Bild zeigt Seminar der Jungen Akademie Gasteig

Junge Akademie Gasteig

Kunstaneignung als aktive Eigenerfahrung

Kunst und Kultur sind nicht nur Genuss, sondern auch Mittel zur Gestaltung eines erfüllteren Lebens. Persönliche und gesellschaftliche Teilhabe an der Kunst setzt voraus, ihre Sprache zu erlernen.

Die Gasteig München GmbH hat 2007 mit Partnern aus der Wirtschaft, dem Stiftungswesen und den Medien eine Akademie gegründet, deren Ziel es ist, jungen Menschen, vorrangig mit nicht akademischen Ausbildungs- und Berufsabschlüssen, eine intensive Beschäftigung mit Kunst und Kultur zu ermöglichen. Sie arbeiten verantwortlich bei Projekten von professionellen Künstlern mit. Kunstaneignung vollzieht sich so als aktive Eigenerfahrung und soll zu einer selbstbewussten, dynamischen und verantwortlichen Teilhabe am kulturellen Leben der Gesellschaft motivieren.

2014 war das Filmfest München der Haupt-Kooperationspartner der Jungen Akademie Gasteig. Um für das 9-tägige Festival gewappnet zu sein, gingen die Akademisten auf Exkursionen zu einschlägigen Filmorten und Workshops mit ausgewählten Film- und Schauspielspezialisten. Die Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF) war dabei eine ganz besondere Unterstützerin der JAG 2014. Zum Akademie-Auftakt wurden die Akademisten in die Welt des Films und der Hochschule für Fernsehen und Film begleitet – dabei lernten sie die ersten Grundzüge des Filmemachens praxisnah kennen. Neun weitere Projekttagen führten die Azubis Schritt für Schritt an die Materie heran. Zwei Tage lang wurden Stimme, Körpersprache, Bewegung und Schauspiel-Improvisation in einem Schauspielworkshop trainiert. Bei einem Theaterbesuch in der Schauburg konnten Profis und ihr Können dann hautnah beobachtet werden.

Weiter ging es auf Exkursionen zur Produktionsfirma ARRI, in die Bavaria Filmstadt, ins Filmmuseum München, zu München TV und ins Filmtheater Sendlinger Tor. An diesen Orten bekamen die Akademisten Einblicke in die Entstehung aktueller Produktionen, es gab eine Vorführung historischer Filme verschiedener Genres und schließlich eine Einladung an den Arbeitsplatz eines Kinobetreibers. Der Besuch im Studio eines Geräuschemachers war ein besonderes Highlight für die Akademisten.

Zügige Schritte führten in Richtung Filmfest. Mit »A Tribute to Willy Bogner« legte das Filmfest München einen Schwerpunkt auf das filmische Schaffen Willy Bogners. Klar, dass die Bogner-Azubis auch bei wichtigen Programmpunkten, wie zum Beispiel der Willy-Bogner-Gala oder einer Podiumsdiskussion, mit dabei waren. Der Höhepunkt schließlich waren die eigenen Dreharbeiten der Akademisten auf dem Filmfest. Ziel war es, mit dem Wissen aus den vorausgegangenen Projekttagen und mit Unterstützung von Regiestudenten der HFF, eine Reportage über das 32. Filmfest München zu drehen. In drei Filmteams wurde nach Konzeptarbeit und technischer Einweisung schließlich einen Tag lang im Gasteig und teilweise anderen Schauplätzen gedreht, Produzenten, Schauspieler und andere Personen aus der Filmbranche interviewt – sogar Willy Bogner nahm sich Zeit und kam extra für die Akademisten in den Gasteig. Und so konnten beim Abschlussabend drei Filme bestaunt werden, die dann sogar noch auf der großen Projektionswand des Filmfests in der Glashalle des Gasteig öffentlich gezeigt wurden.

Die Auflage 2013 der Jungen Akademie Gasteig (JAG) behandelte gleich mehrere kulturelle Themenbereiche. Dreh- und Angelpunkt war dabei die Kooperation der JAG (Firma Willy Bogner und Gasteig München GmbH) mit der Akademie für Gestaltung und Design. Die Galerie Handwerk stellte vom 26. September bis 9. Oktober 2013 im Gasteig Abschlussarbeiten des Studiengangs »Gestalter im Handwerk« aus. Und die Akademisten der JAG waren selbst in Upcycling- und Fotoworkshops kreativ, um ihre eigenen Kunstwerke zur Ausstellung beizutragen.

An zehn Projekttagen lernten die Azubis das Ausstellungswesen in all seinen Facetten kennen. So wurden in der ersten Projektwoche Dauer- und Sonderausstellungen besucht. Die Konzeption, Dramaturgie und Vermarktung von Ausstellungen wurden gemeinsam unter die Lupe genommen. Dann krempelten die Akademisten die Ärmel hoch: In kleinen Gruppen entstanden Fotoprojekte unter dem Motto »Der andere Blick«, in denen die Firma Bogner auf neue Weise in Bildern festgehalten werden sollte.

