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20.02.2020

»Es ist irre, was hier alles passiert!« Gedanken einer Kuratorin

»Es ist irre, was hier alles passiert!« Gedanken einer Kuratorin RischArt-Kuratorin Katharina Keller Katharina Keller

Kuratorin Katharina Keller ist zur Vorbereitung der 15. RischArt-Ausstellung »JAJA NEINNEIN VIELLEICHT« etliche Male mit dem Zollstock in der Tasche durch den Gasteig gelaufen, um ein Gespür für den Ort sowie Impulse für die künstlerische Auseinandersetzung mit dem zentralen Thema »Kommunikation« zu bekommen.

»Ich habe noch nie so viel mit den Künstlerinnen und Künstlern geredet wie bei diesem Projekt!«, reflektiert Keller die vergangenen Monate mit Amüsement und stets einem klaren Ziel vor Augen: »Ich möchte immer das Allerbeste aus der Künstlerin/dem Künstler rausholen und eine Arbeit finden, bei der ich mir vorstellen kann, dass viele Menschen davon berührt werden. Ich finde, dass Kunst den Anspruch haben soll, alle Menschen daran partizipieren zu lassen.«

In München aufgewachsen, immer umgeben von Kunst und Kunstschaffenden, half Katharina Keller schon als Kind bei Vernissagen in den Galerien ihrer Eltern. 1983, als Rischart-Senior zum 100-Jährigen Bestehen der Münchner Traditionsbäckerei Kunstprojekte ins Leben rufen wollte, um seine Leidenschaft mit den Münchnern zu teilen, stieg Keller in die RischArt-Projekte ein.

Kunstprojekt von Alicia Framis

In den vergangenen Jahren hat RischArt schon einige Münchner Orte verwandelt: So wurde aus der Fußgängerzone ein begehbares Atelier voller Straßenmaler oder der Alte Botanische Garten zum Märchen-Park. Menschen am Hauptbahnhof haben der Kunst wegen sogar freiwillig Züge verpasst. Kunstprojekte im öffentlichen Raum schätzt Katharina Keller besonders, da »anders als im Museum die Menschen ganz spontan sind: Sie setzen nichts voraus, sondern reagieren aus dem Herzen oder Bauch heraus!«

Sehr gerne bietet die Kuratorin einige (Ver-)Führungen durch die Ausstellung im Gasteig an und empfiehlt dem Publikum, sich die Kunst langsam und genüsslich schmecken zu lassen: »Die Kunstwerke bieten uns die Möglichkeit, uns selbst zu reflektieren. Wie spreche ich eigentlich, wie bin ich im Umgang mit den Mitmenschen? Vielleicht schafft es die Ausstellung auch, den Gasteig mal anders zu sehen – nicht als Ort, der allein auf Musik reduziert wird, sondern als offenes Haus, wo sich alle treffen, ob Bäckermeister oder Architekt!«

Albert Coers »Gasteig-Encounters«

Insgesamt 10 völlig unterschiedliche Einzelprojekte überraschen vom 13. März bis 5. April 2020 vor dem Gasteig sowie in den Foyers: Performances, Skulpturen, Installationen oder Fotografien regen zum Hinschauen, Zuhören, Anfassen, Mitreden und Nachdenken an.

»Ich finde es schön, unser neues Kunstprojekt im Gasteig zu machen, weil jeder hier seinen Platz hat. Im Café übt ein Musiker Klavier in der Luft, gleichzeitig unterhalten sich daneben Flüchtlinge aus dem Deutschkurs oder Mütter mit ihren Kindern. In der Bibliothek spielen Jugendliche FIFA, ein Obdachloser schläft – alle sind nebeneinander da, aber man hat nie das Gefühl, dass man umgerempelt wird. Hier gibt es keinen Stadtstress.«

15. RischArt_Projekt 2020 »JAJA NEINNEIN VIELLEICHT«
Dauer: 13.3.–5.4.2020 von 8:00 bis 23:00 Uhr
Foyers im Innen- und Außenbereich; RischArt_Projekt-Information täglich besetzt von 10:00 bis 20:00 Uhr, Glashalle, 1. OG.
Weitere Informationen
 



Text: Maria Zimmerer
Fotos: VG Bildkunst / Albert Coers

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