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11.04.2019

»Der Gasteig in allen Lebenslagen«

»Der Gasteig in allen Lebenslagen« Die Band »Umme Block« eröffnet das IsarFLUX-Festival: Leoni Klinger (l.) und Klara Rebers (r.) Ferhat Deliktas

Zum 10. Mal veranstalten die Gasteig-Azubis das IsarFLUX-Festival. Diesmal mit dabei: fünf Bands und eine Ausstellung. Während die Auszubildenden die letzten Handgriffe anlegen, wählt eine Künstlerin in Ruhe ihre Illustrationen aus und eine Band freut sich auf einen bedeutsamen Schritt.

Ein Beat setzt ein, dann hypnotischer Gesang und wohl gesetzte E-Gitarren-Riffs. Leoni Klinger steht hinter einem kleinen Keyboard mit angebauten Synthesizern. Die Hände hat die Sängerin selten frei. Denn neben dem Singen greift sie in die Tasten und bespielt Synthesizer und Beatmachines. Wenn die Hände dann doch mal frei sind, unterstreicht sie damit in klar gesetzten Bewegungen die Beats. Sie ist voll da, ob mit geschlossenen Augen oder eindringlichen Blicken. Neben ihr steht Klara Rebers, um die Schulter lässig eine schwarze E-Gitarre geschlungen, das Plektrum mal zwischen den Zähnen, mal an den Saiten. Auch sie steht selten still – sie kniet sich auf den Boden, bespielt Synthesizer und Beatmachines, um danach wieder aufzustehen und die zweite Stimme zu singen. Ihren Körper wippt sie im Beat vor und zurück. Dichte, sphärische Klänge wandern von der Bühne zu den Zuschauern, die sich wie in Trance in die Musik hineinfallen lassen.

Auf der Bühne stehen »Umme Block«. Oder, wie Klara und Leoni selbst manchmal sagen, »Umme und Block«. Denn: »Nur zu zweit können wir diesen Sound machen, das geht mit niemand anderem«, erklärt Klara. Seit zehn Jahren stehen die beiden gemeinsam auf der Bühne. Bis dahin haben sie einen ganz schönen Weg hinter sich gebracht. Vom herkömmlichen Singer-Songwriter-Duo mit Akustikgitarre haben sie sich zu einem Duo gewandelt, das seit Anfang 2018 auf eine unkonventionelle Art Musik macht und dabei auf Echtheit setzt. Kein Laptop auf der Bühne, kaum vorproduzierte Sounds, live bespielte, analoge Synthesizer – die Musik geschieht in Echtzeit auf der Bühne.

So passt es gut, dass »Umme Block« am 21. April das 10. IsarFLUX-Festival musikalisch eröffnen. Denn mit seinen Bands gibt das Festival jeden Ostersonntag einen Einblick in neue Trends und Tendenzen in der jungen Musikszene. Für »Umme Block« ist es »ein bedeutsamer Schritt«, im Gasteig zu spielen, wie Sängerin Leoni sagt. Nach Auftritten auf dem Streetlife-Festival, dem Isarinselfest, dem »Ois Giasing!«, dem Theatron, im Bahnwärter Thiel und im Milla Club ist nun der Gasteig dran. Für sie als echte »Haidhauser Kinder« ist das etwas ganz Besonderes. Die beiden 25-Jährigen haben schon viel Zeit im Gasteig verbracht, mit der ganzen Familie, beim Lernen fürs Abi in der Bibliothek oder auf Konzerten. Leoni, die mit dem Kinderchor schon auf der Bühne der Philharmonie zu »Der Herr der Ringe« gesungen hat, sagt: »Der Gasteig war in allen unseren Lebenslagen mit dabei. Jetzt ist es an der Zeit, dass wir den Gasteig als Band auf der Bühne erleben.« Als erste Band des Abends wollen sie das Festival gebührend eröffnen: »Unser Anfang ist sphärisch und zieht die Leute gleich rein«, verspricht Klara.