Mit ihren Fotoprojekten aus der Bognerzentrale und den Upcycling-Objekten waren die Akademisten Teil der Ausstellung im Gasteig. Natürlich erhofften sie sich viele interessierte Besucher. Dafür haben sie selbst fleißig die Werbetrommel gerührt: sie hatten ihre ganz persönlichen Einladungen formuliert. Die Akademisten nutzen auch Social Media, um ihre Ausstellung zu bewerben.

Die Gesprächskonzertreihe »jazz around gasteig« entführte die Besucherinnen und Besucher in die Welt des Jazz, seine Geschichte und seine Machart. Sie war ein Projekt der Jungen Akademie Gasteig und wurde veranstaltet von der Gasteig München GmbH in Zusammenarbeit mit der Firma Willy Bogner und dem Jazzinstitut München, Hochschule für Musik und Theater München.

Rückblick auf die einzelnen Veranstaltungen

Neben dem allgemeinen Hörgenuss konnten die besprochenen Aspekte in der klingenden Musik entdeckt werden. Die AkademistInnen moderierten die Konzerte. Es spielten Studenten und Dozenten der Hochschule für Musik und Theater München. Leitung und Moderation: Michael Keul und Dr. Andreas Kissenbeck.

»Still Diggin' On The Blues« oder »Was verbindet Charlie Parker und John Lee Hooker?«

In diesem Konzert wurde der Einfluss des Blues auf den Jazz von seinen Anfängen bis zur heutigen Zeit beleuchtet. Dabei ging es unter anderem um die frühen Musizierweisen der afroamerikanischen Sklaven, um die sich daraus entwickelnde Stilistik und um die Elemente des Blues, derer sich der Jazz bis heute bedient.

»Moove To The Groove« oder »Als Der Jazz Das Tanzen Verlernte«

In diesem Konzert wurde der Einfluss von Groove und Rhythmus im Jazz von seinen Anfängen bis zur heutigen Zeit beleuchtet. Dabei ging es unter anderem um die Entwicklung des Jazz weg von einer Tanz- und Unterhaltungsmusik hin zu einer Kunstmusik, sowie um das damit verbundene unterschiedliche Selbstverständnis der ausführenden Musiker.

»Top Of The Pop« und »What Is Hip?«

In diesem Konzert wurde der Einfluss der Popmusik auf den Jazz von seinen Anfängen bis zur heutigen Zeit beleuchtet. Dabei ging es unter anderem um die Verwendung von Stilelementen sowie von konkreten Stücken, derer sich der Jazz im Lauf der Zeit bedient hat. In diesem Zusammenhang waren Broadway-Melodien und Pophits zu hören.

Am 29. Juli 2012 fand das ALLES GUT!-Festival im Gasteig statt. Einen Tag lang trafen sich gute Kunst und guter Zweck bei 111 Veranstaltungen. ALLES GUT! bot eine spannende Mischung aus Rock, Pop, Jazz, Klassik, Theater, Comedy, Kabarett, Tanz, Magie, Ausflüge in ferne Welten und ein aufregendes Programm für die Kleinen. Der Eintritt war für alle Veranstaltungen frei, aber es wurden freiwillige Spenden für die Projekte von sieben gemeinnützigen Partnerorganisationen gesammelt. Die Akademie unterstützte das Gasteig-Team auch bei diesem Festival mit charmanten Anmoderationen und großem Engagement beim Spenden sammeln.

2011, im vierten Jahr ihres Bestehens, gratulierte die Akademie selbstredend ihrer Trägerin zum Jubiläumsgeburtstag. Projektinhalt war im weitesten Sinne die Kommunikation von Mensch zu Mensch und Kunst zu Mensch. Die Ergebnisse konnte das Publikum in zwei Ausformungen erleben: Einmal informierten und betreuten die jungen Menschen auf professionelle Weise das Publikum von »Gasteig Elements«, zum anderen zeigten sie zwei Performances.

In ihrem Projekt 2010 baute die Junge Akademie Gasteig die Werkstatt der Visionäre: Den Ort, an dem sich die großen Pläne, kühnen Vorstellungen oder geheimen Wünsche materialisieren. Mit freundlicher geistiger Unterstützung der Agentur für organisierte Umwege unter der Schirmherrschaft des Ministeriums für Begeisterung. Ein Ort, an dem Konstellationen möglich sind, die das Leben nicht zu erlauben scheint. Ein Fantasy Island. Ein mental space shuttle. Eine Insel der verbotenen Selbstfindung. Eine Maßnahme für unbegründeten Enthusiasmus. Das Temporäre Institut für Abstraktionsvermögen. Eine Kompetenzbeschaffungsmaßnahme des Amtes für Innere Bewegung. JAG Foundation Keine Angst vor Hochkultur. Die Bibliothek der Leidenschaften. Ort für aufflammendes Interesse. Die Kulturdusche. Learn it and learn it well. Enthusiasm Incorporated. Your Tube. Wunderkammer der Wahrnehmung. Ein Tauchbecken der Vernunft.

