnungen zwischen Kühlerhauben und Studiobühne.

Kreativ bis unter die Haut: Coat’n Cast

Arg warm ist es in der Fahrzeughalle von Coat’n Cast. Während Rene zwischen den Rädern werkelt, fönt Ramon ein letztes Stück Folie aufs Auto. Ob Einhorn auf der Motorhaube oder Kinofilm-Werbung auf dem Helikopter – das Duo von Coat’n Cast lässt sich in seiner Kreativität nicht begrenzen.

Was braucht Ihr für Eure Arbeit?

Eigentlich nicht viel, einen Heißluftfön, ein Rakel zum Glattstreichen der Folien und ein Cuttermesser zum Schneiden; vielleicht noch ein Verlängerungskabel. Drinnen zu arbeiten ist vorteilhaft, um Staub und Schmutz zu vermeiden. Und Temperaturen um die 20 Grad sind angemessen, um die hochwertigen Folien zu verarbeiten.

Folierkunst für die Künstlerin Carolina Kreusch, die auch im HP8 ihr Atelier hat. © Ramon Wegner

Welches Folierwerk ist in Euren Augen besonders gelungen?

Ein Rennwagen im Alligatordesign von uns steht zum Beispiel im Audi-Museum in Ingolstadt. Aber wir folieren auch Boote, Flugzeuge, Tattoostudios – Bühnenbilder können wir auch. Immer öfter arbeiten wir in letzter Zeit mit Künstler*innen zusammen.

Welche Hoffnungen verknüpft Ihr mit dem Einzug des Gasteig?

Ramon: Wir waren 20 Jahre lang als Unternehmer total isoliert auf diesem Gelände und mussten uns alles ohne Laufkundschaft erarbeiten. Durch das Öffnen des Geländes hoffe ich auf viele neue Möglichkeiten und neue Leute. Ich mag es gerne gemischt und habe schon Stammtische veranstaltet, bei denen Bänker neben Tätowierern oder Rohrreinigern sitzen. Es ist immer lustig, unterschiedliche Leute zusammenzubringen. Rene: Ich hoffe auf gute Musik!

Welches Konzert würde Euch in die Isarphilharmonie locken?

Rene: Rammstein! Oder gerne auch Klassik, »Flying Bach« mit Breakdance in der Philharmonie im Gasteig war super. Ramon: Ich finde Menschen, die auf hohem Niveau Geige spielen, sehr interessant. Selbst kann ich zwar Autos komplett in alle Einzelteile zerlegen und wieder zusammenbauen, aber ein bisserl schade ist es doch, dass ich Geige nie gelernt habe. 



Sprungbrett auf die Bühnen: die Artemis Schauspielschule München

Wer bereits im Berufsleben steckt, den Traum von der Schauspielerei aber weiter verfolgt, kann sich bei Artemis berufsbegleitend ausbilden lassen. Für Amateure wie Profis bietet die Schauspielschule im HP8 Seminare, Fortbildungen oder Theaterprojekte an. Paul Brusa, künstlerischer Leiter der Münchner Zentrale blickt vom Studio aus direkt auf die Isarphilharmonie und mehrere Baukräne.

Träumt von gemeinsamen Projekten mit dem
Gasteig: Paul Brusa, künstlerischer Leiter
der Münchner Artemis Schauspielschule

Paul Brusa, warum schmunzeln Sie so?

Es ist für mich gerade ganz witzig aus dem Fenster auf die Gasteig-Baustelle zu schauen: Ich habe früher als Bürokaufmann Baukräne vermietet und weiß genau, warum die Baukräne da stehen und welche Höhe sie haben.

Wie sind Sie hier bei der Artemis Schauspielschule gelandet?

Ich habe in Linz Schauspiel studiert, war lange Zeit an verschiedenen Theatern engagiert und habe letztes Jahr ein intensives Artemis-Sommercamp geleitet. Zwei Wochen wird hier jeden Tag Theater gespielt, in einem abgesteckten Zeitraum verausgabt man sich völlig, das war wunderbar. Als dann ein künstlerischer Leiter gesucht wurde, habe ich ganz frech gesagt: Ich mach‘s!

Der Gasteig bringt bald etliche neue Bühnen in Ihre unmittelbare Nähe. Wie blicken Sie in die gemeinsame Zukunft?

Als Fan vom Gasteig finde ich es großartig, dass dieser Ort zugänglich gemacht wird, mehr Aufmerksamkeit bekommt und ein Ort der Kultur für alle wird. Bisher hat man sich nur hier aufgehalten, wenn man was zu tun hatte. Aber bald werden die Leute bestimmt rumflanieren und sich von den Angeboten hier inspirieren lassen. Da wir alle nur einen Katzensprung voneinander entfernt agieren, wird es sicher in irgendeiner Form befruchtend sein.

Haben Sie schon eine Idee?

Wenn man Prozesse in Frage stellt und neue Kooperationen eingeht, entstehen oft tolle Sachen. Man kann gegenseitige Impulse nutzen, die Wege hier sind kurz, da kann man einfach mal loslegen, ausprobieren und etwas Spartenübergreifendes zusammen machen. Als Regisseur hat man ja oft Begrenzungen. Aber hier auf dem Areal habe ich das Gefühl, man kann erstmal unbegrenzt träumen und Kunst gemeinsam völlig neu denken!




Text/Interviews: Maria Zimmerer
Fotos: Andrea Plücke

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