Eine halbe Stunde, bevor »Umme Block« auftreten, eröffnet die Künstlerin Mona Sardari ihre Ausstellung. Sie werde am Ostersonntag »keine Rede halten«, aber man könne sehr gerne auf sie zukommen und sie ansprechen, sagt die gebürtige Hamburgerin, die seit 2012 in München lebt. Wie die beiden Musikerinnen ist die 26-Jährige bewusst analog unterwegs, denn sie bearbeitet ihre Illustrationen nicht digital nach. Die Fehler, die bei analogen Illustrationen manchmal entstehen, machen für sie ihre Bilder zu etwas Besonderem. Deshalb beschreibt sie ihren eigenen Stil auch als »fehlerhaft, sehr krakelig, spontan, einfach und reduziert.«

Schwarz-Weiß-Illustration von Mona Sardari

Ihre Illustrationen zeigen – meist in Schwarz-Weiß – alltägliche Gegenstände oder Personen, die von außen auf sie einwirken, sowie Motive aus der Popkultur. »Ich freue mich, dass ich meine Illustrationen beim IsarFLUX jetzt in einem größeren Rahmen zeigen kann«, sagt sie. Auf dem Festival war sie bisher noch nicht, meint aber: »Nach dem, was ich so gehört habe, ist es sehr kreativ und ermöglicht Freies Denken. Deshalb glaube ich auch, dass meine Illustrationen gut zum IsarFLUX passen.«

Für die Azubis des Gasteig, die das IsarFLUX von Anfang bis Ende planen, haben die Vorbereitungen schon im Oktober 2018 begonnen: Seitdem treffen sich die neun Auszubildenden und ihre zwei Ausbilder regelmäßig. Schließlich gab und gibt es viel zu oragnisieren und zu bedenken: Welche Bands sollen auftreten, welcher Künstler ausstellen? Wie sollen Ton-, Licht- und Bühnentechnik aussehen, um Festival-Stimmung zu erzeugen? Sobald sie das entschieden hatten, setzten die Azubis Verträge auf und schickten sie an die Künstler oder deren Booking-Agenturen, buchten Hotels und bestellten das Catering für den Abend. Und auch Facebook und Instagram wollen bespielt werden, um möglichst viele Musikbegeisterte am Ostersonntag in den Gasteig zu locken.

Ein gutes Team: die IsarFLUX-Truppe

»Ich finde es cool, dass man für das IsarFLUX nicht nur in seinem eigenen Bereich arbeitet, sondern auch einen Einblick in die Bereiche der anderen Azubis bekommt«, sagt Dorothea Rauchbart, angehende Veranstaltungs-technikerin. Da können die Azubis viel voneinander lernen, denn von der Veranstaltungstechnik über die Ausbildung zur Industrie- und Bürokauffrau bis hin zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik ist alles dabei.

Und der Zusammenhalt unter ihnen ist deutlich spürbar: Da werden keine Entscheidungen im Alleingang getroffen, sondern stets im Team. So wurde auch über die Bands demokratisch abgestimmt. »Wir waren uns schnell einig, dass wir diesmal in die elektronische Musikrichtung gehen wollen«, sagt Philip Foidl, der seine Ausbildung in der Veranstaltungstechnik inzwischen abgeschlossen hat und vom Gasteig übernommen wurde, gerne aber noch weiter am IsarFLUX-Projekt mitarbeitet.

Das abwechslungsreiche Line-Up, das daraus entstanden ist, kann sich sehen lassen: Nachdem »Umme Block« den elektronischen Start machen, experimentieren die fünf Bandmitglieder von »Ark Noir« so richtig los. Sie mischen Techno, Dub, Beatmusic, Hip-Hop und Jazz zu einem ganz neuen Sound. Danach entführt der australische Singer-Songwriter »Joel Sarakula« direkt in die 70er Jahre, mit poppiger und teilweise psychedelischer Musik und eingängigen Melodien. Als vierte Band kombiniert das Duo »Die Wilde Jagd« dann E-Gitarre, Bass, Schlagzeug, Eisenschellen und Synthesizer mit Naturgeräuschen und Klängen aus aller Welt. Die Band »Komfortrauschen« bringt schließlich zusammen, was scheinbar nicht zusammengehört – Techno mit analogen Instrumenten. Damit am Ostersonntag alles für das Festival steht, bauen die Azubis von Donnerstag bis Samstag gemeinsam auf. Und dann geht es endlich los!

Das IsarFLUX-Festival findet am Ostersonntag, den 21. April ab 19:00 Uhr im Gasteig München statt, der Eintritt ist frei. Nähere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier.

Einen Vorgeschmack auf »Umme Block« gibt’s hier:


Interviews & Text: Anneke de Kemp
Fotos: Katharina Mörth, Mona Sardari, GMG/Anneke de Kemp

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