In der Werkstatt ging es – wie in dem Theaterstück GREEN ROOM – um Vorstellungen vom Leben und der eigenen Zukunft. Die Frage lautete: Was ist es, was mich wirklich bewegt? Die Antworten gaben Auszubildende der Fa. Willy Bogner, und zwar in Form von Objekten, Bildern, Installationen und Performances, die öffentlich im Foyer neben der Black Box präsentiert wurden.

Die Visionärsdiplomanden waren: Sabrina Bergmann, Lena Brauburger, Kathrin Bürgle, Maximilian Drum, Ariane Ganser, Katharina Graubner, Franziska Hähnel, Florian Hartmann, Stephanie Hillreiner, Michael Honauer, Nadine Klughardt, Zinaida Lina, Friedrich Nagel, Matthias Nagy, Stephanie Reiner, Franziska Rochner und Veronika Widl.

Als Teil der Werkstatt waren vier junge Künstler eingeladen, die als Experten ihre Kunst zeigten und von sich und ihrem Weg erzählten:

Ulrich Gebert, Fotograf

ist ein Künstler, der mit Bildern arbeitet und dabei der machtvollen Verbindung von Zeigen, Bedeuten und Benennen mit fotografischen Mitteln nachspürt. In der Werkstatt der Visionäre zeigt er seine Arbeit »Amerika«: Bilder vom Arbeiten und vom Zeigen und von der Möglichkeit, Nicht-Sichtbares abzubilden.

Kassandra Wedel, Tänzerin

tanzt Hip-Hop als Ereignis, ist begeisternde Lehrerin dieses Tanzstils, ist an nationalen und internationalen Meisterschaften beteiligt und spricht mit uns darüber, dass Rhythmus ein Gefühl ist.

Yvonne Madrid, Sopran

studierte Gesang unter anderem in Rom, Florenz und München. Sie sang Konzerte in Deutschland, Österreich, in der Schweiz, in Italien und Japan. Mit ihrer Stimme gibt sie dem Klang eine räumliche und emotionale Präsenz, der man sich nicht entziehen kann.

Heike Geißler, Autorin

Ihr Debütroman »Rosa« erhielt 2001 den Alfred-Döblin-Förderpreis, es folgten »Nichts was tragisch wäre«, das Kinderbuch »Emma und Pferd Beere« und die Heftserie »Lücken kann man lesen«. Für uns liest sie Texte, die zum Teil in der Werkstatt entstanden sind. Über Arbeit, über Zukunft und über Erwartungen.

GREEN ROOM bezeichnet den Raum, in dem sich Künstler vor ihrem Auftritt sammeln. Im Angelsächsischen wird der Begriff auch für den Sozialraum einer Firma verwendet. Ein Ort des Ausruhens also und der Konzentration. Oftmals wird er aber auch zu einem Austragungsort von Konkurrenz, Neid, Angst und Aggressionen. In dem Theaterstück war es der Sozialraum einer Fluggesellschaft. Sechs Menschen im Alter von Schulabgängern bewarben sich um ihren Traumjob. Es war Bewerbungstag bei dreamlineAir. Die Aspiranten warteten. Dabei entwarfen sie ihre Vorstellungen von einem Leben, das sie noch gar nicht kennen konnten. Sie projizierten ihre Wünsche und Ängste in eine Zukunft, die immer vager vorauszuschauen und immer weniger planbar war. Im Laufe des langen und anstrengenden Tages zerschellten mancherlei Träume beinahe zwangsläufig an der Wirklichkeit. Entscheidend schien die Frage zu sein, was nach dem Scherben aufkehren folgen würde.

GREEN ROOM wurde 2009 entwickelt. Die Auszubildenden wurden eingehend nach ihren Visionen und Zukunftsängsten befragt und lieferten mit ihren Antworten das dramaturgische Material. Die Schauspieler entwarfen improvisativ die Koordinaten ihrer Figuren. Auf der Basis dieser Improvisationen schrieb der Autor den Text.

Mitwirkende:

Nina Bernreuther, Paula Binder, Deborah Müller, Ferdinand Schmidt-Modrow, Sarah Rebellato und Daniela Wolf, Absolventen der Neuen Münchner Schauspielschule. Text und Regie: Andreas Hänsel, Bühne und Kostüme: Anna Fleischle, Musik: Robert Merdzo, Licht: Peter Mentzel, Video: Benedict Mirow, Regieassistenz: Anna Sagalovskaya.

Pressestimme:

»…Die Schauspieler zeichnen präzise überzeugende Charaktere auf der Suche nach einer Berufszukunft … Mit viel Witz und Situationskomik pendeln sie zwischen Konkurrenz und Allianz, Selbstdarstellung und Entblößung. Eine höchst gelungene Aufführung, ebenso vergnüglich wie anrührend.« (Gabriella Lorenz, Abendzeitung München)

GREEN ROOM: Eine Produktion der Gasteig München GmbH.

In Partnerschaft mit der BMW Niederlassung München wurden klassische Konzerte für junges Publikum, eine Ausstellung über Materialverwendung in Kunst und Handwerk, sowie ein Open Air Festival mit Münchner Bands realisiert.