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26.04.2018

»Es ist ein Privileg, hier zu spielen!«

»Es ist ein Privileg, hier zu spielen!«

Roman Sladek ist seit vielen Jahren Gasteig-Nutzer sowie Kopf, Herz und Posaunist der Jazzrausch Bigband. Bei der Langen Nacht der Musik am 28. April 2018 wird das Ensemble in der Philharmonie mit zwei Auftritten an sein fulminantes Debüt vor einem Jahr anknüpfen.

 

Du gehst hier im Gasteig schon seit vielen Jahren ein und aus, denn du hast an der Hochschule für Musik und Theater gleich drei Studiengänge absolviert?
Ja, das stimmt: zunächst Posaune klassisch, dann Posaune am Jazzinstitut und Kultur- und Musikmanagement und alle drei fanden überwiegend hier im Gasteig statt.

Ein schlüssiger, aber nicht unbedingt typischer Weg!
Ich komme aus Niederbayern und war als Schüler in Metal-Bands aktiv, auf dem musischen Gymnasium habe ich zur Posaune gefunden. Während des klassischen Studiums ist mir dann klar geworden, dass ich aus einem anderen Grund Musik machen möchte. Ich fühle mich, was die Aufführungspraxis und die Möglichkeiten das Repertoire mitzugestalten angeht, im Jazz deutlich wohler. So kam es für mich ganz natürlich zu diesem Wechsel. Mit dem Kulturmanagement wollte ich meinen Ambitionen als Netzwerker und Veranstalter frühzeitig einen Rahmen geben.

Womit wir auf die Jazzrausch Bigband zu sprechen kommen, in die Du alle deine Talente und Begabungen einbringst. Könnte man sagen, ohne den Gasteig gäbe es die Jazzrausch Bigband nicht?
Auf jeden Fall ist der Gasteig eine der Wurzeln des Projekts. Die andere ist der nicht mehr existierende Jazzclub »Rausch und Töchter«, dort habe ich unter dem Namen »Jazzrausch« eine Konzertreihe veranstaltet. Bis heute ist der Gasteig nicht nur unser Probenort, sondern der logistische Dreh- und Angelpunkt für alle unsere Konzerte. Wir treffen uns hier, wir laden die Instrumente ein und fahren von hier ab, egal wohin es geht, ob ins Muffatwerk gegenüber oder auf ein Gastspiel nach New York.

Es gibt nur wenige Künstler, die innerhalb kurzer Zeit in allen unseren Sälen auftreten. Ihr habt mehrmals in der Black Box gespielt, seid zur Eröffnung des Faust-Festivals im Februar im Carl-Orff-Saal aufgetreten und hattet vor einem Jahr zur langen Nacht euer fulminantes Debüt in der Philharmonie!
Das war ein Ereignis, ein absoluter Höhepunkt in der Geschichte der Jazzrausch-Bigband. Wir sind dem Haus von Anfang an eng verbunden: Vom Gasteig ging alles aus und wir kehren immer wieder sehr gern hierher zurück. Wahrscheinlich sind wir inzwischen auch schon die Resident Bigband des Gasteig!

Apropos Bigband – wie viele Musiker spielen bei Jazzrausch?
Es sind 40 feste Musiker dabei, aber alle Positionen sind doppelt besetzt. Sonst könnten wir die inzwischen mehr als einhundert Termine pro Jahr nicht spielen. Fast alle der Musiker kommen aus dem Jazz-Institut der Hochschule für Musik und Theater und es steigen immer wieder Studenten und Absolventen neu bei uns ein.

 

Jazzrausch ist also ein originär Münchner Projekt, hattest Du bei der Gründung Vorbilder?
Nein, es gab bis dahin nichts Vergleichbares, weder hier noch anderswo. Das Image von München gilt ja eher als etabliert bis konservativ. Aber die Jazzrausch-Bigband ist der beste Gegenbeweis zu dieser These, man kann hier durchaus etwas bewegen und entwickeln. Man muss groß denken und dran bleiben!

Du spielst in jedem Konzert selber mit?
Ja, von Anfang an und das wird auch so bleiben.

