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19.03.2019

»Besser könnte das PIXEL nicht gelegen sein als hier am Gasteig«

»Besser könnte das PIXEL nicht gelegen sein als hier am Gasteig« Linus Einsiedler beim Projekt »Kino Asyl« Max Kratzer

45 Quadratmeter, etwas dunkel gelegen, in der Passage gegenüber der Glashalle – leicht zu übersehen, könnte man meinen. Wäre es nicht das PIXEL! Der Raum für Medien, Kultur und Partizipation blinkt, blitzt und leuchtet durch seine Glasfront nach außen, energetisch und mit jeder Menge Kreativität. Im Gespräch verrät uns Linus Einsiedler, was hier alles passiert.

Das PIXEL am Gasteig – ein Open Space rund um den Themenkomplex Medien – ist ein Projekt von Interaktiv, dem Münchner Netzwerk Medienkompetenz. Interaktiv wird getragen durch das Kulturreferat, das Sozialreferat und das Referat für Bildung und Sport und vereint etwa 60 Institutionen an der Schnittstelle von Medien, Bildung, Kultur und Sozialem. An dieser Schnittstelle knüpft das PIXEL an: Der Raum kann von Institutionen und Privatpersonen für Veranstaltungen gebucht werden, sofern diese im weitesten Sinne etwas mit Medien zu tun haben.

Das PIXEL von außen: hell erleuchtet, wie gewohnt!

Linus, Du bist im PIXEL mit Deinen zwei Kollegen Sebastian Ring und Vincent Wild zuständig für die Koordination der Veranstaltungen und die Raumbuchungen, bist Ansprechpartner für Besucher und Veranstalter. Wie bist Du an das PIXEL gekommen?
Ursprünglich komme ich aus dem Filmbereich. Ich habe selbst Filme gedreht und hatte mit Freunden eine Filmproduktionsfirma, die bis heute besteht. Ich habe dann ein Mediendesign-Studium abgeschlossen, und bin über unsere Firma in den Bereich Medienpädagogik gekommen. Ich habe selbstständig medienpädagogische Projekte mit Kindern und Jugendlichen durchgeführt und kam über meine Bachelorarbeit zum JFF (Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis). Anfang 2018 ist meine Kollege vom JFF, Thomas Kupser, auf mich zugekommen und hat mir von dem Raum hier erzählt. Er suchte jemanden für die Betreuung, so bin ich hierhergekommen.

Seit einem Jahr wird das PIXEL jetzt bespielt. Was für Erwartungen hattet Ihr und sind sie erfüllt worden?
Die Erwartungen aller Beteiligten sind übertroffen worden! Als wir im April 2018 starteten, wussten wir noch nicht, wie sich der Raum entwickeln würde und ob unsere Ideen funktionieren würden. Von Anfang an waren wir dann aber gut gebucht. Wir mussten gar nicht viel Werbung machen oder groß auf Menschen zugehen, sie kamen zu uns. Es war eher schwierig, die vielen Anfragen zu koordinieren und zu sortieren. Was mich besonders begeistert: Neben den Vereinen und Institutionen, die das PIXEL für Ihre Veranstaltungen buchen, kommen jetzt immer häufiger auch Privatleute, die den Raum für ihre Projekte nutzen. Sie machen Ausstellungen, Kunst-Installationen, Workshops, Vorträge und vieles mehr. Viele lernen den Raum durchs Vorbeigehen kennen und kommen darüber erst auf die Idee, ihre kreativen Ideen hier umzusetzen.

Das IMAL (International Munich Art Lab) im Pixel

Die Lage ist also genau richtig für Euch?
Ja, der Raum inspiriert nicht nur Veranstalter, sondern auch die zufälligen Flaneure hier in der Passage. Es ist leicht, mit uns in Kontakt zu kommen, denn jeder darf eintreten, sich umsehen, sich informieren – jeder ist willkommen und das fast immer, wann immer es geht. Der Raum wäre auch nicht der Raum, wenn er nicht diese Laufkundschaft hätte. Besser könnten wir also nicht gelegen sein als hier am Gasteig, wo so viele Menschen vorbeikommen. Das ist essenziell für das, was der Raum ist. Der Gasteig bietet dafür eine perfekte Lage. Sehr viele Menschen schauen hier spontan rein, so entwickeln sich Gespräche, man kann gemeinsam Ideen entwickeln und Projekte umsetzen.