Woran erinnerst du Dich, wenn du an Deinen ersten Auftritt in der Philharmonie denkst?
An das Gefühl von Weite und Größe! Die Philharmonie ist ein besonderer Raum, der mich immer wieder beeindruckt. Ich empfinde es als Privileg dort zu spielen, das Gefühl nutzt sich nicht ab. Das nutzt sich aber auch in kleineren Locations nicht ab. Ich habe einen hohen Respekt vor allen Konzertsälen, weil die mir Raum geben, etwas zu machen.

Gibt es ein Konzert in der Philharmonie, welches Dir als Zuschauer besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Ja, das war eines der letzten Konzerte von Ludwig Hirsch, kurz bevor er starb. Ich kannte ihn über meinen Vater, war auf einigen seiner Konzerte in viel kleineren Sälen, und dann auf einmal die ausverkaufte Philharmonie, das war beeindruckend. Und ein zweiter persönlicher Höhepunkt, das war eben unser Jazzrausch-Auftritt vor einem Jahr mit dem Technoprojekt zur Langen Nacht der Musik 2017. Ein unvergesslicher Abend! Zweitausend Leute stehen auf und machen damit aus der Philharmonie einen Club und die Technikercrew vom Gasteig hat in Sachen Licht und Ton nicht nur mitgezogen, sondern das ganze regelrecht befeuert!

 

An diesen legendären Auftritt knüpft Ihr bei der diesjährigen Ausgabe gleich mit zwei Konzerten nacheinander an. Im ersten Set tritt die Hiphopperin Fiva mit Euch auf, arbeitet ihr regelmäßig mit Gästen?
Ich verstehe Jazzrausch nicht als klassische Band, die ein Album produziert und mit diesem dann auf Tour geht, sondern eher als einen Klangkörper mit festen Spielstätten und einer festen Besetzung, der künstlerisch sehr flexibel aufgestellt ist und sich immer wieder neues Material sucht und neuen Herausforderungen stellt. Mit Fiva sind wir bereits seit drei Jahren immer wieder unterwegs, wir haben gemeinsam schon drei Mal in München gespielt, zuletzt im Dezember in der ausverkauften Muffathalle, da kommt die Philharmonie jetzt genau richtig.

Du siehst in der Philharmonie eine ganz natürliche Bühne für Jazzrausch?
Als Jazzmusiker muss man mit dem gleichen Mut und der gleichen Souveränität in einen solchen Raum hineingehen, wie es die Münchner Philharmoniker oder das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks tun. Understatement ist da nicht angebracht. Wir befüllen den Raum und er macht mit und dann fühlen sich alle gemeinsam wohl – die Musiker auf der Bühne und das Publikum im Saal. Es ist das gemeinsame Erlebnis, welches zählt.

Der Gasteig steht vor einer umfangreichen Sanierung. Was hast Du für Wünsche an ein Kulturzentrum mitten in der Stadt München? Gibt es einen idealen Gasteig?
Nein, einen idealen Gasteig gibt es sicher nicht, das Haus sollte sich so aufstellen, dass jeder hier seinen idealen Gasteig finden kann. Ich wünsche mir, dass sich der Gasteig stärker als bisher als Plattform für die Subkultur versteht, dass er dafür Räume und Logistik bietet und auch kleinere Projekte am Laufen hält. Das Umfeld ist außerdem wichtig, für die Studenten ist das Haus ja auch ein Aufenthaltsort, das sollte gestärkt werden. Genauso wie die Möglichkeiten zum Netzwerken. Der Gasteig sollte ein offenes Haus bleiben, in jeder Hinsicht.

Die Grenzen zwischen Hoch- und Subkultur werden immer durchlässiger.
Genau, ein großer Teil des Publikums macht da schon lange keinen Unterschied mehr. Wenn es dann zwei große Konzertsäle in München gibt, dann wäre es doch großartig, wenn in der Philharmonie neben den Konzerten der Münchner Philharmonikern ganz selbstverständlich auch die Jazzrausch Bigband eine Konzertreihe hat, neben vielen anderen neuen Projekten und Formaten.

 

Die Jazzrausch Bigband spielt zur Langen Nacht der Musik 2018 im Gasteig: Die Walpurgisnacht zwei Konzerte in der Philharmonie (21.30 Uhr/23.30 Uhr).


Interview: Ingolf Müller
Fotos: Marcus Schröpfer

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