Ihr habt eine große Bandbreite an Veranstaltungen – für Kinder bis Rentner/innen. Bei Euch spiegelt sich gewissermaßen im Kleinen wieder, was wir auch im Gasteig haben. Wie bringst Du das alles unter einen Hut?
Da der Raum als Aktionsfläche zu verstehen ist und ich bei den Projekten selbst meist nicht inhaltlich involviert bin, ist das gut machbar. Wir sprechen das Projekt durch, welche Technik gebraucht wird etc., und dann organisiere ich die Schlüsselübergabe. Die Veranstalter sind dann hier autark in diesem Raum. Der Aufwand ist dadurch bei jedem Projekt unterschiedlich. Wenn jemand Unterstützung braucht, bin ich gerne da. Ansonsten geht es eher um die Verwaltung und Raumorganisation.

Was ist das Besondere am PIXEL?
Hier ist fast alles möglich, wird sind spontan, unkompliziert und kurzfristig buchbar. Wir bekommen auch mal Anfragen für den nächsten Tag und können das oft umsetzen. Das Schöne ist auch, dass dieses Unkomplizierte und Kurzfristige unterstützt wird von Stellen wie dem Kulturreferat. Denn während man als Privatperson vielleicht nicht auf die Idee kommt, ein Referat der Stadt für seine Projekte anzusprechen, traut man sich das hier bei uns eher. (Das bestätigt uns prompt ein Besucher, der einen Raum für sein Fotografie-Projekt sucht und unserem Interview lauscht, Anm. d. Red.) Ich liebe außerdem die vielen interessanten Begegnungen mit Menschen, gerade an unserem wöchentlichen PIXEL-Infotag. Oft kommen Menschen zu uns, die einfach nur über den Raum oder unsere Veranstaltungen reden wollen. Es werden aber auch kleine technische Fragen gestellt, die man dann schon einmal für die Passanten lösen kann: das E-Mail-Programm, das sich nicht öffnen lässt, die Bilder, die aus dem Speicher verschwunden sind. Das lässt sich oft sehr schnell und einfach lösen, die Menschen freuen sich aber wahnsinnig. Uns haben schon Menschen zum Essen eingeladen, die regelmäßig hierher kommen. Es ist sehr persönlich, sehr angenehm und sehr schön.

Ullrich Tausend mit 1000lights.de

Was sollte man sich demnächst bei Euch vormerken?
In Planung ist derzeit eine Vortragsreihe explizit von und für ältere Menschen. Senioren werden dort Vorträge über moderne Themen halten. Es wird zum Beispiel ein Gamedesigner, der schon über 70 Jahre alt ist, etwas über seine Arbeit erzählen. Jeden zweiten Monat soll außerdem ein Medien-, Kunst- und Konzertabend mit Studenten der Hochschule für Musik und Theater stattfinden. Ein Highlight war für mich außerdem unsere Digitalisierungswerkstatt im letzten Jahr, eine Kooperation mit der Münchner Stadtbibliothek, von der wir hoffen, dass sie dieses Jahr weiter finanziert wird. Da konnte man alte VHS-Kassetten und Dias digitalisieren. Es war immer eine wunderbare Atmosphäre hier, wenn alte Videos mit Kinderaufnahmen, Hochzeitsvideos oder ähnlichem liefen. Es gab automatisch tolle Gespräche über die Begebenheiten auf den Videos, dazu parallel eine Kunstinstallation, die sich mit Vergänglichkeit auseinandersetzt, und Kindergeschrei im Hintergrund. Was will man mehr? Außerdem werden wir verstärkt mit den Instituten des Gasteig zusammenarbeiten. Sie schätzen das PIXEL, da es nah an ihrem eigenen Standort ist, aber trotzdem anders. Bei Großveranstaltungen wie der »Langen Nacht der Musik« ist das PIXEL fest eingeplant und die Zusammenarbeit läuft sehr gut. Ich bin begeistert über das Engagement und die Unterstützung, die wir vonseiten des Gasteig spüren. Wenn wir Probleme haben, z. B. mit der Technik, dann ist vom Gasteig immer jemand da, der uns unterstützt!

Und gibt es eine Feier zum 1. Jahrestag?
Ja, in irgendeiner Form bestimmt. Wir wollen auf jeden Fall das letzte Jahr Revue passieren lassen, die Veranstaltungen und Ergebnisse vorstellen. Aber auch das dann eher spontan (lacht)!

Zur Homepage des Pixel geht es hier.



Interview: Judith Ludwig
Fotos: PIXEL/Linus Einsiedler

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